Coronavirus

Erst Lockdown, dann 90 Prozent weniger Buchungen: Die Carreisebranche leidet massiv

Auch nach Beendigung des Lockdowns ein häufiger Anblick: Reisecars, die unbenutzt in den Garagen stehen bleiben. (Archiv)

Auch nach Beendigung des Lockdowns ein häufiger Anblick: Reisecars, die unbenutzt in den Garagen stehen bleiben. (Archiv)

Ein Beispiel von vielen: Das Langendörfer Unternehmen Schneider Reisen bangt wegen Corona um seine Existenz.

Als im Mai die Schweiz ihre Grenzen schloss, traf dies die Reisebranche hart. So auch das Car-Unternehmen Schneider Reisen in Langendorf. «Faktisch war es eine Betriebseinstellung», sagt Patrick Schneider. Er und sein Bruder Alexander führen gemeinsam das Unternehmen. Anfang Jahr mussten sie aufgrund finanzieller Einbusse einen Kredit in Höhe von 500'000 Franken aufnehmen. Um diesen innerhalb von 5 bis 6 Jahren wieder zurückzahlen zu können, hofften sie auf eine Verbesserung des Geschäfts ab der Wiedereröffnung der Grenzen am 5. Juni. Und diese kam auch – zumindest zu Anfang.

«Die Leute buchten mehr und stornierten weniger, ihre Angst hatte nachgelassen», berichtet Schneider. Doch mit der Maskenpflicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln sowie den steigenden Zahlen der Neuansteckungen war diese Angst schnell wieder zurück. Nun schreibt das Unternehmen erneut tiefrote Zahlen: Der Betrieb musste zwar nicht eingestellt werden, es fahren jedoch viel weniger Cars als vorgesehen.

Mit nur 10 Prozent der Buchungen, die in vorausgegangenen Hochsaisons üblich waren, sieht es für die Jahresbilanz schlecht aus.

, sagt Schneider. «Man macht sich ernsthafte Gedanken um die Existenzfähigkeit.» Auch im Jahr 2021 rechnet er noch mit grossen Verlusten. Im übernächsten Jahr könne man dann vielleicht – wenn es gut läuft – die Ausgaben und Einnahmen auf die gleiche Höhe bringen.

Bis jetzt noch kein Coronafall

Und dabei müsste es so gar nicht sein, meint Schneider. Er ist der Meinung, man würde sich von der Situation viel mehr einschränken lassen als nötig. «Es war noch nie einfach, Reisen zu planen», erklärt er. «Natürlich sind die neuen Massnahmen und Regeln eine Umstellung, grundsätzlich sind sie aber nicht so schwer umzusetzen. Und wenn man sich an sie hält, ist Reisen auch trotz Corona nicht gefährlich.» Dies werde durch die Tatsache gestützt, dass seit der Wiederaufnahme des Betriebs noch kein Schneider-Reisen-Passagier positiv auf Covid-19 getestet wurde.

Und sollte dies doch passieren, sei bei einer Carreise auch das Contact-Tracing viel einfacher als zum Beispiel bei einer Busfahrt, da man genau wisse, wer wo sass und wie viel Abstand sie zueinander hatten. «Man muss sich nun einfach überlegen, wie sehr man sich von den Umständen und Risiken einschränken lassen will», gibt Schneider zu bedenken.

«Viele Firmen aus der Branche werden verschwinden»

Bis jetzt hat Schneider Reisen 50 Prozent ihrer Cars nach dem Schutzkonzept coronakonform eingerichtet, um das Reisen für ihre Kundinnen und Kunden sicher zu machen. Diesen würde auch sofort die andere Hälfte der Fahrzeugflotte folgen, wenn denn wieder mehr Passagiere vorhanden wären. Wirklich optimistisch ist Schneider jedoch nicht: «Es ist ganz klar, dass viele Reisefirmen und Reisebüros in dieser Zeit verschwinden werden.» Momentan versuche man, gemeinsam mit dem Verband Astag und anderen Vertretern der Tourismusbranche nach Lösungen zu suchen. «Wir hoffen, dass uns vom Bundesrat geholfen wird, eine branchenspezifische Lösung zu finden», zeigt sich Schneider zuversichtlich.

Der Firmenchef wünscht sich – wohl mit der ganzen Branche – sehr, dass die Kunden den im Moment leider schwer zu verwirklichenden Traum vom Reisen weiter mit ihnen teilen. «Die Welt gehört uns allen», sagt Schneider. «Und jeder hat ein Anrecht darauf, sie zu entdecken.»

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