Tierquälerei

Erschreckende Bilder aus dem Schwarzbubenland: Beinwiler Bauer unter Quälverdacht

Gegen den Bauern, der diesen Hof führt, wurde eine Anzeige wegen Verstosses gegen die Tierschutzverordnung erstattet.

Gegen den Bauern, der diesen Hof führt, wurde eine Anzeige wegen Verstosses gegen die Tierschutzverordnung erstattet.

Videoaufnahmen von einem Hof im Thierstein zeigen Erschreckendes. Schlachtschweine werden grob verladen.

Auf dem abgelegenen Hof oberhalb von Beinwil ist es ruhig. Von den Schweinen im Stall, die hier leben, hört man nichts. Am äussersten Zipfel des idyllischen Schwarzbubenlands scheint alles in Ordnung zu sein.

Ein Video, das hier oben heimlich aufgenommen wurde, zeigt jedoch ein anderes Bild: Zwei Männer packen Schlachtschweine an Ohren und Schwanz und werfen sie in eine Schubkarre. Beim Verlad gehen sie grob mit den Borstentieren um. Das Quieken der Säuli ist ohrenbetäubend. Der Bauer, der den Hof zusammen mit seiner Frau führt, steht daneben. Die «Rundschau» des Schweizer Fernsehens machte die Aufnahmen vorgestern publik. Zugespielt wurden sie dem Fernsehsender von der Tierrechtsorganisation Tier im Fokus:

Bauer im Solothurner Jura misshandelt Schweine – SRF veröffentlicht Video

Bauer im Solothurner Jura misshandelt Schweine – SRF veröffentlicht Video

Im Beitrag wird erwähnt, dass der Landwirt schon einige Male darauf aufmerksam gemacht worden sei, die Schweine sorgfältiger zu behandeln. Der Patron des Abnehmers der Tiere, der Künzler AG, einem Vieh- und Schweinehandelsunternehmen aus dem zürcherischen Richterswil, spricht dem Bauern ins Gewissen. Der Landwirt zeigt sich auf dem Video aber wenig einsichtig. Früher sei man mit den Tieren auch so umgegangen. Die Schweine hätten keine grossen Schmerzen und würden schnell einmal beginnen, zu schreien.

Kanton Solothurn erstattet Anzeige gegen Bauern

Gerne hätten wir den Bauern am Donnerstag zur Schweinehaltung auf seinem Hof befragt. Ein telefonisch vereinbartes Treffen auf dem Bauernhof lässt er platzen. Stattdessen erscheint der Sohn des Landwirts und droht mit der Polizei. In aggressivem Ton sagt er: «Sie befinden sich auf unserem Grundstück. Unten steht Ihr Auto. Da steigen Sie jetzt ein und fahren los.» Auskunft geben, werde man nicht.

Vielleicht hängt die Verstimmtheit auch mit dem bevorstehenden Ungemach zusammen. Der Veterinärdienst des Kantons Solothurn hat vor, gegen den Bauern rechtliche Schritte einzuleiten. «Wir erstatten zeitnah eine Anzeige gegen den Landwirt wegen Verstosses gegen die Tierschutzverordnung, schreibt die Solothurner Kantonstierärztin Doris Bürgi Tschan auf Anfrage. Die Tiere müssten beim Treiben sowie Ein- und Ausladen schonend behandelt werden.

Ob und wie weiter auf dem Hof interveniert werde, sei Gegenstand des laufenden Verfahrens. Mit welchen Konsequenzen der Bauer zu rechnen habe, entscheide die Staatsanwaltschaft, erklärt Bürgi Tschan. «Tagtäglich werden überall Tiere verladen. Es wäre absolut unverhältnismässig, ressourcenmässig nicht machbar und nicht zielführend, wenn das Verladen auf den Betrieben kontrolliert würde.» Der Veterinärdienst kontrolliere mindestens ein Viertel der Nutztierhaltungen im Kanton. Den Betrieb in Beinwil kenne man. Genaueres möchte sie nicht sagen.

Der Regionalsender Tele M1 konnte den Beinwiler Bauern am Donnerstag treffen und hat auch mit einem Vertreter der Organisation Tier im Fokus gesprochen: 

Tierquäler-Vorwürfe: Schweinebauer rechtfertigt sich

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Tierschutzverein aus der Region ist alarmiert

«Auf dem Video sind ganz klar tierquälerische Handlungen zu sehen», zeigt sich Olivier Bieli schockiert. Für den Basler Tierschützer gehören «Nutztiere nicht in die Hand dieses Mannes», wie er sagt. «Ich würde in ganz klar ein Tierhalteverbot aussprechen, wenn ich könnte.» Eltern, die ihre Kinder so behandelten, nehme man den Nachwuchs weg. Um Missstände, wie sie in Beinwil festgehalten wurden, weiterhin ans Tageslicht zu bringen, sei eine Stärkung des Tierschutzes wichtig. Bieli gibt zu bedenken, dass in der Vergangenheit oftmals heimlich gefilmte Aufnahmen vor Gericht nicht als Beweismittel zugelassen wurden.

Als Reaktion auf den Fernsehbeitrag verschickte Olivier Bieli eine Medienmitteilung. Darin weist er darauf hin, dass der Bauer aus Beinwil zwei Pferde eines Tierquälers aus dem thurgauischen Hefenhofen gekauft hat. Er fragt: «Gelangten die Pferde vom Besitz eines Tierquälers in den Besitz eines anderen Tierquälers?»

Bei unserem Besuch in Beinwil sehen wir auf einer Weide neben dem Hof zwei Pferde. Sie sind wohlgenährt – kein Vergleich zur Situation damals im Thurgau. Ob es sich bei den Tieren um diejenigen aus der Ostschweiz handelt, erfahren wir nicht. Denn etwas sagen, möchte hier niemand.

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