Amtsgericht

Erpresser ist vermutlich in der Türkei untergetaucht

Beim Postparkplatz in Grenchen geschah 2012 nicht nur die Geldübergabe zwischen Opfer und Erpresser. Es klickten auch die Handschellen.

Beim Postparkplatz in Grenchen geschah 2012 nicht nur die Geldübergabe zwischen Opfer und Erpresser. Es klickten auch die Handschellen.

Ein heute 43-jähriger Türke drohte seinem Opfer unter anderem mit einer Waffe und verlangte Geld. Weil der Angeklagte aber nicht zur Verhandlung vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern erschien, musste die Verhandlung neu angesetzt werden.

Immer wieder holte Tolga Ü.* eine alte Geschichte als Vorwand hervor, um Sascha M.* zu drohen und zu erpressen. An einer Fasnacht vor vielen Jahren soll der heute 38-jährige Schweizer den mittlerweile 43-jährigen Türken beleidigt haben. Im Sommer 2011 verlangte deshalb Tolga Ü. als «Wiedergutmachung» ein «Darlehen» von 2000 Franken. Um seiner unverschämten Forderung Nachdruck zu verleihen, schlug er sein Opfer und drohte mit einer Waffe. Sascha M.* holte das Geld bei zwei Bankautomaten und zahlte.

Am 6. Januar 2012 bat Tolga Ü. unter dem Vorwand, das «Darlehen» zurückzahlen zu wollen, wieder um ein Treffen auf dem oberen Postparkplatz in Grenchen. Dort drohte er Sascha M. mit einem Messer und forderte laut Anklageschrift 17 000 Franken, sonst würden seine beiden ukrainischen Komplizen dessen mittlerweile schwangere Lebenspartnerin aufschlitzen und das Baby herausholen, und er müsse dabei auch noch zuschauen. Diese grauenhafte Drohung versetzte das Opfer in Angst und Schrecken. Sascha M. zahlte das erpresste Geld in zwei Raten.

Mit Selbstmord gedroht

Der Krug geht zum Brunnen, bis er bricht: Tolga Ü. meldete sich schon bald wieder. Mit der Zahlung der 17 000 Franken seien Frau und Kind zwar gerettet, aber jetzt seien nochmals 10 000 Franken für sein eigenes Leben fällig. Sascha M. war sowohl mit den Nerven als auch mit seinen finanziellen Möglichkeiten am Ende. Er sagte dem Erpresser, dass er sich von der Wandfluh stürzen werde. «Wenn du das nicht erledigst oder mit der Polizei darüber redest, dann wärst du froh, wenn du gesprungen wärst», antwortete Tolga Ü. darauf laut Anklageschrift.

Diesmal machte das Opfer endlich den richtigen Schritt und ging zur Polizei. Diese stellte ihm die vom Erpresser geforderten 10 000 Franken zur Verfügung. Sascha M. wurde genau instruiert, wie er sich bei der Übergabe auf dem oberen Postparkplatz zu verhalten hatte, damit sein Leben nicht in Gefahr gerät. Sekunden nach der Geldübergabe wurde Tolga Ü. am 13. Januar 2012 von der Eingreiftruppe der Polizei in einer Blitzaktion verhaftet und drei Wochen ins Untersuchungsgefängnis gesteckt.

Gericht muss nochmals tagen

Die Anklage lautet auf mehrfache räuberische Erpressung, und wer auf diese Weise in flagranti verhaftet wird, muss natürlich mit einer längeren Gefängnisstrafe rechnen. Der vorbestrafte Türke, der von einer IV-Rente lebt, setzte sich deshalb vor der Verhandlung vermutlich in seine Heimat ab. «Ich habe seit Monaten nichts mehr von ihm gehört», erklärte sein Pflichtverteidiger am Montag vor dem Amtsgericht Solothurn-Lebern. «Er ist daheim ausgezogen und seine Frau kann keine Auskunft darüber geben, wo er sein könnte.»

Dem Gericht blieb somit nichts anderes übrig, als die Verhandlung neu anzusetzen und den Angeklagten nochmals aufzubieten. Falls er zum zweiten Mal nicht erscheint, kann das Verfahren rechtsgültig in Abwesenheit durchgeführt werden.

*Namen von der Redaktion geändert

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