Solothurner Bauernverband
Ernüchternde Worte an der Delegiertenversammlung — Bauern stehen vor einer ungewissen Zukunft

An der Delegiertenversammlung des Solothurner Bauernverbands wurde Klartext gesprochen. Der Preisdruck und die fehlende Diversifikation machen der Branche zu schaffen. Das der Bund die Schutzzölle lockern will, verschärft die Situation.

Severin Bommer
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Peter Brügger, Bauernsekretär: «Die Diversifizierung ist die Absicherung der Bauern, die jedoch zunehmend wegfällt.»

Peter Brügger, Bauernsekretär: «Die Diversifizierung ist die Absicherung der Bauern, die jedoch zunehmend wegfällt.»

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An der Delegiertenversammlung des Solothurner Bauernverbands, die wie jedes Jahr im Riedholzer Wallierhof stattfand, sorgten mehrere Themen für Gesprächsstoff.

Zu Beginn liess Präsident Andreas Vögtli gleich das Landwirtschaftsjahr 2017 Revue passieren und verdeutlichte in seiner Rede, wie schwer es die Obstbauern 2017 getroffen hatte. Durch Frost im September wurden vielerorts komplette Kulturen zerstört, was zu grossen Einkommenseinbussen führte.

Des Weiteren wirke sich der Schaden besonders aus, da Bauern durch den Preisdruck gezwungen seien, sich zu spezialisieren. Die Obstbauern konnten durch diesen Umstand im Jahr 2017 kein oder nur wenig Einkommen einstreichen.

Gefahren für die Landwirtschaft

Bauernsekretär Peter Brügger liess die Feststellungen von Präsident Vögtli in sein Referat einfliessen und zeigte die Probleme der Bauern auf.
Der Preisdruck auf Landwirtschaftserzeugnissen, der auf die vom Bund zunehmend vorgenommenen Lockerungen der Schutzzölle zurückzuführen sei, nehme den Bauern die Einkommenssicherheit.

Da der Kunde nur noch beste Qualität kaufen würde, fokussieren sich die Bauern darauf, in einem Anbaugebiet besonders gut zu sein. Dadurch diversifizieren sie ihr Angebot jedoch nicht mehr, was bei Ernteausfällen, wie im Jahr 2017, schwere Folgen haben könne. Peter Brügger: «Die Diversifizierung ist die Absicherung der Bauern, die jedoch zunehmend wegfällt.»

Eine weitere Gefahr für die Landwirtschaft sei der immer unvorhersehbarere klimatische Rahmen. Brügger betonte an dieser Stelle, dass es immer nötiger werde, eine Einkommensversicherung für die Bauern und Bäuerinnen zu lancieren. Anhand einer solchen Versicherung soll es Betrieben ermöglicht werden, auch mehrere Jahre mit schlechter Ernte nacheinander überbrücken zu können. Mit dem Status quo bringen solche Ausfalljahre viele Betriebe an die finanziellen Grenzen.

Die vom Bund gebotene Unterstützung sei hier zu gering. Brügger betonte an dieser Stelle, dass zurzeit in dieser Hinsicht noch nichts konkret in Planung sei, doch möchte er mit seinem Referat die Diskussion anregen. Die Delegierten sowie die anwesenden Gäste um Regierungsrätin Brigitte Wyss, Kantonsratspräsident Urs Ackermann und den Vizepräsidenten des Schweizerischen Bauernverbands, Fritz Glauser, verfolgten die Referate der Verbandsvertreter aufmerksam.

Wahlen bringen Änderungen

Der Jahresbericht und die Jahresrechnung wurden von den über 80 Delegierten einstimmig angenommen. Der Solothurner Bauernverband konnte in finanzieller Hinsicht eine positive Bilanz ziehen.

Im Vorstand des Verbands sind drei Änderungen erfolgt. Urs Adam, Othmar Widmer und Dominik Meier verlassen den Vorstand und werden ersetzt durch Martin Reinhart, Robert Dreier und Felix Gebhart. Die restlichen Vorstandsmitglieder, die Revisionsstelle sowie Präsident und Vizepräsidentin wurden wiedergewählt.

Düsterer Ausblick

Der Ausblick ins Landwirtschaftsjahr 2018 kann die Bauern nicht positiv stimmen. Durch die zunehmende Öffnung der Märkte für ausländische Konkurrenten und dem damit einhergehenden Zerfall der Preise bei gleich bleibenden Kosten malte der Verband ein düsteres Bild. Dazu komme noch, das in der anstehenden Initiative für sauberes Trinkwasser diverse Bestimmungen zum Gebrauch von Pestiziden und der Verwendung von Antibiotika in der Tierhaltung verpackt seien. «Das Problem ist, dass niemand etwas gegen sauberes Trinkwasser haben kann, was uns Bauern hart treffen könnte», resümierte Präsident Andreas Vögtli.

In der Folge hielten auch Regierungsrätin Brigitte Wyss und der Vizepräsident des Schweizer Bauernverbands eine Rede. Wyss strich heraus, dass die Landwirte eine hohe Verantwortung tragen und für die Gesellschaft auch stark von Bedeutung seien. Sie sicherte den Bauern ihre Unterstützung zu und machte am Beispiel der Investitionen in den Wallierhof klar, dass die Landwirtschaft der Kantonsregierung am Herzen liege.

«Einsamkeit bringt um»

Den Schlusspunkt der Delegiertenversammlung setzte Pierre-André Schütz, Pfarrer und Seelsorger in der Landwirtschaft, der mit einem etwas anderen Referat, das ein wenig an einen Gottesdienst erinnertte, auftrumpfte. Durch langjährige Erfahrung aus vielen seiner Fälle berichtete er von Tragischem, das stets in irgendeiner Weise mit der Landwirtschaft und deren Problemen in Zusammenhang stand.

Schütz zeigte auf, dass die Veränderungen in der Landwirtschaft nicht nur das Portemonnaie der Bauern betreffen, sondern auch tiefe Spuren in deren psychischer Gesundheit hinterlassen können. So sei die grösste Gefahr für einen Bauern nicht etwa das finanzielle Risiko, sondern die Einsamkeit. Schütz traf mit seinem Referat bei den Bauern und Bäuerinnen einen Nerv, was man an vielen bewegten Gesichtern feststellen konnte.