Hintergrund
Ernsterer Natur als vermutet: Hinter Roland Fürsts Abtritt stecken mehr als nur ein paar «Bresten»

Roland Fürsts überraschender Verzicht auf eine neuerliche Regierungsratskandidatur und dessen Hintergründe.

Balz Bruder
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An der Eröffnung der Wasserämter Veloroute deutete noch nichts darauf hin, dass Roland Fürst zwei Jahre später seinen Verzicht bekanntgeben würde.

An der Eröffnung der Wasserämter Veloroute deutete noch nichts darauf hin, dass Roland Fürst zwei Jahre später seinen Verzicht bekanntgeben würde.

Hansjörg Sahli

Auch am Tag nach der aus heiterem Himmel erfolgten Ankündigung der CVP, ihre beiden Regierungsräte Roland Heim und Roland Fürst verzichteten auf eine Wiederkandidatur bei der Gesamterneuerungswahl im kommenden Jahr, dominierte Überraschung. Nicht darüber, dass Heim nach Erreichen des Pensionsalters einen neuen Lebensabschnitt in Angriff nehmen wird, sondern darüber, dass auch der 59-jährige Fürst abtreten wird.

Nachgefragt: Der «Sitz hängt nicht an mir alleine»

Die CVP-Doppelvakanz im Regierungsrat setzt nicht zuletzt Nationalrat Stefan Müller-Altermatt als möglichen Kandidaten unter Erwartungsdruck. Er hält sich aber weiter bedeckt.

Soll die CVP mit zwei Kandidaturen ins Rennen steigen?

Stefan Müller-Altermatt: Selbstverständlich. Der Kanton ist gut gefahren mit der Doppelvertretung der politischen Mitte. Wir werden dafür kämpfen, dass die Regierung mit Kontinuität ihre Politik der konstruktiven Lösungen fortsetzen kann.

Die Doppelvakanz schmälert aber die Chancen der CVP?

Auf den ersten Blick mag das so scheinen. Der Angriff auf den Sitz von Roland Fürst wäre aber ja auch bei einer späteren Einzelvakanz gekommen. Unsere Basis hat vor acht Jahren bewiesen, dass sie für die Doppelvertretung kämpfen kann. Für die interne Motivation ist die Doppelvakanz gar nicht so schlecht.

Dann müssen aber auch Sie selber antreten – werden Sie?

Die CVP hat überall fähige Leute mit Regierungsratsformat. Ich kann Ihnen deshalb versichern, dass dieser Sitz nicht an mir alleine hängt. Zu meinen persönlichen Absichten äussere ich mich noch nicht. (ums.)Auf ihm ruhen viele Hoffnungen: Der Herbetswiler Nationalrat Stefan Müller-Altermatt.

Die offizielle Begründung lautet: «Der Bau- und Justizdirektor kämpft seit geraumer Zeit mit Spätfolgen seiner intensiven sportlichen Vergangenheit. Für das Kurieren braucht er Zeit, die ihm in seiner Funktion als Regierungsrat nicht zur Verfügung steht.» Eine Argumentation, die zunächst so überraschend anmutete wie die Ankündigung selbst. Denn Fürst ist als passionierter Wanderer und Biker bekannt. Mit dabei die beiden Hunde. Und die Kamera, die seine stete Begleiterin ist.

Noch Ende Dezember sagte der damals abtretende Landammann in einem Interview mit dieser Zeitung auf die Frage, wohin es Biker Fürst in diesen Tagen ziehe, wenn er sich aufs Velo schwinge: «Standard sind die Jurahöhen von Lostorf bis Oensingen. Vielleicht gibt es noch den einen oder anderen Weg zu entdecken, den ich heute noch nicht kenne.»

Das tönte weder nach Einschränkung noch nach Schmerz und Pein. Ganz abgesehen davon, dass der Bau- und Justizdirektor in der Öffentlichkeit nie eine Miene verzog. Im Gegenteil: Wo man ihn antraf, strahlte er. Was also ist passiert? Weshalb der Einschnitt? Fürst sagt auf Anfrage: «Auf der einen Seite plagen mich die Spätfolgen meiner früheren sportlichen Tätigkeit, die sehr intensiv war. Auf der anderen Seite hatte ich in den letzten zwei Jahren auch viel Pech», führt er aus. Der Regierungsrat stürzte beim Wandern und beim Biken – mit der Folge, dass er sich die Schulter ebenso operieren lassen muss wie die beiden Knie. «Das wird mich mit Sicherheit ein halbes Jahr ausser Gefecht setzen», sagt er. Und das sei mit der Tätigkeit als Regierungsrat nicht zu vereinbaren.

«Ich hatte gehofft, die Operationen verschieben zu können und vier Jahre Regierungsrat sein zu können», sagt Fürst, «doch ich musste einsehen, dass das nicht geht.» Und zwar umso weniger, als er zwar einen guten Umgang mit den unvermeidlichen Schmerzen gefunden habe, diese ihn in seiner Lebensqualität aber gleichwohl einschränkten. «Es war eine schleichende Entwicklung», erzählt Fürst, «bis ich mir eingestehen musste, dass es so nicht weitergehen kann.» Er bedaure dies sehr, aber es sei der richtige Entscheid für ihn und seine Familie. Nicht ohne anzufügen: «Ich hätte Lust gehabt, weiter Regierungsrat zu sein.» Denn er sei nach wie vor «im Saft».

Dass er sich mit dem Entscheid, wenn auch schweren Herzens, einen Gefallen tut, nicht aber seiner Partei – dessen ist sich Roland Fürst bewusst. Er teilt aber die Auffassung der Parteispitze, dass es keinen Grund gibt, einen der beiden vakant werdenden CVP-Sitze kampflos preiszugeben. «Roland Heim und ich wurden auch im gleichen Umgang gewählt», sagt Fürst, «warum sollte das im kommenden Jahr mit zwei anderen Kandidaturen nicht möglich sein.» Wohlwissend, dass die CVP wähleranteilsmässig in der Regierung übervertreten ist – «aber das wäre jede Partei mit zwei Sitzen», fügt er an.

«Ausplampen» ist für Fürst trotz allem kein Thema, im Gegenteil. Vor allem im Hochbau gibt es spannende Vorhaben, die in Arbeit sind. Die Palette reicht vom Zentralgefängnis über den Bildungscampus Solothurn bis zum Schwerverkehrszentrum in Oensingen. Und im Tiefbau von der Verkehrsanbindung Thal über die Umfahrung Oensingen bis zum Passwang. Für diese Projekte wird es nicht mehr reichen, dafür für das Mehrjahresprogramm Natur und Landschaft sowie für die Klimamassnahmen, die dem Biologen Fürst am Herzen liegen.

Übrigens: Pläne, was er nach der «Instandstellung der Mechanik» machen wird, hat der frühere Direktor der Handelskammer tätige Fürst noch nicht. Er ist ebenso vielseitig interessiert wie bewandert. Im tatsächlichen wie im übertragenen Sinn. «Es ist noch alles offen», sagt Fürst dazu, «wichtig ist nun, dass ich wieder richtig auf die Beine komme.» Ohne Zweifel daran zu lassen, «dass ich sicher noch etwas machen will».