Erneuerbarer Rohstoff
Im neuen Solothurner Energiekonzept soll Holz einen «beachtlichen» Anteil am Energiemix ausmachen

Für den Kanton Solothurn liegt ein neues Holzenergiekonzept vor. Es rechnet mit einem grossen freien Potenzial für die Nutzung von einheimischem Holz als alternativem Energieträger.

Urs Moser
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Restholz der verarbeitenden Industrie wird zum Beispiel zu Pellets verarbeitet.

Restholz der verarbeitenden Industrie wird zum Beispiel zu Pellets verarbeitet.

Boris Bürgisser

Im Zug der klimapolitischen Diskussion gewinnt Holz als erneuerbarer Rohstoff an Bedeutung. Nicht nur als alternatives Baumaterial, sondern auch als Energielieferant. Denn Holz kann auch buchstäblich klimaneutral verheizt werden.

Der Kanton Solothurn verfügt bereits seit 1986 über ein Holzenergiekonzept, letztmals vertieft analysiert wurden die aktuelle Nutzung und das Potenzial der Holzenergie im Kanton im Jahr 2009. Sobald das neue Holzenergiekonzept vorliege, «können und sollen die nötigen Massnahmen beschlossen und umgesetzt» werden, um die Holzenergie weiter zu fördern, wurde Kantonsrat Matthias Anderegg (SP, Solothurn) von der Regierung in der Beantwortung einer Interpellation beschieden. Das ist inzwischen der Fall, und das überarbeitete Konzept zeigt auf, dass in der Holzenergienutzung tatsächlich nach wie vor ein grosses ungenutztes Potenzial liegt.

Das Solothurner Holz reicht noch für viele neue Anlagen

Die Energieproduktion mit Holz hat in den vergangenen Jahren durchaus zugenommen. Der heutige Energieholzbedarf ist seit 2009 von rund 93'000 auf knapp 104'000 Festmeter pro Jahr gestiegen. Festmeter ist ein Raummass, das einem Kubikmeter fester Holzmasse entspricht. Das freie Energieholzpotenzial wird allerdings auf rund 77'000 Festmeter veranschlagt, das Gesamtpotenzial für zusätzliche Holzenergieanlagen mit einer Gesamtnennleistung von rund 60 Megawatt wird also bei weitem noch nicht ausgeschöpft.

Aufgrund der bereits im Bau befindlichen oder geplanten Anlagen ist bis 2029 mit einem Anstieg des Bedarfs auf gegen 128000 Festmeter zu rechnen, allerdings auch mit einem Anstieg des zur energetischen Nutzung verfügbaren Holzes, womit auch 2029 immer noch ein freies Potenzial von knapp 57'000 Festmetern Energieholz vorhanden sein dürfte. Es gibt also noch reichlich Luft nach oben für die Holzenergieförderung zum Ersatz von fossilen Heizungen.

Waldstück im September 2021 in Holderbank.

Waldstück im September 2021 in Holderbank.

Patrick Luethy

In den Berechnungen des neuen Konzeptes sind zwar Grossanlagen wie etwa Altola Olten oder Kebag Zuchwil nicht enthalten, weil sie zu einem grossen Teil Holz von ausserhalb des Kantons Solothurn verwerten. Aber selbst wenn noch eine neue Grossanlage gebaut würde, decke das einheimische Potenzial die Differenz des Bedarfs von 2019 und 2029 bei Weitem, heisst es im neuen Holzenergiekonzept aus der Feder des Solothurner Büros Kaufmann + Bader.

Einen solchen Bau halten die Autoren im Zusammenhang mit dem Ausbau der A1 auf sechs Spuren für realistisch. Bei einem Bauprojekt dieser Grösse sei es denkbar, dass dafür ein neues Asphaltwerk in der Region gebaut wird, das gemäss einer Vorstudie nach skandinavischem Vorbild mit Holzstaub betrieben werden könnte.

Kanton soll mehr in die Förderung investieren

Das Konzept sieht zwei Handlungsschwerpunkte: Erstens soll Holz als Ersatz fossiler Energieträger einen Beitrag zur Reduktion der Treibhausgasemissionen in naher Zukunft leisten. Zweitens soll die Holzenergie langfristig einen «beachtlichen» Anteil am gesamten Energiemix ausmachen. Es werden verschiedene Massnahmen vorgeschlagen. Nachdem die Förderbeiträge für Holzheizungen im Kanton Solothurn bereits auf das zulässige Maximum erhöht wurden, sollen auch die Fördersätze für den Neubau/die Erweiterung von Wärmenetzen erhöht werden.

Weiter soll der Kanton eine Potenzialanalyse für Fernwärme- und Wärmekraft-Kopplungsanlagen durchführen und die Gemeinden über potenzielle Standorte für solche Anlagen informieren. Kanton und Gemeinden sollen beim Bau und der Sanierung von öffentlichen Gebäuden eine Vorbildfunktion einnehmen.

Oder es wird auch vorgeschlagen, Fördermittel für den Einsatz von Holzpellets bereitzustellen, die zu 100 Prozent im Kanton produziert werden: Neben dem Energieträger selbst würden auch die reduzierten Transportwege vom Herstellungs- zum Lagerort des Kunden zur CO2-Reduktion beitragen.

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