Kanton Solothurn
«Erinnerungen an den Lockdown werden wach»: Wie die Alters- und Pflegeheime mit dem Virus umgehen

In den Alters- und Pflegeheimen der Region gelten wieder strengere Regeln, seit dem Frühling haben die Institutionen aber viel gelernt.

Rebekka Balzarini
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Pflegeheime haben seit dem Frühling viel im Umgang mit dem Coronavirus gelernt. (Archiv)

Pflegeheime haben seit dem Frühling viel im Umgang mit dem Coronavirus gelernt. (Archiv)

Seit das Coronavirus in der Schweiz grassiert, werden sie besonders geschützt: die Alters- und Pflegeheime. In ihnen leben viele Personen, die aufgrund ihres Alters ein erhöhtes Risiko haben, im Falle einer Erkrankung an Covid-19-Komplikationen zu entwickeln.

Mit den stark steigenden Fallzahlen im Kanton sind auch die Regeln für die Heime wieder strenger geworden: Gemeinsam haben das Amt für soziale Sicherheit und die Gemeinschaft der Solothurnischen Alters- und Pflegeheime (GSA) schärfere Massnahmen beschlossen.

Seit der vergangenen Woche dürfen Personen in den Alters- und Pflegeheimen nicht mehr auf ihren Zimmern, sondern nur noch in von der jeweiligen Institution definierten Sektoren besucht werden. Die Bistros und Cafés in den Alters- und Pflegeheimen werden für externe Besucher geschlossen, und die Bewohnerinnen und Bewohner der Heime sollen sich möglichst nicht ausserhalb des Heim-Areals bewegen.

In Notfall helfen sich die Institutionen aus

Dass Besuche auf den Zimmern nicht mehr möglich sind, sei für die Bewohnenden eine traurige Nachricht, erklärt Tony Broghammer, der Präsident der GSA: «Da sind wir uns auch bewusst, dass Erinnerungen an den Lockdown vom März wach werden.» Mittlerweile seien die Heime aber vorbereitet und hätten Räumlichkeiten für Treffen mit den Angehörigen hergerichtet. Das neue Besuchsregime führt auch dazu, dass die Pflegenden neben der ordentlichen Betreuung zu einem gewissen Teil den Part der Besucherinnen und Besucher übernehmen. «Dies bedeutet mehr emotionales Engagement, was sich mit der Zeit negativ auf die Belastbarkeit der Mitarbeitenden auswirken kann», so Broghammer.

Neben dem Schutz der Risikopersonen, die in den Heimen leben, gilt die Aufmerksamkeit des Kantons auch dem Personal, das in den Institutionen angestellt ist. In der vergangenen Woche hat das Gesundheitsamt 21 Personen verzeichnet, die in einem Alters- und Pflegeheim arbeiten und positiv auf Covid-19 getestet wurden. Insgesamt hat der Kanton seit dem Frühling 55 Fälle verzeichnet. Die Fälle stammen laut Angaben des Kantonsarztes Lukas Fenner aus verschiedenen Institutionen. Fünf Bewohnerinnen und Bewohner sind in der vergangenen Woche positiv getestet worden, seit Beginn der Pandemie sind in den Heimen der Region 23 Personen erkrankt.

Sollte es aufgrund von Personalausfällen in den Alters- und Pflegeheimen zu Personalengpässen kommen, sei eine Zusammenarbeit zwischen den Institutionen möglich, erklärt der Präsident der GSA. «Die Heime tauschen sich in den Regionen regelmässig und selbstständig aus. Dabei kann auch das Aushelfen mit Personal ein Thema sein», sagt Broghammer. «Sollte trotzdem ein Engpass nicht mehr aus eigener Kraft bewältigt werden können, ist die GSA selbstverständlich bereit, als Vermittlerin tätig zu werden.»

Mit Blick auf eine mögliche zweite Welle im Herbst hat sich der kantonsärztliche Dienst bereits seit dem Frühsommer mit der Frage beschäftigt, wie gut sich das Personal in den Heimen vor Ansteckungen schützen konnte. Dazu führte er eine Studie zur Durchseuchung im ambulanten Bereich durch, bei der insgesamt 363 Personen untersucht wurden. Unter anderem wurden Ärzte, Pflegefachfrauen, Pflegehilfen und Medizinische Praxisassistentinnen im ambulanten Bereich getestet. Von den Studienteilnehmenden wiesen sieben Personen Antikörper auf, davon waren sechs in Alters- und Pflegeheimen angestellt, vier dieser sechs als Pflegehilfen.

Während die Resultate also einerseits darauf hinweisen, dass die Schutzkonzepte in den Hausarztpraxen gut funktioniert haben, zeigen sie laut dem Kantonsarzt andererseits, dass sie im Bereich der Alters- und Pflegeheime in der Anfangsphase der Pandemie im Frühling «noch nicht optimal» umgesetzt wurden. «Dies hat sich mittlerweile deutlich gebessert, was sich in den aktuellen Zahlen widerspiegelt», so Fenner.

Die Heime hätten in den vergangenen Monaten viel geleistet, betont der Kantonsarzt. Auch mit Unterstützung des Kantons, der die Schutzkonzepte vor Ort überprüft und per E-Mail laufend sensibilisiert habe. Im Einsatz standen laut Fenner auch Fachpersonen für Spitalhygiene der soH. Weiter führe der Kanton regelmässig Webinare zum Thema Schutzmassnahmen und Ausbruchskontrolle durch.

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