Langenbruck
Erinnerung an den grossen Alpenflieger Oskar Bider

Seit Samstag brummt die Luft ob Langenbruck. Alte Flieger, junge Flugbegeisterte und viele mehr erinnern sich an den 100. Jahrestag des ersten Fluges über die Alpen ihres Oskar Bider. Doch was waren die Verdienste dieses Ausnahmefliegers?

Christian Burkhardt*
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Beim Bider-Fest in Langenbruck von gestern Samstag beobachtet ein Besucher ein Jagdflugzeug YAK 52, gesteuert von David Oldani. Lucas Huber

Beim Bider-Fest in Langenbruck von gestern Samstag beobachtet ein Besucher ein Jagdflugzeug YAK 52, gesteuert von David Oldani. Lucas Huber

Nur wer weiss, was es auch heute noch bedeutet, mit einem kleinen Flugzeug von Bern direkt über das Jungfraujoch zu fliegen, kann sich vorstellen, welche Leistung der erst 22-jährige Oskar Bider vor hundert Jahren, am 13. Juli 1913, mit seiner Blériot XI, Motor Gnôme 70PS, vollbracht hat.

Seine Glanztat war vor allem eine akribische Vorbereitung in Bezug auf Wetter, Flugroute, Flugmaterial und Zeit. Bider machte es sich nicht einfach. Die Überquerung des Hauptalpenkammes über den Gemmi- oder den Grimselpass wäre wesentlich einfacher gewesen. Doch der Langenbrucker wollte den Beweis erbringen, dass es auch über die schwierigste Route möglich ist.

Merkmale einprägen als Bergsteiger

Louis Blériot, der geniale Flugzeugkonstrukteur in Paris, riet ihm davon ab, weil der Motor seiner Maschine in 3600 Meter über Meer höchstens noch 45 PS leisten würde. Bider solle es mit einem stärkeren Motor versuchen, welcher noch nicht erhältlich war. Doch die Zeit drängte, und Bider war entschlossen. Als begeisterter Bergsteiger erklomm er speziell die Berge, über die er bei seiner Überquerung fliegen würde, und prägte sich besondere Merkmale ein.

Die Jungfrau hatte es ihm besonders angetan. Als einer der ersten Aviatik-Pioniere der Schweiz, welche eine richtige Piloten-Ausbildung erfahren hatten, wusste er bereits über Winde und Thermik Bescheid. Dies alles und sein Mut erlaubten es ihm, sich an seinen Traum heranzuwagen. Nach verschiedenen Versuchen erfolgte der Start am 13. Juli 1913 um 4.08 Uhr früh in Bern-Beundenfeld.

Höhenweltrekord nur ein schöner Nebeneffekt

Es sollte ein riesiger Triumph werden. Die Zwischenlandung in Domodossola neben dem Denkmal des dort abgestürzten Vorgängers von Bider, Geo Chavez, war nur kurz, um nachzutanken. Im Gepäck hatte er den Brief des Berner Stadtpräsidenten Adolf von Steiger. Nach vier Stunden erfolgte die Landung um 8.48 Uhr in Milano-Taliedo, wo den Schweizer eine begeisterte Menge stürmisch in Empfang nahm.

Der gleichzeitige Höhenweltrekord war nur ein schöner Nebeneffekt. Auf der ganzen Welt wurde über den Erfolg berichtet. Flugkonstrukteur Blériot brach in Tränen aus, als er von Biders neuem Rekordflug vernahm, und sandte ein Glückwunsch-Telegramm. Der Bundesrat schenkte eine goldene Uhr mit Gravur, und dem Flugpionier wurde die französische Ehrenbürgerschaft angetragen. Doch Biders Antwort «Ich fliege nur für die Schweiz» ist legendär geworden.

Alle Flugrekorde der Schweiz übertroffen

Als Bider am 26. Juli auf dem Rückflug Milano–Liestal–Basel die 250 km in 3 Stunden 9 Minuten bewältigte, hatte er alle damals möglichen Flugrekorde der Schweiz geschafft. Am 30. Juli überreichte ihm der Bundesrat für seine hervorragende Leistung auf dem Gebiet der Flugtechnik einen Chronometer mit Widmung. Im Herbst 1913 wurde Bider von der Eidgenössischen Militärverwaltung nach Berlin und Paris entsandt, um den damals neuesten Stand der Aviatik zu studieren.

Kurzerhand flog er mit seinem Blériot-Eindecker in 4 Stunden 21 Minuten von Paris nach Bern, was wiederum ein Rekord über Dauer und Distanz war. Mitte April 1914 unternahm er den ersten Alpenflug mit Passagier. Dann brachte der Ausbruch des Ersten Weltkrieges andere Aufgaben. Der Kavallerie-Unteroffizier Oskar Bider eilte am 2. August 1914 zu den Fliegern. 1917 wurde er Kommandant des ersten Militärgeschwaders von 13 Maschinen. Im Juli 1919 nahm Oskar Bider von der Fliegertruppe Abschied.

Bider stellte sich an die Spitze einer Bewegung, die für die Schweiz ein Luftverkehrsnetz schaffen sollte. Die Urkunde zur Gründung dieser Gesellschaft war von ihm aufgesetzt und trägt seine Unterschrift. Am Tag, bevor er von Italien ein Wasserflugzeug in die Schweiz überführen sollte, stürzte Oskar Bider in seinem Jagddoppeldecker Nieuport in Dübendorf tödlich ab. Zwei Tage später wurde der weltberühmte Flieger in Langenbruck, zusammen mit seiner Schwester Leny, beigesetzt. Sie hatte, vom Schmerz überwältigt, ihrem Leben freiwillig ein Ende gesetzt. Die Beerdigung fand am 10. Juli 1919 statt.

*Christian Burkhardt ist Gemeinderat in Langenbruck und im OK «100 Jahre Alpenflug» für die Kommunikation zuständig.