Die Solothurner Vokalisten begeisterten am Freitag in der Johanneskirche in Trimbach und am Samstag in der Franziskanerkirche in Solothurn. Einmal mehr hatte es Patrick Oetterli – der innovative, begabte Chorleiter – verstanden, mit einer sinnvollen Programmfolge einen überzeugenden Kontrapunkt zu den sonst üblichen Passions-Konzerten zu setzen.

Zusammen mit dem «ensemble glarean» und der Bläserphilharmonie Zug gelangen ihm überzeugende Interpretationen anspruchsvollster Chor-Werke von Anton Bruckner, Carl Rütti und Johannes Brahms.

Die verbindende Klammer bildete eine der grossen Messen, die Anton Bruckner noch vor seinen singulären Sinfonien komponiert hat: Die Messe e-moll für Doppelchor und Bläser-Ensemble. Von den Frauenstimmen innig und klangschön initiiert hob das «Kyrie» an und transparent wurde das polyfone Gewebe ausgekostet und bis zum strahlenden Höhepunkt mit eindrücklichen Posaunenklängen gesteigert.

Mit machtvoller Stimme leitete der Bass Ismael Arroniz das «Gloria» ein. Textdeutlich, mit reichen dynamische Abstufungen und farbigen Klängen des Bläserchores – Oboen, Klarinetten, Fagotte, Hörner, Trompeten und Posaunen – wurden die bewegten Rhythmen musiziert und für das «Credo» – mit seinen so unterschiedlichen Stimmungen – fanden der Dirigent und seine aufmerksam folgenden Sängerinnen und Sänger bis hin zum grandiosen Amen die richtigen Töne.

«Aus tiefer Not» von Carl Rütti

Als willkommene Ruhepunkte für Chor, wie für Hörer erklangen – gespielt von der Orgel-Empore herab – einige Aequale von Beethoven und Bruckner: Kurze, choralartige, durch die Besetzung mit drei Posaunen von herbem Ernst geprägte, typisch österreichische Trauermusik.
Als weiterer Kontrapunkt folgten zwei Kompositionen des Solothurner Komponisten Carl Rütti.

In ergreifender persönlicher Tonsprache – mit faszinierenden Klangflächen – war die Motette «Aus tiefer Not» zu hören – in einer Nachdichtung Martin Luthers von Psalm 130. Und aus seinem grossen Oratorium «Zu Babel ein Turm» auf einen Text von Ulrich Knellwolf – von der Altistin Jane Tiik wundersam eingeleitet – wurde der anspruchsvolle Chorsatz «Jesus Christus» gespielt, bei dem die Bässe mit tiefsten Tönen das nötige Fundament legten.

Auch mit «Christus factus est» aus dem reichen Motetten-Schatz des Meisters von St. Florian dokumentierte der Chor mit seinem ausgeglichenen Klang die sorgfältigste Schulung durch Patrick Oetterli.

Dem «Sanctus» mit seinen bis in extremste Höhen geführten Sopranstimmen folgte ein inniges «Benedictus» mit klangschöner Begleitung durch Holzbläser und Hörner. Mit einem berührend gestalteten «Agnus Dei» klang Anton Bruckners Messe – der man gerne einmal live begegnet ist – wundersam aus.

Sinnvoll schloss sich der Kreis mit dem Begräbnisgesang op. 13 – einem frühen Werk von Johannes Brahms für Chor und Bläser, aber bereits mit leisen Vorahnungen auf sein berühmtes «Deutsches Requiem» – eindrücklich und zu Herzen gehend.

Mit einer weiteren Motette Anton Bruckners, dem Graduale « Os justis» bedankte sich der Chor für den herzlichen Applaus, der leider nicht sehr zahlreich erschienenen Freundinnen und Freunde sakraler Musik, die ein Passionskonzert abseits ausgetretener Pfade geniessen durften.