Spitalversorgung
Erfreuliche Nachrichten: Budget von 300 Millionen wird voraussichtlich unterschritten

Das Budget wird im laufenden Jahr voraussichtlich um 5 bis 10 Millionen Franken unterschritten. Regierungsrat und Kantonsrat haben für die Spitalbehandlungen gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) exakt 300 Millionen budgetiert.

Balz Bruder
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Die Spitalbauten wachsen in Solothurn derzeit schneller als die Versorgungskosten.

Die Spitalbauten wachsen in Solothurn derzeit schneller als die Versorgungskosten.

Hanspeter Bärtschi

Erfreuliche Kunde aus dem Solothurner Spitalwesen: Wenn die Prognosen des Kantons nach drei Quartalen eintreffen, wird die stationäre Versorgung im laufenden Jahr die 300-Millionen-Franken-Grenze nicht überschreiten. Zur Erinnerung: Budgetiert haben Regierungsrat und Kantonsrat für die Spitalbehandlungen gemäss Krankenversicherungsgesetz (KVG) exakt 300 Millionen.

Nach Aussage von Heinrich Schwarz, Departementssekretär des Innendepartements und Chef des Gesundheitsamts, «ist zum heutigen Zeitpunkt damit zu rechnen, dass der Voranschlag unterschritten werden kann». Nach dem moderaten Anstieg der Krankenkassenprämien im kommenden Jahr also eine weitere gute Nachricht aus dem Gesundheitswesen, das sich sonst eher durch Hiobsbotschaften über ungebremstes Kostenwachstum auszeichnet.

Ausserkantonale hospitalisation

Patientinnen und Patienten aus unserem Kanton sind gute Kunden in Spitälern ausserhalb Solothurns. Spitalversorgungs-Chef Philipp Brugger sagt: «Der Eigenversorgungsgrad in den Solothurner Spitälern (Obach, Pallas, soH) beträgt seit Jahren etwa 60 Prozent, während rund 40 Prozent der Solothurner Patienten ein ausserkantonales Spital aufsuchen.

Dabei handelt es sich in der Regel um ein Haus, das auf der Solothurner Spitalliste steht – und bei dem Patienten deshalb in den Genuss jenes Beitrags kommen, der ihnen der Kanton gleichsam auf den Weg gibt. Dieser sogenannte Referenztarif bezeichnet jene Vergütung, die der Wohnkanton des Patienten an das für die Behandlung in einem ausserkantonalen Listenspital ausrichtet. Wobei er nicht höher sein darf als der Preis, der für die betreffende Behandlung im Wohnkanton bezahlt wird.

Der Grad der ausserkantonalen Hospitalisation ist im Kanton Solothurn vergleichsweise hoch, wie der schweizerische Vergleich der Patientenströme zeigt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass Kantone ohne Universitätsspital unter dem Strich mehr Ab- als Zuwanderung von Patienten haben als solche mit universitären Kliniken. (bbr.)

Wie hoch die Budgetunterschreitung sein wird, ist derzeit schwer abzuschätzen. Philipp Brugger, Leiter Spitalversorgung, geht von 5 bis 10 Millionen Franken aus. Er relativiert aber gleichzeitig und sagt: «Erstens wissen wir nicht, wie sich die akuten Spitalbehandlungen im vierten Quartal entwickeln werden; zweitens kann nicht vorausgesagt werden, wie viele Fälle von den Spitälern bis Ende Jahr tatsächlich abgerechnet werden.» Ein Anhaltspunkt für die behandelten Fälle ist dabei die Anzahl Rechnungen, die jährlich gestellt werden: 2017 waren es rund 50'000.

Prognosen sind schwierig, aber die Anzeichen sind deutlich

Die Unwägbarkeiten bei der Kostenprognose sind nicht neu und haben die Rechnungsergebnisse der letzten Jahre stets von Neuem beeinflusst. Stiegen die Aufwendungen von 2015 auf 2016 um fast 30 auf 277,3 Millionen Franken, sanken sie von 2016 auf 2017 um gut 5 auf 272,5 Millionen. Nichtsdestotrotz wurde für das laufende Jahr erstmals ein Budgetbetrag von 300 Millionen Franken eingesetzt. Kann er um den prognostizierten Betrag unterschritten werden, erscheinen die für das kommende Jahr budgetierten 305 Millionen wiederum realistisch. Dies unter der Annahme, dass die Kosten jährlich um rund 3 Prozent wachsen.

So oder anders: Klar ist, dass der Kanton seinen Anteil von (mindestens) 55 Prozent an den Kosten der stationären Spitalversorgung zu übernehmen hat, derweil die restlichen 45 Prozent von den Krankenversicherern gestemmt werden. Nicht in Stein gemeisselt, aber zunehmend stabil sind auch die Basispreise in der Akutsomatik, die von den Tarifpartnern – Krankenversicherer und Spitäler – verhandelt und von der Regierung genehmigt werden müssen. Liegen sie bei den Solothurner Spitälern (soH) bei 9650 Franken, rechnet die Privatklinik Obach mit 8930 Franken und die Pallas Kliniken mit 9320 bis 9400 Franken (je nach Krankenversicherer).

Aufschlussreich dabei ist, dass die Basispreise, die zur Errechnung der effektiven Kosten mit einem Schwerefaktor für den einzelnen Fall multipliziert werden, seit der Einführung der neuen Spitalfinanzierung im Jahr 2012 leicht sinken. Zur Illustration: Starteten die soH-Spitäler mit einem Basispreis von 9890 Franken, waren es bei der Privatklinik Obach 9396 Franken und bei den Pallas Kliniken 9400 Franken. Trotz dieser Tendenz geht Spitalversorgungs-Chef Brugger «eher nicht» davon aus, dass die Preise weiter fallen werden. Vielmehr ist von einer Stabilisierung auszugehen, wie sie auch in anderen Kantonen in jüngerer Vergangenheit zu beobachten ist.

Tarifhöhe in der Psychiatrie ist umstritten

Ein Spezialfall in der Spitalversorgung ist derzeit noch die stationäre Psychiatrie. Zwar konnten sich die Tarifpartner nach Aussage von Schwarz zwischenzeitlich einigen, allerdings steht der Vertrag mit Tarifsuisse noch aus und konnte demnach auch noch nicht genehmigt werden. «Es ist wichtig, alle Tarife in einem Verfahren zu prüfe und allenfalls genehmigen zu können», betont Gesundheitsamts-Chef Schwarz. Dies vor dem Hintergrund, dass die Tarifstruktur für die stationäre Psychiatrie erst seit Anfang Jahr gilt und es sich bei der Bildung des sogenannten Tarpsy-Tarifs in allen Kantonen um ein erstmaliges Verfahren handelt. Die Tarifhöhe ist denn auch umstritten – nicht zuletzt vonseiten der Preisüberwachung, die sich sowohl im Pflege- als auch im Spitalbereich intensiv mit Tariffragen befasst.