Das «Leuchtturmprojekt» SoloGrid ist abgeschlossen. AEK, Alpiq und die weiteren am Testbetrieb beteiligten Firmen bezeichneten den Feldversuch, bei dem 38 Gebäude in Riedholz durch ein intelligent gesteuertes Stromverteilnetz miteinander verknüpft wurden, an einer Informationsveranstaltung gestern als Erfolg.

Kurz zusammengefasst: Das System GridSense bringt die Spitzen der Stromproduktion mit den Spitzen des lokalen Stromverbrauchs in Harmonie. Ausgedacht wurde das System in der SUSPI, der Scuola universitaria professionale della Svizzera italiana.

«Der Durchbruch der Photovoltaik und der Elektromobilität stellt eine grosse Herausforderung für die Netzbetreiber dar», erklärte Marcel Morf, CEO der Alpiq-Tochter InnoSense AG, den rund geladenen 40 Gästen im Luterbacher AEK-Gebäude. Früher sei das Stromkabel vom Produzenten bis zum Endkunden eine Einbahnstrasse gewesen. Mit der dezentralen Stromproduktion durch Solarpanels auf den Dächern von Privathäusern habe sich das grundlegend geändert. Zudem werde das Netz heute durch das Laden der leistungsstarken Batterien in Elektrofahrzeugen stark schwankenden Belastungen ausgesetzt.

Netzschwankungen verkleinert

Das Ziel des Feldversuchs sei es gewesen, mit einer intelligenten Lösung im Testgebiet die Netzschwankungen zu verkleinern. «SoloGrid ist der Praxistest, den unsere Netzoptimierung nun bestanden hat», zog Michel Gasche, Bereichsleiter Netze der AEK onyx AG, eine positive Bilanz.

In 38 Haushalten steuerte das System während fast zwei Jahren 22 Wärmepumpen, 35 Smartmeter, 8 Photovoltaikanlagen, 34 Boiler, 5 Ladestationen für Elektroautos und 3 Heimbatterien. Die ausgleichende Wirkung des neuen Systems ist bereits dann markant, wenn in einem lokalen Netz nur schon in einem Viertel der Haushalte die kleinen, grauen Kästchen laufen. Besonders das smarte Ansteuern der Warmwasserboiler verminderte im Riedholzer Testgebiet ganz entscheidend die unerwünschten Netzschwankungen.

Auch die am Test beteiligten Haushalte scheinen grossmehrheitlich zufrieden zu sein. «Beim Aufstarten des Systems hat es Komforteinbussen gegeben», erinnerte sich Peter von Allmen an den ersten Winter mit GridSense. Es sei im Haus plötzlich nur noch 18 Grad warm gewesen. «Nach der ersten Justierung lief dann aber die Wärmepumpe wieder perfekt und wir waren sehr zufrieden.»

Interessenkonflikt vorgezeichnet

Ein Algorithmus bestimmt den idealen Zeitpunkt, wann die Batterie des Elektroautos zu laden ist, wann die Wärmepumpe oder der Boiler eingeschaltet werden soll. Dieser Algorithmus lernt das Nutzerverhalten und steuert den Stromverbrauch vorausschauend. GridSense braucht dazu keine grosse Steuerzentrale. Die kleinen Boxen arbeiten selbstständig mit dem sich selber lenkenden Algorithmus. Von der Zentrale erhält das System Zusatzinformationen wie den Wetterbericht. Mit diesen Daten errechnet der Algorithmus zum Beispiel eine Prognose für die am nächsten Tag zu erwartende Stromproduktion der Photovoltaikanlage. So kann GridSense den Eigenverbrauch optimieren, was auch für den Besitzer einer Photovoltaikanlage finanziell interessant sein kann.

Aber wann ist es wirklich sinnvoll, möglichst wenig Strom zu beziehen und wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen, die elektrischen Geräte im Haushalt einzuschalten? GridSense liefert auf diese Frage immer die Antwort, die für den Netzbetreiber passt. Denn der will die Spannungsschwankungen in seinem Netz reduzieren, damit er keine neuen, extrem teuren Kabel verlegen muss.

Für den Endverbraucher sieht die Antwort auf dieselbe Frage etwas anders aus. Für diesen lohnt es sich immer, möglichst viel Strom von der eigenen Photovoltaik-Anlage zu verbrauchen und den Rest zum billigen Nachttarif zu beziehen. Ein Interessenkonflikt scheint vorgezeichnet, solange in der Schweiz überholte Tarifsysteme gelten, die falsche finanzielle Anreize setzen. Denn der billige Nachttarif ist für den Algorithmus im kleinen, grauen Kästchen keine Steuergrösse.