Am Dirigentenpult des diesjährigen Solothurner Blasorchesters stand Thomas Mosimann. An den beiden Konzerten dieses Wochenende spielten Jugendliche zwischen 11 und 20 Jahren – darunter auch 14 «Erstlinge».

Mit «Skyliner» von Otto M. Schwarz begann das verjüngte Orchester sein Konzert zum Abschluss des diesjährigen Musiklagers. Den 2015 geschriebenen Konzertmarsch hat der Komponist selber in zwei verschiedenen Schwierigkeitsgraden aufgelegt.

Mit viel Feingefühl liessen die Jungen danach die Sonne musikalisch sanft aufgehen; am Morgen vor dem grossen Erdbeben 1868 am Stand von Punalu. So beginnt das Stück «Up from Earth’s Center» von Rob Romeyn, das ebenfalls auf dem Programm stand. Eine traditionelle Melodie mahnt zum Respekt an Mutter Natur, bevor das Erdbeben und der Tsunami losbrechen. Da durften die Jungen sich austoben, bis leises Rauschen bloss noch die verebbenden Schaumzungen im schwarzen Sand darstellten.

Aus dem Zweiten Weltkrieg

Das nächste Stück – «Folk Dances» – arrangierte James Curnow im Jahr 2000. Es entstammt einer musikalischen Revue aus dem Jahr 1942 – also mitten im Zweiten Weltkrieg. Mit Material aus Volkstänzen wollte der Komponist Dimitri Shostakovich (1906 bis 1975) offensichtlich die düsteren Zeiten etwas erhellen. Damit gelang es ihm auch, sich dem stetigen Druck der stalinistischen Diktatur zu entziehen.

Der Komponist Sven van Calster wurde durch den Fernsehdokumentarfilm North Pole Airport für sein dreisätziges Werk «Arctic Challenge» inspiriert. Er nimmt den Zuhörer mit nach Barneo – eine russische Forschungsstation auf dem Treibeis. Diese wird jedes Jahr im April ungefähr 100 km vom Nordpol entfernt errichtet. Auf diesen Exkurs kam nun auch das Publikum des Konzerts in Balsthal mit.

Im Auftrag der Conscript Band der Finnischen Streitkräfte entstand «Sons of the Midnight». Das Stück erfuhr die Europäische Uraufführung am 9. Juli 2012 in Luzern beim Basel Tattoo in Concert. Dass der finnische Komponist mit Jahrgang 1961 Timo Forsström seine musikalische Karriere auf dem Akkordeon begann, würde man daraus nicht erwarten. Klatschen und Singen sorgten aber für eine Bereicherung der Klangfarben.

Zugaben und Gesang zum Schluss

Nach der Pause war Unterhaltungsmusik angesagt. Etwa mit Thierry Deleuyelle; dieser sollte mit seiner Auftragskomposition die Dynamik und Energie der französischen Stadt Phalempin darstellen.

«Milestone» hat Mario Bürki 2011 für das Jubiläum eines Musiklagers geschrieben. Es wirkt wie die musikalische Darstellung der Entwicklung sowohl eines Einzelnen wie die eines musikalischen Klangkörpers. So liesse sich der Titel durchaus erklären und die Musik würde dabei keineswegs im Widerspruch stehen. So oder so eine gefällige Komposition, wie man das vom Berner Bürki mit Jahrgang 1977 erwartet. «Patricia» bewältigte das siebenköpfige Perkussions-Ensemble sicher und ohne einen einzigen Bläserton.

Mit ähnlichen Rhythmen, aber diesmal auch geblasen, ging es mit den von Stephan Bulla arrangierten «Mambo Greats» weiter. Das 2017 bekannt gewordene, von Filip Ceunen arrangierte «Despacito» bildete bereits den Schluss des Programms.

Die Auswirkungen durch die Verjüngung waren kaum bemerkbar. Hemmungslos konnte deshalb Thomas Mosimann als erste Zugabe «Hemmige» von Mani Matter fordern. Völlig überrascht vom Applaus liess er einen Teil von «Sons of the Midnight» wiederholen. Dazu forderte er aber die gesangliche Unterstützung des Publikums an.