«Als mein Name verlesen wurde, dachte ich zuerst, ich hätte mich vor lauter Aufregung verhört», beschreibt Dominic Egger einen der aufregendsten Momente seines Lebens. «Erst als ich mich zu meinen jubelnden Teamkameraden umgedreht habe, wusste ich, dass es wirklich wahr ist». Der Solothurner Kantischüler aus dem bernischen Arch darf sich seit dem letzten Wochenende Gewinner einer olympischen Bronzemedaille nennen.

Statt beim Stabhochspringen, Radfahren oder Schwimmen musste sich Egger allerdings in ganz anderen Disziplinen beweisen. Bei «seiner» Olympiade geht es um chemische Reaktionen, komplizierte Formeln und Elemente. Die Internationale Chemie-Olympiade «IChO» fand dann auch nicht in Rio statt, sondern in der georgischen Hauptstadt Tiflis.

250 Jugendliche aus 73 Ländern wetteiferten vom 23. Juli eine Woche lang um Medaillen. Egger durfte mit einer der begehrten Medaillen nach Hause reisen.

An der einwöchigen Olympiade galt es, eine theoretische und eine praktische Prüfung erfolgreich zu bestehen. «Ich war jeweils sehr nervös vor den Prüfungen und habe das Frühstück kaum runter bekommen», erzählt Egger. Während der Prüfung sei er dann aber entspannt gewesen und habe Spass an der Sache gehabt. «Am Ende wusste ich, dass ich mein Bestes gegeben habe». Ein wenig damit gerechnet, dass es für eine Medaille reichen könnte, habe er schon, gibt Dominic Egger zu. «Ich war aber dann trotzdem komplett überrascht, dass ich es geschafft habe, denn es war wirklich schwer abzuschätzen.»

Gute Stimmung und Offenheit

Die Woche in Georgien hat Egger als sehr positiv erlebt. «Die Stimmung war unbeschreiblich genial. Alle Menschen waren total offen und nicht so auf Wettbewerb bedacht, wie ich zuerst gedacht habe.» Schnell habe er neue Freunde gefunden und andere Kulturen kennen gelernt.

Inzwischen ist Dominic Egger wieder zu Hause in Arch. Sein Erfolg hat sich schnell herumgesprochen, von allen Seiten hagelt es Gratulationen: «Nebst Freunden und Verwandten haben sich auch ehemalige Lehrer bei mir gemeldet, um mir zu gratulieren», erzählt Egger freudig.

Seit diesem Sommer hat er nun die Matura im Sack. Auf der faulen Haut liegen, das will er jetzt trotzdem nicht: «Ich habe einen Ferienjob bei Novartis in Basel in der Mikrobiologie und lerne dort sehr vieles dazu». Im Herbst beginnt dann sein Chemiestudium an der ETH in Zürich. Dank der Vorbereitung auf die Chemie-Olympiade ist er dafür bestens gerüstet.

Doch woher kommt denn eigentlich die Begeisterung für die Chemie? «Das kann ich selber gar nicht so genau sagen», so Egger. «Die Rolle des Alchemisten in Büchern oder Filmen hat mich aber schon immer fasziniert.» Im Laufe der Jahre habe sich dann die Chemie als das eine Fach herauskristallisiert, obwohl ihm die anderen Gebiete der Naturwissenschaften ebenfalls zusagen würden.

Seinen Erfolg in Georgien hängt Dominic Egger nun nicht an die grosse Glocke. «Wir reden zu Hause nicht ständig davon und in meinem Alltag fällt es eigentlich nicht auf, dass ich relativ gut in Chemie bin.» Ein bescheidener Olympionike.