Solche Fotos sind ungewohnt: Gestern tauchte Regierungsrat Roland Fürst in einem Inserat im Anzeiger Thal Gäu Olten auf. Der CVP-Magistrat posiert für die Egerkinger Garage Reinhart lächelnd vor dem neusten Toyota-Hybrid-Modell. «Regierungsrat Roland Fürst ist den neuen Toyota Auris Hybrid auch gefahren», schreibt die Garage zum Foto. Die Werbung verspricht: Wer wie der Bau- und Justizdirektor das Auto probefährt, kann eine Japan-Reise gewinnen.

Regierungsräte als Zugpferde in kommerzieller Werbung? – Das ist eine ganz neue Wendung. Nicht einmal in ihrem Kerngeschäft, der Politik, sind Solothurner Regierungsräte sonst so offenherzig: So gibt es das ungeschriebene Gesetz, dass Regierungsräte bei eidgenössischen Abstimmungskämpfen keine Werbung machen – auch nicht, wenn ihre Partei hinter einer Initiative steckt. Einzige Ausnahme sind Vorlagen, die grossen Einfluss auf den Kanton haben. So warb Volkswirtschaftsdirektorin Esther Gassler – in Absprache mit ihren Kollegen und im Wissen um die Ausnahme – gegen die Masseneinwanderungsinitiative.

Plant Fürst nun eine zweite Karriere? Ein Anruf beim Baudirektor bringt Klarheit. Ihm ist die Angelegenheit eher peinlich, er distanziert sich von der Aktion. Er habe nicht gewusst, dass aus dem Foto eine Werbeaktion für eine Automarke wird, sagt er. «Das war überhaupt nicht die Absicht.» Das Foto entstand im Rahmen einer Aktion für die E-Mobilität. Der Baudirektor, der auch für den Verkehr zuständig ist, versuchte auf einer Teststrecke, so ökologisch wie möglich zu fahren. Die Runde habe er mit Blick auf den Verband Swiss eMobility gedreht. Fürst wurde angefragt, im Verband demnächst eine Funktion zu übernehmen.

Ganz neu ist das Phänomen werbender (alt)-Regierungsräte allerdings nicht. Fürsts Vorgänger, der Oltner CVP-Mann Walter Straumann, prangt schon seit längerem auf der Homepage der umtriebigen Oltner Werbeagentur chilimedia. «In einer politischen Kampagne müssen die Weichen zu Beginn richtig gestellt werden. Bei chilimedia beherrschen sie dieses Handwerk», lässt Straumann verlauten. Wie die Egerkinger Garage das Werbehandwerk versteht, ist eine andere Frage. Für sie könnte das Foto zum Bumerang werden. (lfh)