«Spesen-Exzess im Militär.» «Tessiner Rekrut wird mit Steinen beworfen.» «Der Unterhosen-Streit bei der Schweizer Armee.» Diese Schlagzeilen erschienen im vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der Armee. «Die Armee ist nicht perfekt», sagt Peter Schneider, in dessen Leben die Armee eine grosse Rolle spielt. «Manchmal passiert ‹Seich›». Von 1990 bis 2009 war der Lohn-Ammannsegger in der Berufsarmee. In den Ruhestand trat er als «Oberst im Generalstab», nachdem er etliche Auslandeinsätze und Stabsübungen «ganz oben» durchgeführt und am europäischen Zentrum für Sicherheitsstudien gelehrt hat.

2019 will der 72-Jährige nun eigene, andere Schlagzeilen über das Militär schreiben. Seit Anfang Jahr ist er Chefredaktor der «Allgemeinen Schweizerischen Militärzeitschrift» (ASMZ) – der grössten Militärzeitschrift der Schweiz. Eine Auflage von 18 000 Exemplaren monatlich, 11 Ausgaben zu je 50 Seiten jährlich. «Milizredaktion», wie Schneider sagt. Bereits 2012 – 2015 hatte er das Amt inne: «Ich durfte – auch aufgrund meines Dienstgrades», sagt Schneider. Als für 2019 erneut ein Nachfolger gesucht wurde stellte er sich aber wieder zur Verfügung. Er wolle alles daran setzen, als Chefredaktor der Armee den Rücken zu stärken. «Das müssen wir. Sonst können wir den Club bald dicht machen.»

Besorgt wegen Donald Trump

«Über den Flieger» will Schneider in die Tasten hauen. «Wir brauchen jetzt einen – grundsätzlich egal welchen.» Einen neuen Kampfjet lehnte das Stimmvolk 2014 ab, voraussichtlich nächstes Jahr gibt es eine Abstimmung für einen Beschaffungskredit von neuen Jets. «Bisher wurde das mit den Fliegern jämmerlich verpfuscht», sagt Schneider. Er spricht von Bundesräten, die das Thema zu wenig gut verkauft hätten, während er selbst am Solothurner Bahnhof Flugblätter für die Flieger verteilt habe.

Hinsichtlich der «schwierigen Jahre», die auf die Armee zukämen, machen Schneider noch andere Dinge sorgen: Weniger Rekruten, mehr Zivildienstler – weniger Soldaten, die weitermachen wollen, weil irgendwann Karriere oder Familie dazwischenkommen. Und heutzutage ein militärischer Dienstgrad für den beruflichen Aufstieg nicht mehr wirklich wichtig ist. Auch halte es die Gesellschaft heute für nicht mehr selbstverständlich, dass die Schweiz einer Armee brauche. «Früher hat es noch gereicht, ‹Russland› zu sagen – heute sehen die meisten keine reale Bedrohungslage für die Schweiz mehr», sagt der 72-Jährige. Er schon. «Den ewigen Frieden gibt es nicht – auch wenn einige bisher nur das kennen.» Dabei müsse es doch Sorge bereiten, wenn im 21. Jahrhundert so etwas wie die Krim-Annexion, gar nicht so weit weg, geschehen könne – oder so einer wie US-Präsident Trump die grösste Militärmacht der Welt leitet. «Ich weiss ja auch von niemandem, der in den nächsten Jahren Europa einnehmen will – aber das hat es schliesslich auch schon gegeben.»

Hoffnungsvoll dank Viola Amherd

Offenbar sind die Leute aber nicht besorgt, die Armee wird manchmal belächelt, Kredite für Flugzeuge und Aufrüstungen abgeschmettert. Es liege schon auch an der Armee selbst, dies zu ändern. «Wir müssen uns mehr an Schulen einbringen, mehr Leute erreichen, denen das Militär von zu Hause her halt kein Begriff mehr ist.» Auch müsse im Verteidigungsdepartement aufgeräumt werden, das Image politisch verbessert werden. Damit es nicht wieder zu Schlagzeilen wegen Spesen-Exzessen oder verlorenen Abstimmungen kommt. Schneider sagt, er sei froh, dass Viola Amherd nun die Verteidigungsministerin sei. «Generell freue ich mich über eine Frau an der Spitze – eine Frau, die das Amt politisch führt und nicht glaubt, aufgrund ihrer Diensterfahrung den Laden schon zu kennen.» Auch Frauen in der Armee seien «super». «Die wollen den Dienst wirklich machen.» Ideal wäre für die Armee ein Mix aus Männer und Frauen; Leute, die nicht wegen des Geschlechts Dienst machen, sondern weil sie wollen. Die Realität sieht aber anders aus – und der 72-Jährige glaubt auch nicht, dass eine allgemeine Wehrpflicht durchkommen würde.

Zeitungen = Identität

Was den Chefredaktor in den kommenden Jahre an der Spitze der ASMZ auch beschäftigt: Die Entwicklung in der Medienbranche. «Lichter löschen» sei angesagt, sollte es so weiter gehen, Zeitungen irgendwann verschwinden. Die ASMZ hat zwar eine Online-Plattform, aber: «So kann man doch nicht richtig lesen – und nicht alle Leute haben einen Computer oder ein Tablet.» Natürlich sei dies günstiger, und auch er bemerke den Preisdruck aufgrund der sinkenden Inserate in der Zeitschrift. Trotzdem: «Printmedien sollen etwas kosten dürfen. Es ist ein Verlust, wenn wir unsere Gegenwart nicht mehr erfahren können. Das macht uns doch zu dem, was wir sind.» Vielleicht, sagt Schneider, sei er aber auch, was diesen Punkt angeht, einfach zu idealistisch.