Zwei Jahre und drei Monate sind seit dem Vierfachmord von Rupperswil vergangen. Diese Woche muss sich Thomas N., der die Tat geplant und sogleich bei der ersten Einvernahme gestanden hatte, nun vor Gericht verantworten. 

Das Bezirksgericht Lenzburg hat am Montag die 20-seitige Anklageschrift veröffentlicht. Und diese zeigt: Der Vierfachmord reichte dem damals 32-Jährigen nicht. Er beschäftigte sich gleich nach der Tat mit der Planung weiterer gleichgelagerter Verbrechen.

Liste mit Knaben

Im Internet machte er sich auf die Suche nach 11- bis 15-jährigen Knaben, die Davin ähnlich sahen. Diese legte er mit Foto, Name und Informationen in einem Notizbuch ab. Insgesamt elf Namen sind dort hinterlegt.

Sein Interesse wurde zuerst von einem Knaben aus dem Kanton Bern geweckt. Er beobachtete die Familie und hatte laut Anklageschrift «die Absicht, mit der Familie das Gleiche zu tun wie mit der Familie Schauer, d.h. der Beschuldigte hatte den Plan, wiederum die Familie in seine Gewalt zu bringen, die einzelnen Personen festzuhalten, so die Herausgabe von Geld und anderen Handlungen zu erzwingen, mit dem Knaben gegen dessen Willen sexuelle Handlungen vorzunehmen, die Familienmitglieder zu töten und das Haus der Familie in Brand zu setzen.» 

Gefälschter Brief und Visitenkarten 

Bei seinen Recherchen stiess er auch auf einen Knaben im Kanton Solothurn, über dessen Familie er sich fortan informierte und deren Tagesablauf er ausspionierte. Er rief zuhause an und gab an, sich verwählt zu haben, wenn jemand abnahm. Zudem recherchierte er über eine Bank in der Nähe.

Am 11. Mai 2016 fuhr Thomas N. mit dem Auto seiner Mutter in die Wohngemeinde. Mit dabei hatte er den schwarzen Rucksack gepackt mit Seilen und Anzündwürfeln und allem, was er für die Umsetzung seines Plans benötigte. Mit dabei hatte er auch einen Brief, den er im Namen der Schuldirektorin und Schulleiterin des Kantons Solothurn aufgesetzt hatte. Er bat darin um Mithilfe, falls sich jemand vom Schulpsychologischen Dienst melden würde. Er selbst wollte sich als Mitarbeiter dieses Dienstes vorstellen – gefälschte Visitenkarten hatte er ebenfalls dabei. In dieser Funktion war er bereits bei der Familie Schauer vorstellig geworden. 

«Er ging mit dem Rucksack durch das Quartier, in welchem die Familie wohnte. Um 14.07 und 15.36 Uhr rief der Beschuldigte an, wobei beim ersten Versuch keine Verbindung zustande kam und beim zweiten Mal der Beschuldigte angab, sich verwählt zu haben», schreibt die Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau. An jenem Tag zog Thomas N. aber unverrichteter Dinge wieder ab. 

Einen Tag später wurde Thomas N. im Starbucks im Zentrum von Aarau verhaftet – 146 Tage nach dem Gewaltverbrechen. Die Polizei hatte ihn bereits drei Tage beschattet. 

Neun Anklagepunkte

Am 21. Dezember 2015 waren Carla Schauer (†48), ihre beiden Söhne Davin (†13) und Dion (†19) sowie die Freundin des älteres Sohnes, Simona F. (†21) durch die Hand von Thomas N. gestorben. 

Der heute 34-jährige Thomas N. muss sich unter anderem wegen vierfachen Mordes, räuberischer Erpressung, Freiheitsberaubung, Geiselnahme und mehrfacher sexueller Handlungen mit Kindern vor Gericht verantworten. Die Liste der Anklagepunkte umfasst total neun Punkte. (ldu)

Neue Verwahrungsstudie

Neue Verwahrungsstudie

Die Chance, dass der Vierfachmörder von Rupperswil jemals wieder frei kommt, ist laut einer neuen Studie äusserst gering.