Lange Zeit schon hatte der heute 77-jährige Max A.* seine Frau selber gepflegt, Windeln gewechselt. Zum Eklat mit den Behörden kam es, als seine Frau nach Schambeinbruch und Spitalaufenthalt zuhause genesen sollte.

Am 16. November 2015 erhielt Max um zehn Uhr morgens vom Inselspital schliesslich ein Telefon, seine Frau sei per Transporter unterwegs. Daheim angelangt war aber die medizinische Versorgung noch nicht sichergestellt. Vorgesehen war, dass die Spitex die Medikamente verabreiche. Daher rief Max die Spitex an. Die habe aber erst ein Gespräch mit der Frau führen wollen, das verlangt die Versicherung offenbar so. Gemäss Spitex-Leiterin Lisa C.* habe Max gedroht, mit der Kalaschnikow vorbeizukommen.

Daraufhin verständigte Lisa die Kesb und erstattete Strafanzeige. Die Kesb rückte mit zwei Personen und zwei Polizisten in Zivil aus, die Autos ausserhalb Sichtweite abgestellt. Ein Kesb-Mitarbeiter drückte die geöffnete Eingangstüre (100 Kilogramm schwer, Eigenbau Max A.) ein, worauf Max gegen die Wand knallte und ein Schädeltrauma erlitt. Max verweigerte den Einlass und holte seinen heute 52-jährigen Sohn Tom A.* – Eigentümer des Hauses - zu Hilfe, der im Keller arbeitete. Der versuchte mit einer die Arme ausweitenden Geste, die er im Amtsgerichtssaal Solothurn-Lebern demonstrierte (wie wenn man einen Haufen Hühner verscheucht), die vier unbekannten Eindringlinge hinauszuweisen: «Raus hier!»

Vater und Sohn behaupten, sie hätten nicht gewusst, wer sich Zugang zu ihrem Haus verschaffen wolle. Der Kesb-Mitarbeiter hätte «wie ein Bullterrier gebellt, Unverständliches gelallt», so Tom. Die Vier hätten auf Verlangen keine Ausweise oder ein Schriftstück vorweisen können. Die Polizisten hätten bloss ein namenloses Kaffeeautomaten-Badge gezeigt. Ein Kesb-Mitarbeiter habe ein Visitenkärtli hervorgekramt. Als Max beim Amt für soziale Sicherheit anrief und den Hörer dem Kesb-Mitarbeiter gab, verzog sich der Trupp sodann.

Sondereinheit rückte an

Anderntags rückte die Polizei-Spezialeinheit Falk spätabends mit 20 Mann aus. Die hatte das Strassenlaternen-Licht gedämpft, Scharfschützen stundenlang postiert, die Handys gesperrt. Auch diese Beamten wollten Max und Tom nicht hineinlassen. Erst ein längeres Gespräch mit dem Falk-Verhandlungschef führte zum Einlass ins Haus. Die Frau wurde bloss in Unterhosen und Nachthemd bekleidet rausgenommen, Max und Tom mussten auf den Polizeiposten. Gegen den Strafbefehl von Staatsanwältin Kerstin von Arx wehrten sich Vater und Sohn nun vor dem Amtsgericht vergebens.

Der als Einzelrichter amtierende Gerichtsschreiber Matthias Steiner schenkte der nicht anwesenden Spitexarbeiterin Glauben. Das Wort «Kalaschnikow» sei tatsächlich gefallen – entgegen den Aussagen des Beschuldigten. Auch fand Steiner, dass sie gewusst haben müssten, mit wem sie es zu tun gehabt hätten. Max wurde wegen versuchter Nötigung und Hinderung einer Amtshandlung mit 100 Tagessätzen à 60 Franken bestraft, Tom wegen Gewalt und Drohung gegen Behörden und Beamte mit 40 Tagessätzen à 60 Franken, beides bedingt auf 2 Jahre. Max muss eine Busse von 1000 Franken, Tom eine von 400 Franken bezahlen. Die Verurteilten witterten hinter der Aktion ein Komplott der Gemeinde. Max gilt bei manchen als Unbequemer.

Als ehemaliger Verdingbub erfuhr er vom Staat schon mal Unrecht. Nun wiederhole sich das. «Wir gelten seither als Kriminelle», sagte er. Hinterher habe er ein gewisses Verständnis für die Kesb, rang Steiner ihm ab. Sohn Tom sprach von fehlender Sorgfaltspflicht der Kesb, von fehlendem Rechtsstaat. «Es war eine reine Rambo-Aktion.» Und: «Der Schweizer Staat ist für mich damit gestorben.» Beide wurden gar bei Fedpol ausgeschrieben, was sie bei ihren weltweiten Tätigkeiten als Fachspezialisten behindert. Verteidiger Konrad Reber deutete an, den Fall weiterzuziehen. Vor dem Prozess durchsuchten zwei Polizisten Tom und Max mittels Metalldetektor – was selten geschieht.

*Namen geändert