Heinz L. Jeker
Er kämpfte gegen den Rotstift in der Solothurner Kultur

Vor acht Jahren wurde der Büsseracher Architekt Heinz L. Jeker zum Präsidenten des Kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung gewählt. Nun tritt er Ende Juni zurück. Noch ist kein Nachfolger ernannt worden, denn die Suche gestaltet sich schwierig.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Heinz L. Jeker (58) ist gespannt auf seinen Nachfolger.

Heinz L. Jeker (58) ist gespannt auf seinen Nachfolger.

Fränzi Zwahlen-Saner

Heinz L. Jeker, warum geben Sie Ihr Amt als Präsident des kantonalen Kuratoriums für Kulturförderung ab?

Heinz L. Jeker: Ich habe vor drei Jahren nach einer langjährigen beruflichen Partnerschaft ein eigenes Architekturbüro in Basel gegründet. Gemeinsam mit meinem Team von 12 Mitarbeitenden sind wir erfolgreich unterwegs und ich verfüge nicht mehr über die erforderliche Zeit für das Amt. Und Zeit braucht man, um dieses Amt für die breite Kulturszene zufriedenstellend auszufüllen. Pro Jahr besuchte ich 50 bis 60 kulturelle Veranstaltungen im ganzen Kanton . Dazu kamen obligate Sitzungen. Ich lebe in Büsserach und arbeite in Basel: Die Geografie ist mehr und mehr zum Problem geworden und mit einer Amtsdauer von acht Jahren war ich länger im Amt, als meine beiden Vorgänger.

Erinnern Sie sich daran, wie Sie vor acht Jahren begannen?

Es gab viele Begegnungen in den ersten Monaten, die ich nie vergessen werde. Generell kann ich sagen, dass die ersten vier Jahre relativ heftig und fordernd waren. Ich habe unterschiedliche Einblicke in die Kulturszene bekommen und bin dabei überall auf sehr viel Goodwill gestossen, wofür ich sehr dankbar bin. Vielleicht, weil ich von «ausserhalb» kam und in der Kulturförderung ein Unbekannter war. Die grosse Sympathie und das mir entgegengebrachte Vertrauen ist sicher auch ein Grund, weshalb ich dieses Ehrenamt acht Jahre innehatte.

Wie kam es eigentlich damals dazu?

Ich wurde von meinem Vorgänger Alfi Maurer direkt angefragt. Es folgte ein sehr offenes Gespräch mit ihm und dem Amtsvorsteher. Daran erinnere ich mich sehr gerne, denn die beiden haben mich «schonungslos» auf alle Eventualitäten und das Pensum aufmerksam gemacht. Für mich kam die Anfrage damals, als 50-Jähriger, genau zur richtigen Zeit. Ich war also gut vorbereitet; dennoch – ein Sprung ins kalte Wasser.

Wie würden Sie heute, im Rückblick, das Amt des Kuratoriumspräsidenten beschreiben?

Es ist ein Amt, das den Zeitaufwand eines 10- bis 15-prozentigen Arbeitspensums beansprucht. Es gibt ein Kür- und ein Pflichtprogramm. Man ist viel unterwegs, repräsentiert, tritt öffentlich auf, leitet Sitzungen, pflegt das Networking. Dabei sind kommunikative und intuitive Kompetenzen wichtig.

Was war Ihnen persönlich wichtig, ins Amt einzubringen?

Architektur als kulturelle Disziplin konnte ich mit dem Projekt «Architektur macht Schule» einbringen. Das war und ist mir sehr wichtig, denn Architektur beeinflusst unser tägliches Leben wahrscheinlich mehr, als uns allen bewusst ist, schon als Kind. Ich hoffe, dass das Projekt und erste Aktivitäten im Schuljahr 2016/17 gestartet werden können. Freude habe ich nach wie vor daran, dass ich 2009 dem Architekten Franz Füeg den Solothurner Kunstpreis überreichen durfte. Im Weiteren haben wir unter meiner Führung die ursprünglichen sieben Werkjahrpreise zu zwölf Förderpreisen umgewandelt, den heutigen Kunstformen angepasst und das Budget dafür erhöht.

Was ist Ihnen nicht gelungen?

Gewisse wiederkehrende Kulturausgaben, insbesondere jene der sogenannten Leuchttürme, im ordentlichen Budget des Kantons zu verankern. Ziel war die Entlastung des Lotteriefonds zugunsten neuer Kulturbereiche. Das ist unter meiner Leitung (noch) nicht gelungen. Auch in Zeiten des Sparens würde es dem Kulturkanton Solothurn gut anstehen, dieses Ziel nicht aus dem Blick zu lassen.

Gab es weitere Enttäuschungen?

Primär besteht eine Sorge: In den letzten zwei Jahren wurde mehrmals versucht, auf politischer Ebene Investitionen für erforderliche Sanierungsarbeiten an bestehenden Kunstobjekten im öffentlichen Raum zu verhindern oder die Gelder dafür zu reduzieren. Gegenüber dem früheren Kunstprozent für öffentliche Gebäude sprechen wir heute von Promille. Es ist ein gesellschaftliches Anliegen und eine kulturelle Verpflichtung, bei öffentlichen Gebäuden mit adäquaten Kunstinterventionen die Architektur zu akzentuieren. Der Rotstift sollte von den Politikern nicht immer zuerst beim Kulturbudget, das mit wenigen Ausnahmen vom Lotteriefonds gespeist wird, angesetzt werden. Es geht bei besagten Objekten auch um bedeutende Kunstwerke namhafter Solothurner Kunstschaffender.

Ist denn die Organisation eines Kultur-Kuratoriums mit 35 Milizlern heute überhaupt noch zeitgemäss?

Der Regierungsrat setzt grosses Vertrauen in die Arbeit des Kuratoriums. Deshalb ist es auch wichtig und opportun, diese Aufgabe qualitativ umzusetzen. Nach meiner Meinung ist das Kuratorium zeitgemäss, verfügt über eine breite Kompetenz und besitzt eine schlanke Struktur. Durch die Amtszeitbeschränkung resultiert eine lebendige und aktuelle Kulturförderung.

Gab es während Ihrer Amtszeit einmal eine grundlegende Kritik an der Kuratoriumsarbeit?

2008 trat die Fachkommission Bildende Kunst Architektur in globo zurück. Damals war die Ausstands-Regelung für einzelne Kunstschaffende in der Fachkommission ein Problem. Wir konnten die Kommission rasch wieder mit neuen und sehr kompetenten Leuten besetzen. Seit damals werden neu zu besetzende Positionen in den Fachkommissionen öffentlich ausgeschrieben.

Wie jetzt auch Ihr Präsidium. Es ist das erste Mal, dass dieses Amt ausgeschrieben wird. Warum?

Der Regierungsrat hat für die Nachfolge vorerst erfolglos mit persönlichen Anfragen im Kuratorium gesucht. Mit der öffentlichen Ausschreibung wollte der Vorsteher des Departements für Bildung und Kultur eine möglichst breite Evaluation schaffen. Ich bin gespannt, wie viele Personen sich melden werden, denn wie erwähnt: Es ist ein Ehrenamt, das nur mit Sitzungs- und Spesengeldern entschädigt wird. Der Regierungsrat und ich hoffen, am kommenden 25. Juni, anlässlich eines Plenumsanlasses für das gesamte Kuratorium auf Schloss Waldegg, meinen Nachfolger oder die Nachfolgerin präsentieren zu können.

Welches persönliche Resümee ziehen Sie aus Ihrer Amtstätigkeit?

Ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt. Viele der auch sehr persönlichen Kontakte werden meine Amtszeit sicher überdauern. Ich habe eine grosse Wertschätzung erfahren und auch erlebt, wo meine Grenzen liegen. Nun gebe ich den Stab weiter, in einer Situation, in der das Kuratorium, dank individueller Persönlichkeiten und diversifizierter Kompetenzen, gut aufgestellt ist. Ich freue mich, wieder mehr Zeit, insbesondere für meine Familie, zu haben. Ich habe neben dem Kuratoriumspräsidium auch Ämter in anderen Gremien abgegeben. Der neue Freiraum bildet nun eine gute Basis auch für neue berufliche Herausforderungen.

Und welche kulturellen Sparten haben Sie in den vergangenen acht Jahren persönlich neu entdeckt?

Da würde ich den Film und das Theater nennen. Interessiert hat mich selbstverständlich schon immer Architektur, die bildende Kunst und Musik. Ich habe auch erkannt, wie wichtig Kulturaustausch und -vermittlung sind. Aber auch meine Einblicke in die Literatur und den Tanz bleiben unvergesslich.