Eine Kulisse wie gemacht für den «Mister Tourismus», Erich Egli: im Rücken der Glaspalast des Ramada-Hotels. Brennpunkt des Solothurner Vorzeigeprojekts Seminarmeile. Gegenüber die Perlenkette St.-Ursen-Kathedrale, Palais Besenval, Landhaus, Zeitglockenturm. Der Landhausquai vor der träge dahinfliessenden Aare. «Sensationell, was da alles passiert ist. Auswärtige, die erstmals Solothurn besuchen, flippen regelmässig aus.»

Grund zum Ausflippen hätte auch Erich Egli hinter seinem Espresso. Im hellgrünen Jurabogen leuchtet über dem dreieckigen Tanga des «Göiferlätschs» das Kurhaus Weissenstein wie ein heller Legostein. Doch wichtig für Egli ist der zarte rote Strich daneben, der in den Himmel zeigt. Ein Kran. Genugtuung für den Mann, der 30 Jahre lang Region Solothurn Tourismus als Direktor führte. Denn er kommt gerade von der Generalversammlung der Seilbahn Weissenstein. An der verkündet wurde: Am 20. Dezember 2014 fährt die neue Gondelbahn.

Erich Egli ist der «Dinosaurier» am Hausberg. Seit 1991 hat er alle Leiden und Freuden rund ums Kurhaus und die Bahn erlebt. Er war schon Verwaltungsrat in der 2000 in Konkurs gegangenen Bergbahn Weissenstein BOW und ist es noch bei der neuen Bahn. «Natürlich hat es an einem ‹gnaget›, dass es nicht vorwärtsgegangen ist.» Ein ernster Blick hinter der Brille. «Doch die Bahn ist wichtig für die Leute auf dem Berg.» Die alleine nicht genüge. Nur wegen der Bahn gehe kaum jemand auf den Weissenstein. «Wir wollen ja kein Disneyland, aber gewisse Attraktionen muss es für den Familienberg geben.»

Nun bricht wieder der Kenner der Materie, der Tourismusfachmann, durch: «Das Marketing auf den Start der Bahn hin müsste jetzt lanciert werden.» Etwas Ohnmacht klingt durch. Mehr Geld wäre dafür nötig. Doch Egli kann sich nicht mehr so einbringen wie früher. Am Montag hat er einen weiteren Job aufgegeben: Er ist als Präsident von Kanton Solothurn Tourismus zurückgetreten. «Mit siebzig sollte man nicht mehr an vorderster Front sein» – hält er inne und lacht: «Das ist nicht etwa auf meinen Nachfolger Walti Straumann gemünzt. Der ist ja noch so fit.» Ja, und auch erst siebzig.

Blumen verteilen, das war für Erich Egli stets Programm. Leistungen anerkennen, Lob für andere. Die Zusammenarbeit mit seinem Nachfolger Jürgen Hofer sei «hervorragend». Nicht selbstverständlich sei das, wenn man jahrzehntelang vorher selbst in dessen Position gewesen ist. Sogar für den Kanton findet Egli Anerkennung: «Zuletzt wurde der kantonale Tourismusverband auch als solcher wahrgenommen.» Denn mit Regierung und Ämtern des Kantons hat er noch eine Langzeitrechnung offen. 35 Jahre lang hatte Egli fast wie Don Quichote mit den Windmühlenflügeln für touristische Hinweistafeln auf den Solothurner Autobahnen gekämpft. «Jetzt kommen sie. In Bern wurden sie gerade bewilligt.» Die Freude ist unüberhörbar. Und nicht nur der Espresso scheint Erich Egli zu beleben.

Das Alter. Das sei so eine Sache. «Wenn man so lange in der Öffentlichkeit gestanden hat wie ich, kann man nicht einfach nullkommaplötzlich aufhören.» Darum die fünf Jahre Präsident des Kantonalverbands oder im Verein Schiffaare. Kontakt zu ehemaligen Berufskollegen pflegt er intensiv. «Ich bin noch Seniorenobmann der ehemaligen Tourismusdirektoren.» Ein Grinsen. «Damit habe ich es fertiggebracht, dass ein Illi oder Danuser mir unterstellt sind.» Im Pensionierungsalter sei der Freundeskreis wichtig.

Der Networker Erich Egli findet ihn in so manchem «Ründeli» – am Cardinal-Stammtisch oder am Freitagsstamm im «Pöstli» Riedholz. Bezeichnend die Treffs unter dem Kürzel «V.S.O.P» oder «Very special old Plümpels.» Rotarier ist Egli, auch pensionierter Ober der Narrenzunft Honolulu. «Die schönste Zeit meines Lebens. Und schön, dass die Kontakte zur Zunft weiter bestehen.» Freundschaften im Piemont, im Bündnerland, im deutschen Rheinland. Die er mit seiner «Super-Partnerin», Ehefrau Heidi, auskostet, ja zelebriert. Weiter wären da die geliebten Enkel, eine Katze, viele Bücher, die Leidenschaft Fussball. «Ich bin Fan von Borussia Dortmund und ManU», outet sich der einstige Präsident des FC Solothurn, der vor 30 Jahren einen Hanspeter Latour als FCS-Trainer holen konnte.

Ein Nippen am Tassenrand, ein Rundblick. Noch kein Kran beim Hotel Krone. Pistenverlängerung Grenchen – «für den Geschäftstourismus wichtig» – die Wasserstadt. «Das wäre ein absolutes Highlight. Aber wenn man sieht, wo überall Opposition aufkommt, wage ich kaum daran zu glauben», sieht Erich Egli zusehends einen Zeitgeist, der alles infrage stellt und kritisiert. «Schaut nur einmal eure SMS-Spalte an.» Wir lassen Trampolin-Tretereien, Rasenmäher-Maulen und Gestank-Gezänk lieber sein. Für einen harmonischen Schlusssatz zum «Kaffee fertig». Erich Egli: «Insgesamt habe ich aber an der touristischen Entwicklung der Region Solothurn viel Freude.»