Ski-Hersteller
Er geht den Weg zur Selbstständigkeit um nicht zum Sozialfall zu werden

Roland Thomke leidet unter einer noch unbekannten Krankheit. Von der Krankenkasse erhält er deshalb kaum finanzielle Unterstützung. Mit Unterstützung der IV ist er im Begriff sich selbstständig zu machen. Momentan ist dieser Weg noch ein Kampf.

Noëlle Karpf
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Roland Thomke mit einem seiner Fjell Skis.

Roland Thomke mit einem seiner Fjell Skis.

Zur Verfügung gestellt

Roland Thomke leidet an einer Muskelkrankheit und musste deshalb beruflich umsteigen. Der Bellacher hat sich selbstständig gemacht und entwickelt jetzt Skis. Bei diesem Schritt wurde er von der IV Solothurn unterstützt. Er befindet sich in einer Frühinterventions-Massnahme. Noch ist er kein IV-Fall, weil er nicht zu 40% arbeitsunfähig ist.

Mit dem Coaching der Versicherung soll verhindert werden, dass Thomke zu einem IV-Fall wird. «Die Krankheit und deren Verlauf sind unbekannt», erzählt der Bellacher. Deshalb zahle auch die Krankenkasse vieles nicht. So hat man sich bei der IV Solothurn seinem Fall angenommen.

Durch das Programm soll Thomke umgeschult werden. Momentan arbeitet er noch in einem Büro und die meiste Zeit im Sitzen - dies ist nicht mit seiner Krankheit vereinbar. «Ich mache viel Sport und muss mich viel bewegen», sagt Thomke, «ich kann auch nicht länger als vier Stunden schlafen.» Mit einem Betreuer hat er gemeinsam nach einer anderen beruflichen Lösung gesucht.

Man habe ein Stärken- und Schwächenprofil erstellt und besprochen, welche Arbeit am besten mit der Muskelkrankheit vereinbar sei. Thomke hat früher schon als Skibauer gearbeitet. Durch die Betreuung habe er wieder auf diesen Pfad umgeschwenkt. Der Schritt zur Selbstständigkeit geschah auf Eigeninitiative des 53-Jährigen hin.

«Kampf durch den Dschungel»

Momentan sei das Geschäft noch eine grosse Belastung. Die Versicherung kann Thomke zwar mit dem Coaching unterstützen, finanzielle Hilfe erhält er aber keine. Er macht der IV keine Vorwürfe - es sei einfach so, dass die Möglichkeiten nicht vorhanden wären, weil er ja kein IV-Fall sei.

Enttäuscht ist er aber von den Banken. Wenn er seine Ideen und Projekte vorstellen würde, käme das zwar gut an, einen Kredit bekäme er schlussendlich aber doch nicht. So ist der Schritt zur Selbstständigkeit momentan noch ein grosser «Kampf durch den Dschungel.»

Im Zeitrahmen von zwei bis fünf Monaten muss er bei der IV Rapport erstatten, damit diese eine Erfolgskontrolle machen kann. Bald seien die Coaching-Stunden aber aufgebraucht. Wie es danach weitergeht ist offen.

Vielleicht kann der Bellacher nach der HESO für das Erste durchschnaufen. Dort wird er an einem Stand seine Skis präsentieren. Da sollen die Modelle dann einschlagen - er ist darauf angewiesen, dass er verkaufen kann und sich der Aufwand bezahlt macht. Die Belastung momentan sei sehr gross. Angestellte kann er sich nicht leisten, da er jetzt schon den ganzen Aufbau des Geschäfts selbst finanziert.

Die einzige finanzielle Unterstützung sei momentan seine Lebensversicherung, die er an die Bank verpfändet hat. Das ist aber zugleich auch ein Risiko - denn sollte er mit seiner GmbH konkurs gehen gehört sie der Bank.

Nichtsdestotrotz hofft er weiter auf die Chance, dass sein Geschäft gut laufen wird. Mit der IV Solothurn und dem Coaching sei er ausserdem sehr zufrieden. Die Versicherung leiste gute Arbeit, das System stimme aber für ihn nicht. Weil er viel Sport treibt und sich bewegt um der Krankheit entgegenzuwirken, hiesse es er sei «fit und nicht arbeitsunfähig».

Ausserdem ist sein Krankentaggeld bald aufgebraucht. Kann er wegen seiner Muskelkrankheit eine Zeit lang nicht mehr arbeiten, muss er dafür Urlaub nehmen.

«Jemand wehrt sich dagegen in den IV- und Sozialhilfestrudel zu geraten und erhält keine Unterstützung», sagt Thomke. Mit den rechtlichen Grundlagen würden diejenigen, die sich gegen eine Behinderung wehren und sie nicht einfach akzeptieren und Sozialhilfe beziehen, sogar benachteiligt.

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