Ausstellung

Er gehört seit vielen Jahren zur Solothurner Kunstszene: Jean Mauboulès

50 Jahre seines zeichnerischen Schaffens sind im Kunstmuseum Solothurn nachvollziehbar.

Jean Mauboulès gehört seit vielen Jahren zur Solothurner Kunstszene. Doch der 1943 geborene Franzose, aus den Pyrenäen stammend, studierte zunächst Architektur in Paris und kam dann in den frühen Sechzigerjahren in die Schweiz, zunächst nach Bern, wie er verrät. «Une femme», sagt er kurz und knapp über den damaligen Grund seiner Übersiedlung.

Seit 1973 ist er in Solothurn und drei Jahre später in Bellach zu Hause. Von dort aus arbeitet er unermüdlich, pflegt Freundschaften und in vielen öffentlichen Bauten in der Region sind seine Installationen zu finden, sodass ihm Solothurn zur Heimat wurde. 1996 verlieh ihm der Kanton Solothurn einen Kunstpreis, die höchste Auszeichnung für kulturelles Schaffen.

Das Kunstmuseum Solothurn hat Jean Mauboulès nach 1986, 1994 und 2002 zum vierten Mal eine Ausstellung gewidmet; zum ersten Mal aber ausschliesslich seinen Arbeiten auf Papier. Der Künstler selbst hat dazu aus rund 1500 seiner Arbeiten 80 Blätter ausgewählt. Und diese hat er – gleich einer Installation – in den Räumen des Grafischen Kabinetts in Motivgruppen aufhängen lassen. Dabei fällt auf: Was vor Jahren entstand und was heute noch den Künstler beschäftigt, bezeugt seine grosse Konsequenz im Schaffen und die Wiederkehr seiner Themen.

Der Plastiker kann es nicht lassen...

Strenge Linien in Tusche, Kreise, Flächen, freie Bleistiftschraffierungen, floral anmutende Formen und überraschende Aquarelle sind zu sehen. Es ist die präzise, perfekte Form, das grosse Gleichgewicht, das Mauboulès in Tausenden Variationen zeigen kann und welche die Faszination seiner Arbeiten ausmacht. Fast spielerisch jongliert er mit den Formen und stellt beispielsweise in einer Phase seiner Arbeit mittels halbtransparenter Kalkpapiere verblüffende dreidimensionale Ebenen auf dem Papier her. Der Plastiker kann es nicht lassen…

«Ein nie versiegender Einfallsreichtum zur Erzeugung verblüffender Wirkung», schreibt Kunstmuseumsdirektor Christoph Vögele im Buch, welches zur Ausstellung erschienen ist. Nur ganz selten reagiert Mauboulès in seinen Arbeiten auf Äusserlichkeiten der Welt. Etwa in einer seiner frühesten Arbeit, einer Frottage, aus dem Jahr 1969 – es war die Zeit der Mondlandung – wo ihn der Mond beschäftigt. Er bildet ihn nicht ab, sondern interpretiert ihn, macht ihn noch etwas perfekter – nach seinem Empfinden.

So schreibt der Kunstkritiker Thomas Schmutz ebenfalls im Buch: «Seine Zeichnungen und Aquarelle sind keine Kommentare, sondern eine aus der Energie entstehende Form. Die Kraft kommt dazu, weil die Ernsthaftigkeit im Innersten humorvoll ist.» Tatsächlich blitzt neben der grossen Präzision und dem enormen Wissen um Techniken und Formen der Humor in seiner Arbeit immer auf. Nicht plakativ und aufgesetzt, sondern sanft schimmernd und so, dass uns der Anblick der Blätter schmunzeln lässt. Hin und wieder ist gar ein wenig Romantik erkennbar. Nämlich in seinen kleinen Aquarellen. Sind das nicht Sonnenuntergänge?

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