«Epidemie der Ungeimpften»
Knappe Spitalbetten wegen Covid-Patienten: Kanton plant dennoch vorerst keine Aufstockung

Die Zahl der Corona-Patienten auf Solothurner Intensivstationen steigt. Bald dürften die Kapazitätsgrenzen erreicht sein. Der Kanton bleibt dennoch weiter auf Stufe «Normalbetrieb» und erhöht die Bettenzahl vorerst nicht.

Christoph Krummenacher
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Pflegepersonal im Solothurner Bürgerspital.

Pflegepersonal im Solothurner Bürgerspital.

Hanspeter Bärtschi

Am Freitag hat sich die Situation in den Spitälern weiter zugespitzt. Mit drei weiteren Covid-Patienten auf den Intensivstationen verbleiben nunmehr drei freie Intensivpflege-Betten im Kanton Solothurn. Doch Kanton und Spitäler warten weiter zu und erhöhen die Bettenzahl nicht.

Denn die Zahl der aktuell 17 Intensivpflegeplätze mit Beatmungsgeräten im «Normalbetrieb» kann zwar erhöht werden. Das kantonale 3-Phasen-Modell sieht auf einer ersten Eskalationsstufe bis zu 25 Intensivpflegeplätze mit Beatmungsgeräten vor, auf einer zweiten Eskalationsstufe 40.

Auszug aus der «Allgemeinverfügung vom 5. Juni 2020 betreffend Anordnungen an sämtliche Spitäler des Kantons Solothurn» des Solothurner Gesundheitsamts.

Auszug aus der «Allgemeinverfügung vom 5. Juni 2020 betreffend Anordnungen an sämtliche Spitäler des Kantons Solothurn» des Solothurner Gesundheitsamts.

PD

Doch: Die Spitäler erhöhen ihre Bettenzahl nicht, solange vom Kanton Phase 0, also Normalbetrieb, gilt. Und die gilt bis auf weiteres, wie der Fachstab Pandemie des Solothurner Gesundheitsamtes auf Nachfrage bestätigt.

«Der Kanton ist seit Beginn der Pandemie in engem Austausch mit den Spitälern, um frühzeitig Massnahmen zur Erhöhung der intensivmedizinischen Kapazitäten zu treffen.»

Man rechne mit einer steigenden Belastung der Spitäler. «Die Kapazitäten werden sofort erhöht, sobald es diese benötigt.» Am Montag finde der nächste Austausch statt.

Verdoppelung innert 9 Tage

Bis dahin müssen die drei übrigen IPS-Betten also reichen - sowohl für Corona- wie alle anderen Patienten, die Intensivpflege benötigen. Ob die Rechnung aufgeht? Gemäss Einschätzung des kantonalen epidemiologischen Lageberichts vom Mittwoch könnte sich die Zahl der Personen im Spital in den nächsten neun Tagen verdoppeln. Stand Freitag befinden sich 41 Covid-Patienten im Spital.

Pflegepersonal im Solothurner Bürgerspital.

Pflegepersonal im Solothurner Bürgerspital.

Hanspeter Bärtschi / SZ

Die Frage ist: Wie schnell steigt die Zahl auf den Intensivstationen? 12 Plätze sind derzeit belegt. Eine Verdoppelung würde bedeuten, dass die Spitäler auch in der ersten Eskalationsstufe mit bis zu 25 Intensivpflegeplätzen ans Limit kämen. Dann wäre in anderthalb Wochen Phase 2 nötig, um die besonders schwer erkrankten Covid-Patienten pflegen zu können.

Jede Impfung zählt

Doch die Bevölkerung kann mithelfen, die Situation in den Spitälern zu entschärfen, betont der Fachstab Pandemie. «Eine Impfung ist der beste Schutz vor einer Ansteckung und einem möglichen schweren Krankheitsverlauf.» Durch eine Impfung schütze man nicht nur sich selber, sondern auch seine Mitmenschen und reduziert die Weiterverbreitung des Virus. Deshalb der Appell der Gesundheitsbehörden:

«Um weitere Epidemie-Wellen und deren Auswirkungen auf das Gesundheitspersonal, das Gesundheitssystem, die Gesellschaft und die Wirtschaft zu verhindern, müssen sich dringend mehr Menschen impfen lassen.»

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