Ferien
Enttäuschte Sonnenfans holen sich die Wärme im Herbst

Ob Gran Canaria, Türkei oder Griechenland – Solothurner wollen dem Dauerregen entkommen und buchen deshalb eine Reise an die Wärme. Reisebüros machen dank den frustrierten Spontanbuchern mehr Gewinn.

Deborah Onnis und Rahel Nicolet
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«Einfach ad Sunne!» – Viele Sonnenhungrige aus der Region haben nach dem schlechten Sommer die Nase voll von der Schweiz. Wer sich nicht schon während den Sommermonaten Ferien im warmen Ausland geleistet hat, plant, es in den nächsten Monaten zu tun.

«Aufgrund des verregneten Sommers gab es etliche kurzfristige Nachfragen», so Roland Gertsch vom Solothurner Reisebüro Vasellari. «Viele Leute wollten von heute auf morgen dem schlechten Wetter entfliehen.»

Auch in die Travelhouse-Filiale in Solothurn flüchteten sich Sonnenhungrige vor dem verregneten Juli. «Wir hatten viele Last-Minute-Buchungen. Leute, die in den folgenden zwei oder drei Tagen verreisen wollten», so Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Leiterin Unternehmenskommunikation von Hotelplan Suisse. Es seien vor allem Destinationen beliebt gewesen, die Sommergefühle versprechen: «Inseln waren diesen Sommer beliebt, seien es die spanischen oder griechischen wie Kos, Rhodos und Kreta», so Huguenin. Auch Kreuzfahrten seien gern unternommen worden und Reisen in den Norden Europas.

Im TUI Reise Center in Solothurn wurden diesen Sommer ebenfalls vor allem Destinationen im Mittel- und Kurzstreckenbereich gebucht. «Beliebt sind etwa die griechischen Inseln, Apulien in Italien, Hurghada am Roten Meer, Olbia in Sardinien oder die Kanarischen Inseln», erklärt Roland Schmid, Director Corporate Communications bei TUI Suisse. Auch in die Südtürkei, nach Djerba, Zypern oder Punta Cana in der Dominikanischen Republik seien die Solothurner gerne verreist. «Um diese Jahreszeit werden ausser Nordamerika die Fernziele wie die Karibik oder Asien kurzfristig eher von jungen Leuten und weniger von Familien gesucht.»

Bei der Kuoni Reisen AG sei die Zahl der Online-Buchungen aufgrund des schlechten Wetters deutlich gestiegen, so Stefanie Aebischer, Leiterin Kuoni Solothurn. «Im Juli stiegen die Last-Minute-Onlinebuchungen gegenüber dem Vormonat um 50 Prozent an. Die Buchungszahlen liegen zudem deutlich über denjenigen des Vorjahrs.» 70 Prozent der Buchungen seien für Abreisen innerhalb von zwei Wochen gemacht worden. «Das spricht für eine Flucht aus dem ‹Schweizer Regenwetter›.»

Da die Wärme leider nicht zu uns kommt: Solothurner zieht es an die Sonne.

Da die Wärme leider nicht zu uns kommt: Solothurner zieht es an die Sonne.

Fotomontage: Cyril Kammermann

Hauptsache Sonne und Strand

Im TUI Reise Center in Solothurn werden neben Last-Minute-Angeboten im Moment auch Herbstferien gebucht. «Wer im Sommer nicht verreist ist und nun nach der längeren Schlechtwetter-Periode sicher auf schönes Wetter setzt, bucht die Herbstferien an der Sonne», so Schmid. Auch beim Reisebüro Vasellari seien schon viele Anfragen eingegangen von Leuten, «die den Sommer doch noch finden wollen».

Auch die Hotelplan AG in Olten empfindet das schlechte Sommerwetter eher als Segen denn als Fluch. «Auch wir haben jetzt mehr Buchungen für Herbst als sonst üblich. Die Zunahme liegt im einstelligen Prozentbereich», so Reiseberaterin Bettina Frieden. Diesen Anstieg erklärt sie sich auch mit dem schlechten Sommerwetter in der Schweiz – aber nicht nur: «Einige haben auf Ferien im Ausland verzichtet, weil sie auf warmes Wetter in der Schweiz hofften. Andere sind möglicherweise auch wegen der WM zu Hause geblieben und wollten die Fussball-Matches sehen.» Da leider nicht alles nach Plan verlaufen ist, setzen nun viele auf die Herbstferien. Die Wünsche der Kunden würden laut Hotelplan in Olten alle sehr ähnlich klingen: «Sonne und Strand sind erste Priorität.»

Ähnliche Destinationen wie im Sommer

Die Urlaubs-Destinationen bleiben im Herbst ähnlich wie im Sommer, heisst es bei den Reisebüros der Region. Lediglich im Langstreckenbereich seien im Herbst Südafrika und Südamerika gefragt, heisst es bei Travelhouse in Solothurn. «Während bei uns der Herbst einbricht, ist das Wetter dort frühlingshaft oder sommerlich», nennt Huguenin einen Grund dafür. «Aufgrund des schlechten Sommerwetters im Juli und August gehen die Konsumenten für den Herbst auf Nummer sicher», weiss auch Aebischer von Kuoni Reisen. «Die Buchungen haben etwas früher als normalerweise angezogen.» Für den Oktober seien gegenüber dem Vorjahr bereits 60 Prozent mehr Buchungen in die Arabischen Emirate und Oman eingegangen. Die Destinationen Mallorca (plus 50 Prozent), Zypern (plus 20 Prozent) und Kreta (plus 10 Prozent) verzeichnen ebenfalls überdurchschnittliche Buchungszahlen. «Auch die einst beliebten Herbstferiendestinationen Ägypten und Tunesien ziehen allmählich wieder an.» Das Vertrauen kehre allerdings nur langsam zurück. (rns)

Zypern ist neben Griechenland und der Südtürkei bei EKO-Reisen AG in Olten ein beliebtes Reiseziel für die spontanen Kunden. Laut Geschäftsleiterin Christine Robert dieses Jahr stärker als sonst: «Wir haben immer noch sehr viele kurzfristige Anfragen für September und für die Herbstschulferien.» Laut der Geschäftsleiterin hängt diese Zunahme – genauso wie von allen anderen Reisebüros vermutet – wahrscheinlich mit dem schlechten Sommerwetter zusammen. «Die meisten Leute, die jetzt noch kurzfristig etwas buchen, suchen verzweifelt einfach nach Sonne und Wärme.»

Auch das SBB-Reisebüro in Olten kann vom schlechten Sommer profitieren. «Für diesen Herbst haben wir mehr Last-Minute-Buchungen als üblich», bestätigt Joana Schönenberger. Einige würden sich auch schon für Ferien im Winter oder sogar schon für den nächsten Sommer informieren. «Nach den letzten Monaten wollen unsere Kunden einfach nur noch an die Wärme.»

Einzig das Reisebüro Vollenweider Reisen aus Grenchen, welches Gruppenreisen organisiert, spürt keinen Einfluss des Wetters auf die Buchungslust seiner Kunden. «Die Gruppen planen ihre Reise weit voraus und treten diese unabhängig vom Wetter – in der Schweiz sowie an der Reisedestination – an», erklärt Eliane Jordi-Meier vom Reiseunternehmen.

Tiefpreis oder Lieblingsort?

Lassen sich die Sonnenhungrigen den Urlaub etwas kosten, wenn sie bloss an einen vielversprechenden Ort reisen können? Oder soll der Urlaub lieber billiger ausfallen, dafür darf die Destination eine Überraschung sein? «Es gibt beide Fälle», so Huguenin von Hotelplan Suisse. «Manche Kurzentschlossene richten sich nur nach der Verfügbarkeit von Reisen, für andere dagegen spielt der Preis auch eine Rolle.»

Roland Gertsch vom Reisebüro Vasellari begegnete eher Menschen, deren spontane Reise möglichst billig sein sollte. «Viele der kurzfristigen Ferienbucher machten sich Illusionen. Sie hatten das Gefühl, dass der Urlaub in der Sonne beinahe gratis ist.»

Roland Schmid von TUI Suisse hat die Erfahrung gemacht, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei allen Kunden eine wichtige Rolle spielt. Unterscheiden würden sich die Kunden in der Flexibilität bezüglich des Ferienziels. «Wer kurzfristig bucht, ist bezüglich des Reiseziels, des Reisetermins oder des Abflughafens eher flexibel. Man sucht dann primär nach einem sonnigen Ort mit Strand oder Platz auf einer Rundreise.» Wer dagegen länger im Voraus bucht, suche eher nach einer bestimmten Destination und sei eher an einen bestimmten Reisetermin oder Flughafen gebunden.