Regionale Firmen

Energiesparen ist für Industrie Pflicht

Die Stahlherstellung in Gerlafingen braucht viel Energie. Felix Gerber

Die Stahlherstellung in Gerlafingen braucht viel Energie. Felix Gerber

In der produzierenden Industrie kann noch viel Energie eingespart werden, sagt eine Studie. Das Potenzial liege bei 30 Prozent. - Eher bei der Hälfte davon, meinen hingegen Vertreter von Firmen in der Region. Denn man tue heute schon viel.

Fachleute aus dem Energie-Bereich schätzen das Energiesparpotenzial von Schweizer Unternehmen auf 30 Prozent ein. Die Firmen selbst sagen hingegen etwas anderes: Sie erachten Einsparungen von 15 Prozent als realistisch. Dies ist das Ergebnis einer Studie, die die Hochschule Luzern zusammen mit dem deutschen Fraunhofer-Institut System- und Innovationsforschung durchgeführt hat. Für die Studie befragt wurden rund 700 Schweizer Industrie- Unternehmen mit ab 20 Mitarbeitenden aufwärts.

Wie schätzen Vertreter von Firmen in der Region ihr Energiesparpotenzial ein? Auch sie meinen: eher bei 15 Prozent als bei 30 oder noch tiefer, wie eine Nachfrage bei einigen Betrieben zeigt. Klar wird dabei aber auch, dass die Sensibilisierung hinsichtlich Energieeffizienz schon sehr hoch ist.

Konsequent isoliert

«Am Standort in Langenthal werden verschiedene Energiesparmassnahmen umgesetzt», sagt beispielsweise Pirmin Hänggi, Leiter Kommunikation der Ammann-Gruppe. So würden alle Gebäudehüllen konsequent isoliert und Isoliergläser eingesetzt. In Wohnhäusern und betrieblich genutzten Gebäuden würden Minergie-Standards erzielt. Zur Beleuchtung würden zunehmend LED-Strahler sowie moderne Leuchtstoffröhren mit niedriger Wattabgabe eingesetzt. «Die Ausstattung von Grossraumbüros erfolgt nur noch mit Grundbeleuchtungen. Diese werden ergänzt durch sensorgesteuerte Einzelplatzlampen, die nur brennen, wenn der Mitarbeiter am Arbeitsplatz ist.» Ein eingebauter Lichtsensor passe die Leuchtstärke automatisch den jeweils geltenden Bedingungen an.

Zudem prüfe Ammann derzeit den Einsatz einer Photovoltaik-Anlage, um ökologischen Strom produzieren zu können. Das erkennbare Potenzial liege bei rund 15 Prozent des momentanen jährlichen Gesamtstromverbrauchs. «Zur verlässlichen Erhebung von Einsparungen haben wir ein internes Energie-Monitoring aufgesetzt», sagt Hänggi. Konkrete Resultate lägen aber noch nicht vor.

Immer wieder Sparpotenzial

Auch bei der Medizintechnik -Firma Stryker in Selzach geht man haushälterisch mit der Energie um: «Mit drehzahlgeregelten Kompressoren und Wärmerückgewinnung haben wir bei der Druckluftproduktion die Energieeffizienz erhöht», erklärt Logistikchef Stefan Züger. Dasselbe gilt bei der Klimatisierung bzw. beim gesamten Gebäudemanagement. Beim Umbau älterer Gebäude versuche man gleichzeitig, die Gebäudehülle zu sanieren.

Hier sei das Potenzial noch nicht ganz ausgeschöpft, räumt Züger ein. Andererseits stecke auch im Einsatz moderner Produktionsmaschinen immer wieder Sparpotenzial. «Wir legen Wert darauf, dass unser Maschinenpark dem aktuellen Stand der Technik entspricht», so Züger. Insgesamt schätzt er das noch nicht realisierte Sparpotenzial bei rund 10 Prozent ein.

Hauptaggregate sind zentral

«Für energieintensive Betriebe ist es eine Frage der Wettbewerbsfähigkeit, den Energieverbrauch laufend zu optimieren. Rund 12 bis 15 Prozent unserer Kosten entfallen auf die Energien», sagt Daniel Aebli vom Stahlwerk Gerlafingen. Zentral für die Wirtschaftlichkeit seien die drei Hauptaggregate: der Schmelzofen im Stahlwerk und zwei Wärmeöfen im Walzwerk. Im Zentrum steht der Verbrauch in kWh pro Tonne produzierten Stahls. «Diese drei Hauptaggregate weisen einen hohen technischen Stand auf, und sie werden laufend weiter optimiert», sagt Aebli. Zwischen 1970 und 2000 wurde der Verbrauch an Strom und Brennstoffen (früher Schweröl, heute Erdgas) um je ca. 80 Prozent gesenkt. Seit 2000 konnte der Erdgasverbrauch Walzwerke/Stahlwerk nochmals um 20 Prozent reduziert werden.

Pumpsysteme ersetzen

Im Rahmen der Instandhaltungsarbeiten würden laufend ineffiziente Pumpensysteme ersetzt. Auch in Gerlafingen werde die Werkbeleuchtung systematisch durch LED erneuert. Vermehrt kommen auch Dämmerungs- und Bewegungssensoren zum Einsatz.

«Eine Arbeitsgruppe hat in diesem Jahr zudem die Arbeit aufgenommen, um das Personal zu sensibilisieren. Ein erster Beitrag in der Mitarbeiterzeitung behandelte das Thema ‹Betrieb ohne Nutzen›.» Im April seien weitere Massnahmen geplant.

«Immer schon speziell sesibilisiert»

Und wie steht es mit der Wärmerückgewinnung? Immerhin entsteht bei der Stahlherstellung sehr viel davon. «Sie wird für die Werkheizung und die Wasseraufbereitung genutzt», erklärt Aebli. Die Wärmerückgewinnung in grösserem Stil sei bisher aus Kostengründen bzw. aufgrund der langen Payback-Zeit gescheitert. Wollte man zum Beispiel die Abwärme der Stahlherstellung zum Heizen in der Region verwenden, müsste zudem die öffentliche Hand sehr viel investieren, meint Aebli.

Das zusätzlich mögliche Einsparpotenzial aus heutiger Sicht beziffert der Stahl Gerlafingen-Sprecher bei lediglich 5 bis 10 Prozent. «Der Grund dafür ist, dass energieintensive Betriebe immer schon speziell sensibilisiert waren.»

Energieverbund mit Nachbar

Dies betont auch Sonja Kreis, Sprecherin von Kimberly Clark (KCC) in Niederbipp. Generell listen die «Sustainability»- Ziele des Weltkonzerns bis 2015 eine Reduktion des Wasserverbrauchs um 25 und des Verpackungsabfalls um 20 Prozent auf. «Auch in der hiesigen Produktion liegt ein Hauptschwerpunkt in der Nachhaltigkeit und damit verbunden in der Energiepolitik», so Kreis. «So haben wir beispielsweise mit einem landwirtschaftlichen Betrieb in unserer direkten Nachbarschaft einen Energieverbund zur Nutzung unserer Abwärme.» Generell gebe man allerdings aus firmenpolitischen Gründen keine genauen Zahlen oder Projekte bekannt.

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