Prämien
Energiefirmen subventionieren Erdgas-Autos – allerdings nicht alle gleich

Bis zu 5000 Franken zahlen öffentlich-rechtliche Versorger im Kanton. Doch für die Autos gewisser Hersteller gibt es deutlich mehr Geld als für andere. Sie erhalten obendrein noch eine Plattform.

Sven Altermatt
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Wer ein neues Erdgas-Fahrzeug kauft, erhält mancherorts einen Förderbeitrag von seinem Energieversorger auf sein Konto. (Symbolbild)

Wer ein neues Erdgas-Fahrzeug kauft, erhält mancherorts einen Förderbeitrag von seinem Energieversorger auf sein Konto. (Symbolbild)

Das Faltblatt lässt keine Zweifel aufkommen: Erdgas-Autos sind besser als Benziner und Diesel. Nicht nur bei der Umweltbilanz schlagen sie herkömmliche Antriebsarten, auch bei den Betriebskosten sind sie unschlagbar.

Das vermittelt das Papier, das viele Kunden der Regio Energie Solothurn in diesen Tagen gemeinsam mit ihrer Energierechnung erhalten haben. Der öffentlich-rechtliche Energieversorger im Besitz der Stadt Solothurn setzt schon lange auf Erdgas als «klimafreundlichen und erneuerbaren Energieträger».

Auch die Kunden sollen auf den Geschmack kommen. Damit sie beim Autokauf an die «umweltschonende Alternative» denken, lockt die Regio Energie auf dem Faltblatt mit einem lukrativen Angebot: Das Unternehmen zahlt bis zu 5000 Franken an Neuwagen, die mit Erdgas angetrieben werden. «Ich engagiere mich», können Kunden auf einem Antworttalon ankreuzen.

Doch nicht jedes Engagement ist gleich viel wert, wie Interessierte feststellen mussten. Die volle Prämie gibt es nur für jene Automarken, die mit der Regio Energie kooperieren. Konkret handelt es sich dabei um die vom Autoimporteur Amag vertriebenen Marken VW, Audi, Skoda und Seat.

Die Marken erhalten auf dem Faltblatt obendrauf noch eine Plattform. Neben ihren Logos sind auch Fotos von Musterautos und die Kontaktdaten von Amag-Kundenberatern abgedruckt.
5000 Franken bekommen auch Kunden der Oltner Aare Energie (AEN), wenn sie bei Amag ein neues Erdgas-Auto kaufen. Die AEN wird zur Hälfte von den Städtischen Betrieben Olten kontrolliert.

Eine gesonderte Aktion

Wer das Erdgas-Auto eines anderen Herstellers kauft, erhält von den beiden Energieversorgern immerhin noch einen Förderbeitrag von 1000 Franken. Diese Prämie werde im ganzen Einzugsgebiet «einheitlich und markenunabhängig» ausbezahlt, heisst es bei der Regio Energie. Gleiche Bedingungen gelten bei der AEN.

Warum dürfen nur Käufer von Autos aus dem Volkswagen-Konzern mit vollen 5000 Franken rechnen? Und warum wird einem Anbieter viel Platz eingeräumt, um sich den Kunden des lokalen Strom-Monopolisten zu empfehlen?

Die Regio Energie verweist auf eine gesonderte Förderaktion, die von Energieversorgern gemeinsam mit Amag und der Schweizerischen Erdgasbranche durchgeführt werde. Diese sei zeitlich limitiert und laufe bis Ende November, so Marketing-Projektleiterin Christa Krestan.

«Das Engagement von Fahrzeugherstellern für das umweltfreundliche Erdgasfahren ist für die Regio Energie Solothurn als Betreiberin von vier regionalen Erdgas-Tankstellen erfreulich.» Entsprechende Spezialaktionen würden meist direkt mit Autoimporteuren vereinbart, sagt Beat Erne, Leiter Marketing und Kommunikation bei der AEN.

Der zusätzliche Förderbeitrag wird von den Energieversorgern, Amag und dem Erdgas-Verband gemeinsam getragen. Nicht bekannt ist derweil, wer sich in welchem Umfang beteiligt.

In der Schweiz gibt es heute 140 Tankstellen für Erdgas. Die Gasautos sind zwar teurer bei der Anschaffung. Dafür ist ihr Betrieb günstiger. Förderbeiträge gibt es mittlerweile nicht nur von lokalen Energieversorgern oder Umweltverbänden, sondern in manchen Kantonen auch von Gemeinden.

Mitarbeit: Beat Nützi

E-Autos

Alpiq-Ladestation wird mitgeliefert

Kooperationen zwischen Autoherstellern und Energieunternehmen gibt es nicht nur im Zusammenhang mit Erdgas-Autos, sondern auch hinsichtlich Elektrofahrzeuge. In diesem Bereich ist zum Beispiel die Oltner Alpiq AG mit zahlreichen Autoherstellern Partnerschaften, die hauptsächlich Heimladestationen betreffen, eingegangen.

Was das heisst, erklärt Alpiq-Sprecher Andreas Meier: «Käufer von Fahrzeugen kriegen in ihrem Heim jeweils eine Ladestation von Alpiq geplant und installiert.» Der Autokäufer bekomme so die Ladestation mitgeliefert, müsse sich um nichts kümmern. Allerdings ist eine Ladestation nicht gratis.

Sie kostet laut Meier etwa zwischen 2000 und 5000 Franken, Planung und Installation inklusive. Wie er weiter ausführt, ist Alpiq im Rahmen von E-Mobility namentlich mit folgenden Autoherstellern Kooperationen eingegangen: Amag (Volkswagen, Audi), BMW, Fisker, Hyundai, Porsche, Tesla, Volvo und dem Flottenmanagement-Spezialisten Alphabet.

Auf der Website von Alpiq E-Mobility sind alle Partnerschaften aufgeführt. (bn)