Neuer Film
Endlich spielt Monica Gubser eine Film-Hauptrolle

Monica Gubser, bekannt aus «Die Herbstzeitlosen», dreht mit Regisseur Rolf Lyssy zusammen einen Film. Sie spielt eine bald 90-jährige Frau, die über den Freitod recherchiert. Während des Drehs lebt die Solothurnerin in Zürich.

Helmuth Zipperlen
Merken
Drucken
Teilen
In Zürich dreht die Solothurnerin Monica Gubser zusammen mit Regisseur Rolf Lyssy den Film «Die letzte Pointe». zvg

In Zürich dreht die Solothurnerin Monica Gubser zusammen mit Regisseur Rolf Lyssy den Film «Die letzte Pointe». zvg

Moritz Hager

Ein nebliger, kühler Morgen liegt über Zürich. Die Equipe für den neuen Film mit Rolf Lyssy, «Die letzte Pointe», hat ihre Zelte auf dem Helvetiaplatz aufgeschlagen. Es stehen Aussenaufnahmen von Strassenszenen auf dem Drehplan. Erstmals seit 1994 kann Lyssy wieder einen Spielfilm drehen.

Eines Trümmerbruchs wegen ist er auf Krücken angewiesen, doch seine Regieassistentin und sein Kameramann – sein Sohn Elia Lyssy – sind sein verlängerter Arm und auf dem Monitor kann er unmittelbar nach dem Dreh die Filmausschnitte sehen. Die Idee zu diesem Film hatte Lyssy schon vor zehn Jahren im Kopf.

Zusammen mit dem Schriftsteller und Drehbuchautor Dominik Bernet («Hunkeler2, «Der Bestatter» etc.) hat er das Drehbuch zum Kinofilm «Die letzte Pointe» verfasst. «Es ist eine Geschichte zu einem ernsten Thema, mit komödiantischen Elementen durchsetzt. Man kann ernste Themen nicht immer schwer servieren.»

Demenz und Sterbehilfe

Die 89-jährige Gertrud hat grosse Angst, die Kontrolle über sich selbst zu verlieren. Deshalb will sie Vorkehrungen treffen, ihr weiteres Schicksal selber zu bestimmen. Die Themen Demenz und Sterbehilfe bilden den ernsten und durchaus aktuellen Hintergrund der Geschichte. Aber zurück zu den Dreharbeiten.

Gertrud und ihre Tochter Chantal, gespielt von Suly Röthlisberger («Der Bestatter»), fahren im Mini durch die Strassen. Das Auto befindet sich auf einem Tieflader und wird von einem Pickup mit montierter Kamera gezogen. Die Szene wird nochmals aus einem anderen Kamerawinkel gedreht. Die Umbaupause gibt uns Gelegenheit mit der Hauptdarstellerin, der Solothurnerin Monica Gubser, zu sprechen.

Andere Leute in Ihrem Alter haben sich längst zur Ruhe gesetzt. Sie spielen jetzt sogar eine Hauptrolle. Wie ist es dazu gekommen?

Monica Gubser: Corinna Glaus, zuständig für das Casting, hat mich Rolf Lyssy vorgeschlagen, und er hat mir das Drehbuch geschickt.

Wie war Ihre Reaktion auf das Drehbuch?

Als ich das Drehbuch gelesen habe, war ich begeistert. Das Thema ist in so viel Humor verpackt, dass man auch lachen kann. Das nimmt der Geschichte den Stachel der Ernsthaftigkeit.

Als junge Schauspielerin haben Sie nicht gefilmt. Welches war Ihr erster Film?

Das liegt eine Zeit lang zurück. Als der aus Biberist stammende Regisseur Jeanpierre Heizmann für das Schweizer Fernsehen in Solothurn einen Film drehte, hat er mich schliesslich überredet darin mitzuspielen. Darauf hat mich Theaterdirektor Peter-Andreas Bojack wieder ans Städtebundtheater Biel/Solothurn geholt. So begann eigentlich meine zweite Karriere als Schauspielerin.

Und dann kamen «Die Herbstzeitlosen»?

Ja, die Arbeit mit Stephanie Glaser, Annemarie Düringer und Heidi Maria Glössner bedeutete für mich den Durchbruch im Film. Seither habe ich in vielen Filmen mitgespielt.

Die Schauspielerin Monica Gubser wohnt in Zuchwil. Geboren wurde sie in Zürich.
4 Bilder
Szene aus dem Film «Die Herbstzeitlosen». Monica Gubser spielt Hanni.
Suzanne Thommen als Frieda Eggenschwyler, Heidi Maria Glössner als Lisi Bigler, Sibylle Brunner als Martha Jost und Monica Gubser als Hanni Bieri ( v.l.) bei den Proben des Stücks Altweiberfrühling von Stefan Vögel.
Szene aus dem Stück Sams, in dem Monica Gubser Frau Rotchrut spielte

Die Schauspielerin Monica Gubser wohnt in Zuchwil. Geboren wurde sie in Zürich.

Keystone/Steffen Schmidt

In den meisten Filmen waren es Nebenrollen. Ist die jetzige Hauptrolle nicht doch anstrengender?

Wissen Sie, filmen ist generell anstrengend. Wir haben Strassenszenen mit verschiedenen Autos gedreht, sind mit dem Schiff auf dem Zürichsee gewesen und das Wetter hat immer mitgespielt. So ist denn die Arbeit durchaus befriedigend und nicht zu vergessen: Der Kopf muss denken, was sehr wichtig ist. Es ist ein grosses Geschenk, dass ich dieser Arbeit nachgehen kann. Zwischen den Filmen lege ich jeweils eine Ruhepause ein.

Pendeln Sie jeweils von Solothurn nach Zürich?

Nein, denn ab sechs Uhr in der Frühe ist Arbeitsbeginn. Wir drehen fünf Tage und haben dann zwei Tage Pause. Dann fahre ich jeweils nach Hause.

Letzte Frage, vielleicht nicht ganz ernst gemeint: Werden Sie jetzt doch noch zu einem richtigen Filmstar?

(lacht) Nein, sicher nicht. Es ist mir einfach eine Ehre, diese Rolle spielen zu dürfen. Zu Hause liegt bereits wieder ein Drehbuch, das ich noch nicht gelesen habe.

Rolf Lyssy über Monica Gubser

«Ich habe noch nie mit ihr gearbeitet, kannte sie aber aus anderen Filmen. Es gibt in der Schweiz wenige Schauspielerinnen in ihrem Alter. Monica ist auch durch keine (filmische) Vorgeschichte belastet. Ich bin glücklich, dass es zu einer Zusammenarbeit gekommen ist.»