Corona
Ende von Fernunterricht in Sicht: Die Schulen im Kanton sind bereit für den Endspurt

Die Schulen bereiten sich auf die nächsten Wochen Fernunterricht vor. Zu Besuch im Schulkreis BeLoSe.

Rebekka Balzarini
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Am 11. Mai kommt wieder Leben in die Schulzimmer.

Am 11. Mai kommt wieder Leben in die Schulzimmer.

Tom Ulrich

Am 11. Mai soll es wieder so weit sein: Dann lernen die Schülerinnen und Schüler voraussichtlich wieder hauptsächlich im Klassenzimmer und nicht mehr daheim am Küchentisch. Das gab der Bundesrat am Donnerstag bekannt. Für die Schulen ist nun ein Zeithorizont in Sicht: Sie müssen im besten Fall nur noch ein paar Wochen mit dem ausserordentlichen Unterricht weiterfahren, auf den sie sich Mitte März so plötzlich einstellen mussten.

In den Frühlingsferien nahmen sich die Lehrpersonen im Kanton Solothurn noch einmal Zeit, um ihre Schülerinnen und Schüler auch noch in den nächsten paar Wochen daheim möglichst gut unterstützen zu können. Das Volksschulamt hatte die Lehrpersonen an die Schulen zurückbeordert: Für die Lehrpersonen war es Pflicht, das 4. Quartal des Fernunterrichts in der Woche vom 14. bis zum 17. April vorzubereiten.

Nach der Hektik ist Ruhe eingekehrt

Mittlerweile haben sich die Lehrpersonen an die neue Form des Unterrichts etwas gewöhnt. Und trotzdem freuen sie sich darauf, wenn die Kinder wieder zurück im Schulhaus sind. Das zeigt ein Besuch an der Primarschule in Selzach. Vor dem Besuch empfängt der Gesamtschulleiter des Schulkreises BeLoSe (Bellach, Lommiswil und Selzach), Christian Meister, in seinem Büro in Selzach. Auch für ihn waren die ersten Tage des Lockdowns eine anstrengende Zeit. Mittlerweile sei an den Schulen nach der ersten Hektik aber etwas Ruhe eingekehrt, erklärt Meister: «Ich hatte zu Beginn schon die eine oder andere schlaflose Nacht».

Vom Einsatz der Lehrpersonen in seinem Schulkreis ist er begeistert. «Das ist gigantisch. Man kann sich wirklich kaum vorstellen, wie hart viele von ihnen in den letzten Wochen gearbeitet haben», betont Meister. Alle hätten an einem Strick gezogen, damit der Unterricht so gut wie möglich weitergeführt werden kann. Auch die Schulleitungen und der Vorstand. «Dafür gab es sogar an den Wochenenden Sitzungen», so Meister.

Der Einsatz wurde laut Meister belohnt: Die Rückmeldungen der Lehrpersonen, der Eltern und der Kinder seien mehrheitlich positiv. Dabei lernen die Schulen aus dem Schulkreis BeLoSe ständig dazu, so Meister. «Wir haben zum Beispiel festgestellt, dass wir tendenziell eher zu viele Aufgaben gegeben haben. Das haben wir jetzt angepasst», erzählt er.

Besonders froh ist Meister darum, dass die Digitalisierung in seinem Schulkreis schon relativ viele Klassenzimmer erreicht hat. Ab der 5. Klasse wurden die Kinder im letzten Herbst mit Geräten ausgerüstet, mit denen sie daheim lernen können. «Das ist ein grosser Vorteil, wir sind dafür sehr dankbar», betont Meister. Dabei habe er sogar zu jenen gehört, die dieser Entwicklung eher kritisch gegenüber gestanden hätten, gesteht er. «Mittlerweile habe ich meine Meinung in diesem Punkt geändert. Und ich hoffe, dass wir den Weg der Digitalisierung in Zukunft konsequent weitergehen. Gerade jetzt sehen wir, dass sich dieses Konzept bewährt».

Die Situation bleibt herausfordernd

Meister macht sich aber trotzdem manchmal noch Sorgen. Ihn beschäftige die Frage, ob alle Schüler den Stoff von daheim aus bewältigen können. Das werde man aber erst wissen, wenn die Schülerinnen und Schüler im besten Fall Mitte Mai zurück im Klassenzimmer sitzen.

Die Schüler sollen laut ihm aber erst dann tatsächlich in die Schulen zurückkehren, wenn es die Situation zulässt. Denn: «Eine zweite Schliessung wäre eine Katastrophe», sagt Meister. Und auch wenn die Schulen die Türen wieder öffnen, ist doch nicht wieder alles beim Alten – noch sind für die Schulen nämlich viele Fragen offen. Etwa die Frage, was mit Lehrpersonen passiert, die zu einer Risikogruppe gehören. «Diese Lehrpersonen müssen geschützt werden, aber der Stellenmarkt ist ausgetrocknet», gibt Meister zu bedenken.

Als Gesamtschulleiter müsse er momentan einfach viel Vertrauen aufbauen, so Meister. Und zwar in die Politik, welche momentan die Richtung vorgibt. Vertrauen brauche aber nicht nur er, fügt er an. Überhaupt basiere der momentane Unterricht auf viel Vertrauen: zwischen den Lehrpersonen, den Eltern, und nicht zuletzt den Kindern.