Mümliswil

Ende einer Ära: Classionata Symphonie Orchester spielt zum letzten Mal

Das Classionata Symphonie Orchester unter der Stabführung von Andreas Spörri im Einsatz.

Das Classionata Symphonie Orchester unter der Stabführung von Andreas Spörri im Einsatz.

Das Classionata Symphonie Orchester verabschiedete sich in der Dorfkirche Mümliswil mit einer Mozart-Rossini-Gala.

Eingebettet in die Operetten-Produktion bot das Konzert mit dem Classionata Symphonie Orchester und Weltklasseklarinettist Dimitri Ashkenazy einen umjubelten Festival-Höhepunkt.
Die Operetten-Produktion ist das Herzstück der Internationalen Classionata Musikfesttage. Die Sinfonie-Konzerte bieten jeweils das musikalische Highlight. Abseits der trockenen Akustik der Konzertaula Brühl, finden diese in der dafür wunderbar geeigneten Dorfkirche statt.

Dort gaben 2011 sowohl Dimitri Ashkenazy als auch das eigens für das Festival gegründete Classionata Symphonie Orchester mit Mozarts Klarinettenkonzert ihren Einstand. Sechs Jahre später präsentierte Intendant Andreas Spörri den populären Klarinettisten erneut. Ein Musiker, der mit seinem Instrument verschmolzen scheint, der sämtlichen Klangnuancen, das technische Spektrum, die Wärme des Wohllautes, die dynamische Elastizität und die Kunst des Phrasierens perfekt beherrscht.

Mit ganzer Seele der Musik ergeben

Doch allein mit Präzision, Virtuosität und Schönspiel alleine lässt sich weder die Faszination seiner Interpretation noch der Gänsehauteffekt seines Auftretens erklären. Vielmehr spürt das Publikum, wie sich Dimitri Ashkenazy mit ganzer Seele der Musik ergibt. Obschon er Rossinis Introduktion, Thema und Variation für Klarinette und Orchester schon unzählige Male spielte, ist nichts von Routine zu spüren. Im Gegenteil. Operngenie Rossini ist ja als genialer «Multiverwerter» seiner musikalischen Einfälle bekannt und so stammt das Variationenthema aus dem Melodrama «La donna del lago». Eine Preziose für Klarinettisten, der sich der Solist voller Spielfreude annahm, in den virtuosen Passagen mit atemberaubender Technik und Tempi brillierte.

Davon angespornt zeigte das Classionata Symphonie Orchester, wie delikat, beseelt, und prickelnd es unter der Stabführung von Andreas Spörri spielen kann. Zumal mit der Ouvertüre zu «La Cenerentola» eine weitere Rossini-Perle auf dem Programm stand.

Erneut offenbarte das überwiegend aus in der Schweiz lebenden, jungen Musikerinnen und Musikern bestehende Festival-Orchester, mit welcher Klangkultur es zu musizieren versteht. Qualitäten, die der Klangkörper bereits zu Beginn mit dem Streicherensemble bei Mozarts Divertimento KV 136 und in voller Besetzung mit Mozarts Sinfonie Nr. 39, KV 543, bewies.

Dabei haben die Musiker erst vor kurzem erfahren, dass sie durch einen Klangkörper aus Deutschland ersetzt werden, mit Mozart und Rossini ihr Abschiedskonzert gestalten. Eine Tendenz, die es zu beklagen gilt. Sei es, dass einheimische Musiker aus Kostengründen oder aus anderen Erwägungen nicht mehr verpflichtet werden, wandert Wertschöpfung ins Ausland, wird musikalische Identität und Identifikation mit der Region verschmäht.

Da machte sich da und dort Wehmut breit, gerade auch, weil sich der Kreis mit Mozarts träumerischem Adagio aus dem Klarinettenkonzert rundete, dabei Solist, Musiker und Zuhörende in andere Sphären trug. Eine Sternstunde im Mümliswiler Sakralraum – leider die letzte mit dem Classionata Symphonie Orchester.

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