Rauchende Grillfeuer, planschende Kinder, Forellen, die endlich wieder zirkulieren. Und da und dort eine Ringelnatter, die über einen von der Sonne erwärmten Stein huscht. Bilder, die man an schönen Sommertagen an der Emme zwischen dem Wehr Biberist und ihrer Mündung in die Aare vergeblich sucht. 

Der letzte, rund 5 Kilometer lange, kanalisierte Abschnitt des Flusses ist dicht bewaldet und gesäumt von Umweltsünden. Kommt hinzu, dass Quartiere in Biberist und Zuchwil überschwemmungsgefährdet sind.

In ein paar Jahren wird man die Gegend nicht wiedererkennen. Der Wald wird gerodet, das Flussbett stark verbreitert und der teilweise giftige Müll aus den drei Deponien in Biberist, Derendingen und Zuchwil geholt.

Wo heute Cadmium, Arsen, Sperrgut oder Bauschutt modern, wird sich die Emme ihren Weg durch Überflutungsflächen bahnen. Denn im Februar hatte die Solothurner Stimmbevölkerung deutlich für den Kredit «Hochwasserschutz und Revitalisierung Emme» gestimmt.

Damit die unterste Emme zum naturnahen Erholungsgebiet für Mensch und Tier wird, sind weitreichende Eingriffe nötig. Am Freitag starteten auf dem Biberister Papieri-Areal die Bauarbeiten.

Baudirektor Roland Fürst und die Gemeindepräsidenten der vier Anstössergemeinden Biberist, Derendingen, Luterbach und Zuchwil warfen symbolisch Emme-Steine in den Fluss. Die Brocken sind mit umweltfreundlicher grüner Leuchtfarbe bestrichen und wandern mit dem Geschiebe Richtung Aare.

Roni Hunziker erklärt die Renaturierungsmassnahme mit Emmen-Steinen

Roni Hunziker erklärt die Renaturierungsmassnahme mit Emmen-Steinen

Nach sonnigen Tagen werden sie in der Nacht im Wasser grün schimmern. «Sie erinnern daran, dass die Emme ein dynamisches Gewässer ist», sagte Fürst.

Er verwies auf den ökologischen Nutzen des Bauprojekts. Das breitere Flussbett werte das Gewässer auf und die Fische werden zwischen dem Wehr Biberist und der Aare fast ungehindert schwimmen können.

Roland Fürst sagt, wieso es nötig ist, die Emme zu renaturieren

Roland Fürst sagt, wieso es nötig ist, die Emme zu renaturieren

Die Schwellen werden aufgehoben oder durch fischgängige Rampen ersetzt. «Die baulichen Eingriffe werden sicht- und hörbar sein und es wird dauern, bis sich Verbesserungen zeigen.» Fürst dankte bereits jetzt für die Geduld der Anstösser.

Eine zentrale Funktion der Bauarbeiten ist der Hochwasserschutz, der massiv verbessert wird. Die August-Hochwasser von 2005 und 2007 haben vor allem den Biberistern einen gehörigen Schrecken eingejagt. Die Dämme hielten zwar stand. «Sie drohten aber zu brechen», sagt Ingenieur Roni Hunziker. Was dann passieren würde, liess den Biberister Gemeindepräsidenten erschaudern. «Bei der Post stünde das Wasser bei drei Metern.» Biberist und Gerlafingen riefen nach dem Kanton, und im Sommer 2012 wurde die Sanierung und Revitalisierung des oberen Emme-Abschnitts abgeschlossen.

Gemeindepräsident Martin Blaser: «Biberist ist stark verbunden mit der Emme»

Gemeindepräsident Martin Blaser: «Biberist ist stark verbunden mit der Emme»

Im unteren Abschnitt bis zum Emmenspitz werden 5 Kilometer Dämme und 150 Meter Ufermauern die Siedlungsgebiete schützen. Die bestehenden Verbauungen werden saniert oder ersetzt. Ein Hochwasserschutz ergibt sich bereits durch die Aufweitung des Flussbetts. «Der Wasserspiegel wird so gesenkt», sagt Hunziker.

So beschränken sich Überflutungen bei einem Jahrhunderthochwasser künftig auf die Flächen innerhalb des Gewässerraums. Bei grösseren Ereignissen würde das Wasser hinauslaufen und durch Flutkorridore abfliessen. Solche Ereignisse seien aber sehr selten. Diese Restgefährdung müsse akzeptiert werden, weil weitergehende Schutzmassnahmen unverhältnismässig teuer wären.

Betroffene schlafen ruhiger

Wie wichtig der Hochwasserschutz für die Betroffenen ist, zeigte ein Votum von Martin Blaser. Seitdem der obere Teil von der Kantonsgrenze bis zum Biberister Wehr saniert ist, schlafe er bedeutend ruhiger. «Die Gefahr konnte auf ein Restrisiko gemindert werden.» Endlich werde der Fluss nicht mehr eingeengt. «Die Emme sehnt sich nach ihrem Flussbett.» Es sei ein historischer Moment, sagte Blaser anlässlich des Baustarts. Und wenn in fünf Jahren auch der zweite Teil des Hochwasserschutzprojektes abgeschlossen sei, «dann ist das Jahrhundertbauwerk Tatsache».

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