Fein säuberliche Bahnen zieren den Rasen rund um die «Jura World of Coffee» in Niederbuchsiten. Dorthin geleitet uns Meinrad Kofmel, seines Zeichens Presseverantwortlicher bei der Jura Elektroapparate AG.

Für das Foto sei im kleinen Café der richtige Ort. Im Glas spiegelt sich die Silhouette von Emanuel Probst, General Manager der Jura, der uns mit kleinem Abstand folgt. Kurz darauf an einem Tisch wird zuerst das Wichtigste geklärt: Welcher Kaffee darfs denn sein? Etwa ein Freshpresso? Etwas Fruchtiges? Und sofort ist klar, dass es an diesem Ort naturgemäss nur ein Thema geben kann. Nämlich Kaffee. In allen Variationen.

«Wir haben abgemacht, dass wir nicht einzelne Personen herausstellen», sagt Emanuel Probst. Doch die neuere Geschichte von Jura, genauer der Aufstieg zu einer der führenden Kaffeevollautomatenfirmen ist nur in Verbindung mit ihm zu erzählen. Jura lässt sich heute nicht mehr von Probst trennen.

Doch der Einstieg war hart. 1991, also vor einem Vierteljahrhundert, wurde er General Manager der Jura. «Können sie sich in ihrem Alter vorstellen, ihren jetzigen Job über 25 Jahre auszuüben? Ich mir nicht.» Doch nun sitzt er halt trotzdem in seiner Funktion als Chef der Kaffeevollautomatenfirma gegenüber und es ist spürbar: Probst macht seinen Job aus Überzeugung.

Design als Grundpfeiler

Im Gespräch fallen von Anfang an zwei Begriffe, die sein Wirken zusammenfassen: Design und Wachstum. «Wir liegen heute richtig, in dem wir eine starke Designorientierung leben.

Dies ist mir persönlich sehr wichtig und gleichzeitig matchentscheidend auf den Weltmärkten.» Präzision, Klarheit, schlichte Eleganz seien die Assoziationen, die Jura mit ihren Kaffeemaschinen wecken möchten.

Mit 34 hat Probst den Job als General Manager bei der Jura übernommen. 1994 nahm er privat einen Kredit auf, um eine Aktienkapitalerhöhung zu bezahlen. «Wenn das in die Hosen gegangen wäre, wäre ich mit meiner jungen Familie mit Schulden dagestanden. Mehr Risiko ist gar nicht möglich.

Aber ich glaube, im Nachhinein war das auch die Basis für den Erfolg.» Man sage ja, dass die Knappheit der Mittel die Sinne schärfe. «Und die Mittel waren mehr als knapp.» Deshalb auch die Fokussierung auf nur ein Produkt, die Vollautomaten. «Die Brücken waren bereits gesprengt. Wir konnten nicht sagen: Ok, das war jetzt kein Hit, wir fangen noch mal an.

Zur Diskussion stand nur noch mehr Fokussierung. Und gnadenlos zu internationalisieren.» Da ist es also wieder: Wachstum als Grundvoraussetzung für den Erfolg. Doch er verstehe Wachstum nicht rein quantitativ, sondern qualitativ. Zudem: «Möglichst viel Geld verdienen, ist nur das Ergebnis nicht das Ziel.»

Und das Geld soll am besten wieder in den Betrieb gesteckt werden «Ich mache lieber Neues. Das ist mein Charakter. Wir können nur gut sein oder gleich gut bleiben, wenn wir uns ständig weiterentwickeln.»

Kein Abschied auf Raten

Der Einfluss von Probst auf die Firma ist nicht unerheblich. So habe sich zum Beispiel eine Stilsicherheit in der Firma entwickelt: Viele Mitarbeiter zum Beispiel die gleichen Designentscheide treffen würden wie Probst selbst. 25 Jahre als Chef, eigenes Geld im Betrieb, die eigenen Ideen sind in den Köpfen der Mitarbeiter angekommen.

Ein Patron der alten Schule also? Hier stockt Probst das erste Mal im Gespräch. Ganz kurz zwar, aber das Wort Patron scheint ihm nicht zu behagen. «Ich setze mich für Jura ein», ist seine kurze Entgegnung.

Heute setzt er sich anders ein als noch zu den Anfangszeiten. «Das was ich vor 20 Jahren gemacht habe, möchte ich heute nicht mehr machen.» Die Agenda sei damals voller gewesen, durch das Wachstum der Firma sind jedoch neue Strukturen entstanden, Probst hat sich etwas zurückgenommen.

Nicht in Design-Fragen oder in der Innovation, nein. Aber in täglichen Entscheidungen. «Ich habe heute viel weniger Leute, welche direkt an mich rapportieren.» Doch ein Abschied auf Raten, schliesslich wäre Probst in sechs Jahren im Pensionsalter, sieht definitiv anders aus. «Genau wie ich mir vor Jahren nicht vorstellen konnte solange zu bleiben, ist es heute unvorstellbar aufzuhören.»

Er verschwende momentan keinen Gedanken ans Aufhören. Sagts und nippt an seinem Kaffee. Kalter Kaffee übrigens im wahrsten Sinne des Wortes. «Etwas Erfrischendes am Nachmittag.»

Am morgen trinke er lieber einen Cappuccino oder einen Milchkaffee. «Milchbasierte Getränke», wie er sie, ganz der Chef einer internationalen Kaffeevollautomatenfirma, nennt. Denn Geschäft bleibt Geschäft, auch wenn es um Genuss geht.