Elvira Bader, Ihre Initiative hat lediglich 30 Prozent Zustimmung erhalten. Hat Sie das überrascht?

Bader:Ich bin etwas enttäuscht. Ich habe gehofft, es würde positiver ausfallen, auch im Kanton Solothurn. Aber Initiativen haben es schwer, und ethisch-moralische Fragen scheinen doppelt so schwer.

Was ist in Ihren Augen der Grund für das schlechte Resultat?

Die Gegner haben allerlei in die Initiative hineininterpretiert. Das hat verfangen. Man hat gesagt, neben der Abtreibung werde die Solidarität auch bei gewissen Krankheiten infrage gestellt. Hinzu kam: Viele Leute haben wohl gedacht: «Wir haben es so, jetzt lassen wir es so.» Dass mit dem heutigen System die Gewissensfreiheit nicht gegeben ist, ist zu wenig stark hinübergekommen.

Sie haben gesagt, ohne Abtreibungen kämen die Krankenkassenkosten günstiger. Das finanzielle Argument hat offenbar nicht gezogen?

Der Einzelne hätte die Einsparung nicht gemerkt.

Vor allem die SVP unterstützte Ihre Initiative. Ihre eigene Partei, die CVP half nur marginal. Hat Sie das getroffen?

Es hat mich ein wenig enttäuscht, weil das «C» im Namen der Partei ja auch bedeutet, Leben zu schützen. Die CVP hat diese Vorlage zum Schutz des Lebens verpasst.

Sind Sie für die CVP zu konservativ oder wurde die CVP zu liberal?

Im Prinzip wäre unsere Vorlage sehr liberal. Es ist eine moderne Vorlage gewesen. Es geht um Eigenfinanzierung, statt nach dem Staat zu rufen.

Aber Sie fühlen sich weiterhin als CVP-Vertreterin?

Ja, es gibt immer verschiedene Meinungen bei Vorlagen. Manchmal ist die Partei etwas mehr auf der eigenen Linie, manchmal etwas weniger.

Dem «Tages-Anzeiger» sagten Sie, nun sollten die Krankenkassen die Verhütungsmittel bezahlen.

Das war eine Frage der Zeitung. Aber wenn man Leben retten will, kann man die Idee gut unterstützten. Wenn man Verhütungsmittel bezahlen würde, dann gäbe es die eine oder andere Schwangerschaft weniger.

Werden Sie politisch weiterkämpfen oder gar neue Vorlagen einbringen?

Diese Vorlage habe ich noch aus meiner aktiven Zeit mitgenommen. Jetzt gilt ein ungeschriebenes Gesetz, nämlich: Wenn man zurückgetreten ist, hält man sich zurück. Jetzt sind andere aktiv. Ich schaue der Politik von etwas weiter weg zu.