«Ich hoffe, dass die Volksinitiative im Sinn der Grünen abgelehnt wird», sagte Brigit Wyss, Co-Präsidentin der Grünen Kanton Solothurn, nach der Podiumsdiskussion. Sie bedeute einen Schritt rückwärts in der Geschichte des Kampfes der Frau. Die Initiative fordert, dass die Kosten einer Abtreibung zur Entlastung der Grundversicherung von den Frauen selber übernommen werden müssen.

Elvira Bader, Mümliswil, Co-Präsidentin des Initiativkomitees und alt Nationalrätin CVP, wagte sich in die Höhle des Löwen, schienen doch die Meinungen der 19 Anwesenden in der Jugendherberge Solothurn gemacht zu sein. «Ich bin erstaunt und perplex, weil das Rad der Zeit zurückgedreht wird», äusserte sich Gynäkologin Regina Widmer von der Frauenpraxis Runa in Solothurn vehement dagegen.

Die Schweiz habe mit 11 000 jährlichen Schwangerschaftsabbrüchen die tiefste Rate Europas. Unerwünscht schwanger zu werden, bedeute eine Notlage. Es gebe viele arme Frauen, die nach billigeren Abtreibungen suchen müssten, was sich wiederum gesundheitsbedrohlich auswirkte. Die geringen Kosteneinsparungen rechtfertigten die Abkehr der heutigen guten Regelung nicht.

Finanzierung, Ethik, Moral

Die Abstimmungsvorlage zeigt Einsparungen von 8 Millionen Franken auf, was gegenüber den Gesamtkosten der Grundversicherung von 26 Milliarden Franken 0,03 Prozent ausmacht. «Wird das Rad der Zeit zurückgedreht, geht es um Moral oder Kosten?», wollte Moderator Eric Send, Kommunikationsfachmann aus Biberist, wissen. «Die Praxis wird nicht geändert, die Fristenregelung bleibt», beteuerte Elvira Bader. Es gehe bei der Finanzierung ums Selbstbestimmungsrecht. Frauen, deren Kinderwunsch nicht erfüllt werde, müssten heute Abtreibungen mitfinanzieren.

Ganz klar würden aber auch Ethik und Moral mitspielen. Viele könnten Abtreibungen mit ihrem Gewissen nicht vereinbaren. «Die Krankenkassen sollen Leben retten und heilen, nicht aber das Töten finanzieren», bekundete Elvira Bader. Die Kosten - rund 600 bis 1000 Franken - könne man den Betroffenen zumuten. Niemand müsse zu Kurpfuschern.

Vorbehalten blieben seltene Ausnahmen bei Lebensgefahr der Mutter oder bei Vergewaltigung. «Ich rede aus der Praxis», machte Frauenärztin Widmer immer wieder klar. Gründe für einen Abbruch gebe es viele, diese Frauen müssten unterstützt werden. Oft stünden sie in ihrer Entscheidung alleine da. Das Verursacherprinzip komme aus der Ecke der Abtreibungsgegner.

Solidarität schwang obenauf

Dass das Ganze auf dem Rücken der Frau ausgetragen werde, war die Meinung vieler Anwesenden. Hervorgehoben wurde das Solidaritätsprinzip. Eine junge Frau meinte, dass die Männer aus der Verantwortung gezogen würden. Eine andere Votantin verlangte: «Die Frauen dürfen nicht wieder alleine gelassen werden.» Ein junger Mann gab zu bedenken, wenn schon von Sparen die Rede sei, müsse man auch eventuell entstehende Sozialhilfekosten für Mutter und Kind in Betracht ziehen.

Die Grüne Partei Kanton Solothurn empfiehlt zudem ein Nein für die kantonale Volksinitiative «Weniger Steuern für alle», ebenfalls für die nationale Volksinitiative «Gegen Masseneinwanderung». Ein Ja gilt dem Bundesbeschluss über die Finanzierung und den Ausbau der Eisenbahn-Infrastruktur.