«Mami, die wollen uns nun das Werken nehmen», zitierte Sandra Padula aus Biberist eines ihrer vier Kinder, als es letzte Woche von der Schule heimkam. «Statt die Faust im Sack zu machen, habe ich mich entschlossen, mich zu wehren», so die 38-jährige Mitinitiantin der «Initiative Eltern» am Freitag an der Presseorientierung im Volkshaus Solothurn. Es dürfe auch nicht sein, dass die Lehrkräfte allein gegen den Leistungsabbau an den Schulen kämpfen. «Wir Eltern stehen ebenso in der Verantwortung.» Der Regierungsrat wird aufgefordert respektive gebeten, auf die Lektionskürzungen in Werken, Musik und Deutsch zu verzichten.

Nicht nur «kopflastige» Fächer

«Es schockt mich, dass heute schon Jugendliche mit zwei linken Händen aus der Schule kommen», so Padula. Co-Initiantin Anne Däppen (42) aus Deitingen, ebenfalls vierfache Mutter, ergänzte. «Heute weiss man, dass gerade Musik und Werken das ganzheitliche Denken, kognitives und soziales Verhalten fördert. Kopf, Herz und Verstand gehören zusammen.» Werde dies ausser Acht gelassen, bringe dies hohe Folgekosten mit sich. Es könnten etwa vermehrt teure Therapiestunden nötig werden.

Auch eignen sich diese musischen Lektionen hervorragend zur Integration schwächerer oder fremdsprachiger Kinder. Auch hier ist klar, dass später grosse Probleme entstehen, wenn diesem Aspekt nicht genügend Rechnung getragen wird. Zur Musik im Speziellen meinte Däppen: «Ein Abbau der Kantonssubventionen vermehrt dazu führen, dass das Erlernen eines Instrumentes nur noch den Kindern finanziell gutgestellter Eltern möglich ist. Oder anderes gesagt: Gerade im Bereich der Musik könnte bei einem Abbau eine Zwei-Klassen-Gesellschaft entstehen.»

Deutsch heisst Integration

Gefährlich ist aus Sicht der «Initiative Eltern» der geplante Stundenabbau in Deutsch. Sandra Padula: «Schon heute beklagen sich Lehrmeister über die mangelnden Deutschkenntnisse von Schulabgängerinnen und Schulabgängern.» Eine Aussage, die der Gewerbeverband sofort unterschreiben würde. Eine Reduktion der Deutschlektionen hätte ausserdem auch auf eine erfolgreiche Integration und die beruflichen Chancen von Kindern mit Migrationshintergrund negative Auswirkungen. «Die Folge wären wiederum hohe Kosten in vielen anderen Bereichen des Lebens, ganz abgesehen von sozialen Spannungen», so Padula.

Der Regierungsrat fasst eine Stundenkürzung von drei Unterrichtslektionen auf der Stufe der Sek K vor. «Gerade die Schüler dieser Stufe, die oft in ihrer persönlichen Entwicklung zurückstehen, brauchen mehr Unterstützung. Mit jeder weiteren Reduktion der Lektionenzahl werden die beruflichen Perspektiven von Schülerinnen und Schülern der Sek K untergraben», ist Padula überzeugt.

An Protestaktion gehen

Nächsten Montagabend - ab 18.30 Uhr beim Klosterplatz - hat der LSO in der Stadt Solothurn zu einem Protestmarsch aufgerufen. Sandra Padula und Anne Däppen, die keine Lehrpersonen sind, rufen Eltern dazu auf, an der Protestkundgebung teilzunehmen. Nach Angaben des LSO haben sich schon über 1000 Personen angemeldet.

Ab Dienstag steht das Massnahmenpaket im Kantonsrat zur Debatte. Der Regierungsrat hatte angekündigt, jene Massnahmen, die in seinen Kompetenzbereich fallen, auf jeden Fall durchziehen zu wollen. Dazu gehören auch die Sparmassnahmen im Bildungsbereich. Ob sich der Regierungsrat von der angekündigten Opposition der Volksvertreter und von der Strasse umstimmen lässt? «Wenn nicht, werden wir eine Volksinitiative lancieren», so Sandra Padula.