Sie ist die neue, alte starke Frau des WWF Solothurn: Elsbeth Wirth. An einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung wurde die Erwachsenenbildnerin aus Nennigkofen zur neuen Präsidentin der Umweltorganisation gewählt.

Alle zehn Stimmberechtigten im Solothurner Restaurant «Akropolis», wo es - wie Wirth mit einem «umweltschützerischen Augenzwinkern» feststellte - Hahnenwasser statt Evian zu trinken gab, votierten für die 57-Jährige.

In seiner Rede hatte Michael Ochsenbein, der bisherige WWF-Präsident, zuvor für die Wahl Wirths geworben. «Sie kennt den WWF aus dem Eff. Neben dieser starken Frau war ich ja immer etwas dekorativ», sagte Ochsenbein. Bisher war Wirth Geschäftsleiterin der Solothurner Sektion, nun will sie mit ihrem «unermüdlichen Einsatz» als Präsidentin wirken.

Freiheit statt Struktur

Die Neuwahl war notwendig geworden, weil Michael Ochsenbein Anfang dieses Monats seinen Rücktritt bekannt gegeben hat. Seit vier Monaten ist der CVP-Politiker Präsident der Mitte-Fraktion im Kantonsrat. «Zusammen mit meinem Job als Lehrer und dem Amt als Gemeindepräsident von Luterbach stosse ich an zeitliche Grenzen», begründete der 37-Jährige seine Entscheidung.

Ochsenbein war im März 2009 zum WWF-Präsidenten gewählt worden - dank einer «glücklichen Fügung», wie er wortspielerisch auf seine Vorgängerin Cornelia Füeg zu Sprechen kam. Die alt Regierungsrätin hatte nach einem Streit mit dem VCS ihr Amt niedergelegt. «Eine spannende Zeit begann», resümierte Ochsenbein.

Das WWF-Präsidium habe ihm, der wegen den umstrittenen Grosssägereien in Luterbach für Umweltthemen politisiert worden sei, stets viel Freude bereitet. Als einen «strategisch brillanten und unkonventionellen Menschen» bezeichnete Elsbeth Wirth ihren bisherigen Chef. «Manchmal tut viel Struktur gut, oft aber auch viel Freiheit», erklärte sie, um die Freiheit zu loben, die ihr Ochsenbein gegeben habe.

«Ein Fondue ohne Gabeln»

Elsbeth Wirth wie auch Michael Ochsenbein betonten, wie wichtig der gute Draht zur Politik sei. «Heute kann der WWF kaum wirken, wenn er in der Politik nicht mitredet», meinte Wirth. Als Nicht-Politikerin sei sie sich bewusst, dass sie es ungemein schwerer haben werde. Auch deshalb soll Michael Ochsenbein weiterhin dem WWF-Vorstand angehören und in diesem die Vernetzung zur Politik sicherstellen.

Als Präsidentin will sich Wirth vor allem für die freiwilligen Helfer im WWF einsetzen. Mit einem Seitenhieb an die nationale WWF-Organisation warnte die neue Präsidentin davor, nur auf Professionalisierung zu setzen: «Ohne Freiwillige ist der WWF wie ein Fondue ohne Gabeln.» Vorerst wird Wirth auch ihr Amt als Geschäftsleiterin fortführen. Diese «strategisch heikle Situation» soll jedoch rasch gelöst werden, die Geschäftsleiter-Stelle sei bereits ausgeschrieben worden.