Innovation
Der Bellacher Mischa Buob arbeitet am Elektroflugzeug-Projekt «e-Sling» der ETH mit

Stromangetriebene Autos prägen zusehends das Strassenbild. Doch auch Flugzeuge sollen künftig mit einem Elektroantrieb ihre Strecken zurücklegen. Mischa Buob ist Teil eines Zwölferteams der ETH Zürich, das am Elektroflugzeug-Projekt «e-Sling» arbeitet

Lisan Vugts
Drucken
Teilen
Der Bellacher Mischa Buob entwickelt zusammen mit seinem Team von «e-Sling» ein mit Strom betriebenes Flugzeug.

Der Bellacher Mischa Buob entwickelt zusammen mit seinem Team von «e-Sling» ein mit Strom betriebenes Flugzeug.

zvg/Timo Kleger

Zwölf Maschinenbau- und Elektroingenieur-Studierende der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich (ETH) wollen schon in diesem Jahr einen Grundstein für die Elektrofliegerei legen. Das ambitionierte Ziel ist, ein viersitziges Elektroflugzeug mit einem modularen Batteriesystem zu entwickeln. Es soll weltweit das erste Elektroflugzeug dieser Art werden. Letzten September fiel der Startschuss für das Projekt an der Grenchner «Electricfly-In».

Der Bellacher Mischa Buob ist Teil des Teams. Buob befindet sich im sechsten Semester seines Maschinenbau-Studiums und ist für die Entwicklung der Batterie verantwortlich. Zusammen mit zwei weiteren Studierenden ist Buob dafür zuständig, dass die Batterie inklusive Kühlung den Sicherheitsstandards entspricht und gleichzeitig auch so leicht wie möglich bleibt.

Mischa Buob mit einer der 2736 Zellen, welche das innovative modulare Batteriesystem formen.

Mischa Buob mit einer der 2736 Zellen, welche das innovative modulare Batteriesystem formen.

zvg/Timo Kleger

Nebst der Zusammenarbeit im Team muss Buob auch ständig im Austausch mit den Verantwortlichen der anderen Flugzeugteile stehen. Jeder Arbeitstag ist anders,

«aber wir Modulleiter treffen uns jeden Morgen online, um die nächsten Schritte zu planen und die Übersicht zu behalten»,

veranschaulicht Buob das Vorgehen des Teams.

Praktisch ein zusätzlicher Vollzeitjob neben Studium

Die Mitarbeit an solch einem Forschungsprojekt ist nicht selbstverständlich. Studierende können sich für eine vertiefte Forschungsrichtung entscheiden oder sich für ein Forschungsprojekt bewerben.

Buob zog Letzteres vor, obwohl «der Aufwand für ein solches Projekt nicht zu unterschätzen ist». Nebst den Vorlesungen und Prüfungen verpflichte man sich eigentlich für einen zusätzlichen Vollzeitjob, so Buob. Die Faszination für das innovative Ziel und die Erkenntnis, dass es sich bei «e-Sling» um eine einmalige Chance handle, überwogen schliesslich. «Teil eines hochmotivierten Teams sein zu können und dabei einen wichtigen Schritt für die Nachhaltigkeit in der Flugindustrie setzen zu dürfen, motivieren mich jeden Tag aufs Neue.»

«e-Sling», so nennt sich das Forschungsprojekt, will mit dem viersitzigen Elektroflugzeug zwei grosse Ziele erreichen. Letztlich sollten 100 Prozent der CO2-Emissionen und 75 Prozent an Lärmbelastung reduziert werden. «Um diese Ziele erreichen zu können, entwickeln wir einen effizienten Elektroantrieb und ein modulares Batterie-System mit innovativem Kühlsystem.»

Südafrikanisches Flugzeug dient als «Hülse»

Damit der Fokus ganz auf diesen zwei Komponenten liegt und nicht noch ein ganzes Flugzeug entwickelt und geprüft werden muss, dient das südafrikanische Flugzeug Sling TSI von Sling Aircraft als «Hülse, die nur noch an einigen Stellen angepasst werden muss», erklärt Buob. Beispielsweise wurden die Spannweite der Flügel vergrössert und die Verkleidung des Flugmotors (Cowling) angepasst. Nach der Prüfungsphase, in der Buob und seine Kommilitoninnen und Kommilitonen sich momentan befinden, beginnt das Team mit der Zusammensetzung der erarbeiteten Teile.

«Wegen der Corona führten wir die Designphase beinahe vollständig aus dem Homeoffice durch»,

so dass das Projekt bisher nicht gross unter der Situation leide. Man merke aber bei der Projektfinanzierung, dass im Augenblick nicht auf die Mittel von grossen Aviatik-Firmen oder Fluggesellschaften zu zählen sei. Mit Sponsoren wie die Bellacher Fraisa SA oder Grenchner Mecaplex AG habe man aber unglaubliches Know-how mit an Bord, von dem man sehr viel profitieren könne.

Mit Crowdfundig weitere Mittel gewinnen

Dennoch brauche es noch weitere finanzielle Unterstützung, die man in einem Crowdfunding mit der Live-Your-Dream-Foundation zu finden hoffe. So könne man auf die Mitarbeit der Industriepartner zählen, aber auch weiteren Flugzeugbegeisterten die Möglichkeit bieten, «Teil dieses Meilensteins in der Schweizer Flugszene» zu sein, so Buob.

Wenn im September das Electricfly-In in Grenchen wieder stattfinden kann, plane man, dort mit einem fliegenden Elektroflugzeug vor Ort zu sein.

«Gerade für einen Kleinflugzeugplatz wie Grenchen bietet die Elektroaviatik eine unglaubliche Chance»,

unterstreicht Buob. «Denn Nachhaltigkeit und Naturschutz sind wichtige Pfeiler in der Witi-Umgebung und mit unserem Projekt wird in eine solche Zukunft investiert, ohne dass Piloten und Flugzeugfans ihren Beruf oder Hobby aufgeben müssen», unterstreicht Buob die Zukunftsvision.

Weitere Informationen zum Projekt und zum Crowdfunding sind auf der Website https://e-sling.com zu sehen.