Archäologie und Denkmalpflege
Eiszeitmenschen lebten 1000 Jahre früher als gedacht auf Solothurner Gebiet

Die kantonale Denkmalpflege und die Kantonsarchäologie haben 2011 im ganzen Kanton Solothurn gegraben, gesichert und restauriert. Was zum Vorschein kam, kann sich sehen lassen.

Katharina Arni-Howald
Merken
Drucken
Teilen
In der Höhle Käsloch bei Winznau lebten Menschen aus der späten Eiszeit.

In der Höhle Käsloch bei Winznau lebten Menschen aus der späten Eiszeit.

Kantonsarchäologie Solothurn/Jürg Stauffer.

Dafür, dass wichtiges Kulturgut und Zeugen der Vergangenheit der Nachwelt erhalten bleiben, sorgen im Laufe eines Jahres die Mitarbeitenden der Kantonalen Denkmalpflege und der Kantonsarchäologie. Die soeben erschienene Publikation «Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn» belegt die vielfältige Arbeit im Berichtsjahr 2011: Zahlreiche Bodenfunde konnten sichergestellt und wichtige Hinweise auf das Leben unserer Vorfahren archiviert werden.

Nicht minder wertvoll waren die zahlreichen Restaurierungen von Kulturdenkmälern von regionaler und nationaler Bedeutung. Es kamen oft in dieser Form nicht erwartete Trouvaillen zum Vorschein.

Solothurn eine einzige Baustelle

Wie immer besticht die 141-seitige, im A-4-Format erschienene Publikation durch gut verständliche Texte und interessante Hintergrundberichte. Sie belegt, dass die fachlich bestens ausgewiesenen Fachleute in sämtlichen Bezirken unterwegs waren. Wie der Leiter des Amtes, Stefan Blank, festhält, glich insbesondere die Kantonshauptstadt in den vergangenen zwei Jahren einer Grossbaustelle. «Wo viel gebaut wird und Veränderungen an geschützten oder schützenswerten Baudenkmälern vorgenommen werden, wird auch die Denkmalpflege tätig», folgert Blank aus der regen Bautätigkeit.

Lostorf: Die Hauskapelle auf Schloss Wartenfels
7 Bilder
Lostorf: Der Rittersaal von Schloss Wartenfels, oberhalb Lostorf
Solothurn: Das restaurierte Pfarrhaus St. Ursen, mit der angebauten Hauskapelle (rechts im Bild auf Pfeilern).
Fund aus mittelalterlicher Zeit: Das Stolleisen eines Gerbers wurde an der Löwengasse in Solothurn ausgegraben.
Schönenwerder Museumsgebäude erneuert Einer Gesamtrestaurierung unterzogen wurde im Berichtsjahr auch ein repräsentatives Museumsgebäude in Schönenwerd. In Auftrag gegeben wurde das Gebäude1909 von Eduard Bally-Prior, dem ältesten Sohn des Fabrikgründers Carl Franz Bally. Der spätere Mitinhaber der Schuhfabrik war ein leidenschaftlicher Sammler naturwissenschaftlicher und ethnologischer Objekte, für die er mehr Platz benötigte. Eingebettet in den Park seiner Villa «Jurablick» an der Oltnerstrasse bestand der eineinhalbgeschossige Bau mit hohem Untergeschoss vorerst aus einem Mittelpavillon und zwei Flügelbauten. Bereits 1925/26 kam es zur Erweiterung. Der Mittelpavillon von 1909 wurde westseitig mit Räumen für die Museumsverwaltung ergänzt. Südwestseitig erhielt der bis anhin symmetrische Bau einen grossen Saaltrakt. Bei einer Dachsanierung 1984 beteiligte sich auch der Kanton an den Kosten und stellte das Gebäude unter Schutz. 2003 wurde das bedeutende Mineralien- und Meteoritenmuseum geschlossen. Die in finanzielle Not geratene Firma Bally konnte die Finanzierung nicht mehr gewährleisten. 2004 ging das Museum an die Konrad-Nef-Stiftung über. Ein Glücksfall, denn diese sorgte dafür, dass heute im historischen Bauwerk das Zündholzmuseum untergebracht ist. Die jüngste Restaurierung liess vor allem das Farbkonzept des 20. Jahrhundert wieder aufleben. (kas)
Die restaurierte Eingangshalle des Zündholzmuseums
Detail aus dem Zündholzmuseum

Lostorf: Die Hauskapelle auf Schloss Wartenfels

Zur Verfügung gestellt

Im Fokus stand zweifellos die St.-Ursen-Kathedrale, wo ein Brandanschlag eine umfassende Innenrestauration auslöste. Baugerüste standen an der Hauptgasse aber auch bei anderen Repräsentationsbauten und Altstadthäusern. Erwähnt seien das Haus an der Hauptgasse 67, wo die Raiffeisenbank bald einziehen wird, und die barocken Repräsentationsräume im Fideikommisshaus von Roll an der Hauptgasse 69. Die prächtig ausgestatteten Räume werden inskünftig von Stadt und Kanton für offizielle Empfänge genutzt. Sie können aber auch für spezielle Anlässe gemietet werden.

St.-Urban-Kapelle renoviert

Weitere gelungene Restaurierungen im Berichtsjahr betreffen den Umbau des Kantonsratssaales im Rathaus, die Fassadenrenovationen der St.-Urban-Kapelle und der Spitalkirche in der Vorstadt sowie die Postenerker der Riedholzschanze. Einer Fassadenrestauration unterzogen wurde auch das Pfarrhaus St. Ursen an der Propsteigasse 10. Das bis ins 16. Jahrhundert verfolgbare, städtebaulich wertvolle Gebäudeensemble blickt auf eine jahrhundertealte Geschichte zurück, die gut sichtbare Spuren hinterlassen hat.

Da der Zugang zum Pfarrhaus nordseitig erfolgt, bleibt die südliche, von einem Garten ummauerte und an die Peterskapelle grenzende Fassade des Gebäudekomplexes samt Hauskapelle der Öffentlichkeit verborgen. Umso mehr fällt der Blick auf das restaurierte Hauptportal unterhalb der St.-Ursen-Terrasse mit dem Wappen des St.-Ursen-Stifts und den in Nischen stehenden beiden Stadtheiligen.

In der späten Eiszeit früher besiedelt

Sozusagen im Dauereinsatz war auch der gelbe Bauwagen der Kantonsarchäologie. Im Rahmen eines vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Projektes zum Siedlungsverhalten der Menschen während der späten Eiszeit sind in den letzten drei Jahren das Käsloch (Winznau), die Kastelhöhle und die Rislisberghöhle (Oensingen) in den Vordergrund getreten. Seit langem spielen die paläolithischen Fundstellen des Kantons Solothurn für die Erforschung des Magdalénien in der Schweiz eine wichtige Rolle.

Schönenwerder Museumsgebäude erneuert Einer Gesamtrestaurierung unterzogen wurde im Berichtsjahr auch ein repräsentatives Museumsgebäude in Schönenwerd. In Auftrag gegeben wurde das Gebäude1909 von Eduard Bally-Prior, dem ältesten Sohn des Fabrikgründers Carl Franz Bally. Der spätere Mitinhaber der Schuhfabrik war ein leidenschaftlicher Sammler naturwissenschaftlicher und ethnologischer Objekte, für die er mehr Platz benötigte. Eingebettet in den Park seiner Villa «Jurablick» an der Oltnerstrasse bestand der eineinhalbgeschossige Bau mit hohem Untergeschoss vorerst aus einem Mittelpavillon und zwei Flügelbauten. Bereits 1925/26 kam es zur Erweiterung. Der Mittelpavillon von 1909 wurde westseitig mit Räumen für die Museumsverwaltung ergänzt. Südwestseitig erhielt der bis anhin symmetrische Bau einen grossen Saaltrakt. Bei einer Dachsanierung 1984 beteiligte sich auch der Kanton an den Kosten und stellte das Gebäude unter Schutz. 2003 wurde das bedeutende Mineralien- und Meteoritenmuseum geschlossen. Die in finanzielle Not geratene Firma Bally konnte die Finanzierung nicht mehr gewährleisten. 2004 ging das Museum an die Konrad-Nef-Stiftung über. Ein Glücksfall, denn diese sorgte dafür, dass heute im historischen Bauwerk das Zündholzmuseum untergebracht ist. Die jüngste Restaurierung liess vor allem das Farbkonzept des 20. Jahrhundert wieder aufleben. (kas)

Schönenwerder Museumsgebäude erneuert Einer Gesamtrestaurierung unterzogen wurde im Berichtsjahr auch ein repräsentatives Museumsgebäude in Schönenwerd. In Auftrag gegeben wurde das Gebäude1909 von Eduard Bally-Prior, dem ältesten Sohn des Fabrikgründers Carl Franz Bally. Der spätere Mitinhaber der Schuhfabrik war ein leidenschaftlicher Sammler naturwissenschaftlicher und ethnologischer Objekte, für die er mehr Platz benötigte. Eingebettet in den Park seiner Villa «Jurablick» an der Oltnerstrasse bestand der eineinhalbgeschossige Bau mit hohem Untergeschoss vorerst aus einem Mittelpavillon und zwei Flügelbauten. Bereits 1925/26 kam es zur Erweiterung. Der Mittelpavillon von 1909 wurde westseitig mit Räumen für die Museumsverwaltung ergänzt. Südwestseitig erhielt der bis anhin symmetrische Bau einen grossen Saaltrakt. Bei einer Dachsanierung 1984 beteiligte sich auch der Kanton an den Kosten und stellte das Gebäude unter Schutz. 2003 wurde das bedeutende Mineralien- und Meteoritenmuseum geschlossen. Die in finanzielle Not geratene Firma Bally konnte die Finanzierung nicht mehr gewährleisten. 2004 ging das Museum an die Konrad-Nef-Stiftung über. Ein Glücksfall, denn diese sorgte dafür, dass heute im historischen Bauwerk das Zündholzmuseum untergebracht ist. Die jüngste Restaurierung liess vor allem das Farbkonzept des 20. Jahrhundert wieder aufleben. (kas)

Zur Verfügung gestellt

Anhand der gewonnenen Datierungen kann nun belegt werden, dass die Besiedlung dieser Höhlen durch die Träger der Magdalénien-Kultur etwa tausend Jahre früher stattgefunden hatte als bisher angenommen. Nebst wichtigen Hinweisen auf die damalige Flora und Fauna zeigen die Untersuchungen ausserdem, dass die Menschen zu dieser Zeit entgegen der bisherigen Annahmen keine grossen Wanderungen zwischen den Sommer- und Winter-Aufenthaltsorten unternahmen, sondern ganzjährig im Gebiet der heutigen Schweiz lebten.

Seltener Fund eines Werkzeuges

Viel zu graben und zu diskutieren gab im Sommer 2011 weiterhin der römische Gutshof auf dem Kastelfeld in Grenchen. Ihnen sind denn auch gleich drei lesenswerte Beiträge in der Publikation gewidmet. Im September 2011 rollte der Bauwagen wieder gegen Osten nach Oensingen, wo südlich der Hauptstrasse zwei Kalkbrennöfen und die Umfassungsmauer der dortigen Römervilla zum Vorschein kamen. Beide Villen sind altbekannt, konnten aber noch nie so grossflächig untersucht werden.

Neue Erkenntnisse liegen auch für die Grabungen an der Löwengasse in Solothurn vor. Dass dort Gerber und Kürschner ihr Handwerk ausübten, wird nun kaum mehr angezweifelt. Ein wichtiger Zeuge ist ein Stolleisen, auch Liederstollen genannt. Es diente dazu - wie auch historischem Bildmaterial zu entnehmen ist - das feine Leder der Weiss- oder der Sämischgerberei weich und flauschig zu machen.

Die Publikation «Archäologie und Denkmalpflege im Kanton Solothurn» kann beim Amt für Archäologie und Denkmalpflege, Werkhofstrasse 55, 4500 Solothurn, für 20 Franken bezogen werden. Telefon 032 627 25 77.