Solothurner Kantonsrat

Einzig die SVP ist gegen Lehrplan 21 und plant eine Initiative

Im Kanton Solothurn soll der Lehrplan 21 im Schuljahr 2018/2019 eingeführt werden. (Symbolbild)

Im Kanton Solothurn soll der Lehrplan 21 im Schuljahr 2018/2019 eingeführt werden. (Symbolbild)

Die Kantonsrats-Mehrheit hält am Lehrplan 21 fest – und lehnt einen SVP-Auftrag klar ab. Der Lehrplan 21 ist und bleibe ein «Monstrum», sagte Beat Künzli (SVP), der den Vorstoss eingereicht hatte. Die SVP plant nun eine Initiative.

Mit grosser Mehrheit versenkte das Kantonsparlament am Mittwoch einen Auftrag der SVP, mit dem die Einführung des Lehrplans 21 verhindert werden sollte. Einzig die Volkspartei stellte sich geschlossen hinter den Vorstoss ihres Parteikollegen Beat Künzli (SVP, Laupersdorf). Eine gewisse Unterstützung erhielt das Anliegen von der grossen Mittefraktion, aus der sich einige der Stimme enthielten. Mit 69 zu 19 Stimmen (bei 9 Enthaltungen) fiel der Entscheid dennoch deutlich gegen einen Abbruch der Übung aus – und damit für die weiteren geplanten Umsetzungsschritte.

Künzli machte keinen Hehl aus seiner Enttäuschung, wenn er meinte: «Während andere Kantone bereits zurückkrebsen, erachtet Solothurn diese und auch andere Reformen immer noch für das Glück auf Erden.» Mit den anderen Kantonen meinte er St. Gallen, Baselland und Schwyz. Dort seien bereits die nötigen Unterschriften für eine Volksinitiative gegen die Einführung des Lehrplans 21 gesammelt worden. Im Aargau sei eine solche Unterschriftensammlung derzeit im Gang.

Im Anschluss an die Debatte im Kantonsrat sagte SVP-Fraktionspräsident Christian Imark gegenüber dieser Zeitung: «Auch bei uns laufen entsprechende Abklärungen.» Zuerst habe man aber die Debatte im Kantonsrat abwarten wollen. Auf einen genauen Zeitplan für den Start der Unterschriftendsammlung wollte sich Imark nicht festlegen lassen.

Ein «fahrlässiger» Lehrplan?

Der Lehrplan 21 ist und bleibe ein «Monstrum», sagte Beat Künzli – auch wenn seit vergangenem Freitag jetzt die überarbeitete und abgespeckte Fassung auf dem Tisch liege. Noch immer halte man an «Kompetenzen» fest, statt den Schülern Lerninhalte zu vermitteln. Das bedeute zum Beispiel, dass die Kinder nicht mehr richtig lesen lernen, dafür sollen sie über ihr Leseverhalten reflektieren. «Mit dem neuen Lehrplan ist nicht mehr Leistung gefragt». Künzli machte sich deshalb gestern dafür stark, dass die Regierung gemeinsam mit anderen Kantonen einen neuen Lehrplan erarbeitet, der – wo möglich –  die geforderte Harmonisierung berücksichtigen soll.

Explizit unterstützt wurde die SVP einzig von EVP-Kantonsrat René Steiner (Olten), der den Lehrplan 21 als «fahrlässig» bezeichnete. Niemand wisse, was mit «Kompetenzen» genau gemeint ist. Es sei auch unklar, wie solche Kompetenzen von den Lehrern geprüft werden sollen. Weiter ist Steiner überzeugt, dass die Einführung des Lehrplans den Kanton teuer zu stehen kommt, weil es dafür mehr Lektionen braucht. «Nicht infrage kommt, dass aus Spargründen einfach Schichtlektionen abgebaut werden.»

Kritik wurde berücksichtigt

Die «Kompetenzorientierung» des neuen Lehrplans habe in der Mittefraktion (CVP, EVP, GLP, BDP) emotionale Debatten ausgelöste, hielt Mehrheits-Sprecher Urs Ackermann (CVP, Balsthal) fest. Einige Mitglieder hegten denn auch gewisse Sympathien für den SVP-Vorstoss. Jetzt gelte es aber, zuerst einmal den überarbeiteten Lehrplan 21 genau zu studieren. «Zum jetzigen Zeitpunkt ist es wenig sinnvoll, ein definitives Urteil zu fällen.»

«Es ist richtig, die Arbeit am Lehrplan 21 angemessen kritisch zu verfolgen», sagte FDP-Sprecher Hubert Bläsi (Grenchen). Das Stimmvolk habe sich aber klar für eine Harmonisierung der Bildungsinhalte ausgesprochen. «Auch wir sind überzeugt, dass sich die Kantone bei den schulischen Inhalten annähern müssen», meinte der Freisinnige. In die gleiche Richtung zielte das Votum von Felix Wettstein (Grüne, Olten): «Gerade Familien und Anbieter von Lehrstellen wünschen sich dringend eine Harmonisierung.» Jetzt, wo die überarbeitete Fassung des Lehrplans vorliege, sei es zudem an der Zeit, dass sich die Debatte rund um den Lehrplan abkühle. «Viele der Kritikpunkte auch aus Solothurn sind in der Neufassung berücksichtigt worden.» Einen eigenen Lehrplan zu erarbeiten, käme den Kanton zudem teuer zu stehen, betonte Wettstein. Aufgrund der Überarbeitung sei der Lehrplan nicht mehr «überdimensioniert», unterstrich SP-Sprecher Simon Esslinger (Seewen). Es gelte aber auch weiterhin, den Prozess kritisch zu verfolgen. So müssten etwa genügend Mittel bereitgestellt werden, um die Einführung gut zu begleiten.

«Es liegt jetzt ein gutes Resultat vor», meinte Bildungsdirektor Remo Ankli. Und: «In den 90er-Jahren gab es grosse Diskussionen über Lernziele, jetzt sind es die Kompetenzen». In etlichen Fächern, zum Beispiel in der Mathematik und in den Frühfremdsprachen, werde heute bereits kompetenzorientiert unterrichtet – und das mit gutem Erfolg. Den Entscheid über die Einführung des Lehrplans 21 werde die Regierung im Herbst 2015 treffen. Eingeführt werden soll der neue Lehrplan dann im Schuljahr 2018/2019.

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