Arealverbot
«Einzäunen kann man ein Gefängnis, nicht aber den Sportplatz»

Jede Schulgemeinde hat ihre eigenen Rezepte, den Zugang zu den Sportplätzen zu regeln. Arealverbote wie in Oensingen gab es in anderen Gemeinden bisher nicht. An manchen Orten wird die Anlage eingezäunt, andere wiederum setzten auf Kommunikation.

Simon Binz und Deborah Onnis
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Vandalenakte und Littering: Bei der Primarschule in Niedergösgen wird das Schulhausareal mit Videokameras überwacht.

Vandalenakte und Littering: Bei der Primarschule in Niedergösgen wird das Schulhausareal mit Videokameras überwacht.

HR Aeschbacher

Der Rummel um den Vorfall war immens, die 5700 Seelen Gemeinde Oensingen dadurch in aller Munde. Die Rede ist vom schweizweit bekannten Arealverbot für drei Jugendliche, die dort auf einem Sportplatz Fussball spielten (wir berichteten).

Gerade in der Schulferienzeit ist die Verlockung gross, sich auf einer Sportanlage auszutoben. Wie ist deren Benützung denn eigentlich in anderen Gemeinden des Kantons geregelt? Diese Zeitung fragte bei lokalen Verantwortlichen nach. Arealverbote wie in Oensingen wurden bei den befragten Gemeinden bisher nie ausgesprochen – zumindest nicht gegen ein Schulkind. Die Einzäunung einer Schulsportanlage und ein Platzverbot, wie im Fall Oensingen, stellen in der Region einen Einzelfall dar.

Die Aussenlagen der Schulen in Zuchwil, Solothurn, Messen, Lüterkofen, Grenchen, Wangen b. Olten, Niedergösgen und Wolfwil sind gemäss Nachfrage öffentlich barrierefrei zugänglich.

Zuchwil: Polizei sorgt für Ordnung

In Zuchwil gilt genau das Gegenteil eines Verbots: Die Schul- und Sportanlagen sollen auch für die Öffentlichkeit zugänglich sein, so Stephan Hug, Schuldirektor von Zuchwil. Er fügt an: «natürlich nur ausserhalb der Unterrichtszeiten.» So gilt für Benutzung der Anlagen die «allgemeine Gesetzgebung». Das heisst: Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr und von 13 bis 22 Uhr. Für Ordnung schaut die Polizei. Hug: «Sie machen Rundgänge im Dorf, aber im Grossen Ganzen haben wir so oder so sehr wenige Störungen.»

Solothurn: Littering als Problem

In der Kantonshauptstadt ist die Benutzung der Schulhausplätze und Aussenanlagen seit 1986 «in der Weisung über die Benützung von Schulräumen und Anlagen» geregelt und online einsehbar. Diese Zeiten wurden damals vom Gemeinderat definiert. So dürfen in Solothurn während der Schulzeit (Montag, Dienstag, Donnerstag und Freitag) während 15.30 bis 21.30 Uhr die Anlagen genutzt werden. Am Mittwoch, Samstag, Sonntag und den Feiertagen bereits ab 13.30 Uhr. Während der Ferien darf man sich täglich von 8 bis 12 Uhr und von 13.30 bis 21.30 Uhr auf den Arealen der Schulen aufhalten. Diese Zeiten sind auch bei den Schulhäusern angezeigt.

Tafel mit Anweisungen in Lüterkofen

Tafel mit Anweisungen in Lüterkofen

Simon Binz

Arealverbote waren so bisher auch nie ein Thema in Solothurn. «Wir haben im Moment mehr Probleme mit dem Littering», sagt Schuldirektorin Irène Schori. So habe man bereits den Einsatz von Überwachungskameras geprüft, die Ergebnisse seien aber dürftig gewesen. «Eine Kamera würde ja nicht reichen, und dann bräuchten wir noch jemanden, der die Technik betreut. Kurz: Die Investitionskosten wären zu gross», so Schori. Deshalb schauen bei jedem Schulhaus die Hauswarte für Ordnung. Bei Problemen würden sie das Gespräch mit den Jugendlichen suchen, aber auch die Polizei mache Rundgänge. Eingezäunte Schulanlage?: «Das möchten wir in Solothurn nicht, das wäre schade.»

Niedergösgen: Kameras installiert

Sehr häufige Vandalenakte und Littering zwangen bei der Primarschule Niedergösgen zum Handeln: Nicht nur die Polizei macht regelmässig Kontrollgänge. Auch eine Videokamera wurde auf dem Areal installiert. Laut Schulleiter Andreas Koch handelt es sich meistens nicht um Schulkinder, sondern um Auswärtige, die vor allem leere Alkoholflaschen hinterlassen. Die Aufnahmen würden nur bei Vorfällen konsultiert. Die Massnahme habe vor allem am Anfang zu weniger Delikten geführt. Das Littering aber bleibe immer noch ein Problem.

Securitas in Wangen und Wolfwil

Für Ordnung nach 22 Uhr sorgen auch immer häufiger Sicherheitsdienste, wie die Securitas. So zum Beispiel bei den Schulhäusern in Wangen und Wolfwil. Der Einsatz eines Sicherheitsdienstes – auch wenn nur sporadisch – zeige eine langfristige Wirkung. «Nach meinem Empfinden ist es in den letzten zwei Jahren, seit dem Einsatz der Securitas, ruhiger geworden», zeigt sich Remo Rossi, Schulleiter der Schulen Wangen, zufrieden. Auch Walter Portmann, Leiter der Primarschule in Wolfwil, berichtet von einem nahezu kompletten Ausfall der Reklamationen.

Bucheggberg bisher ohne Verbote

«Beim Kindergarten Stähli, haben wir gelegentlich Probleme mit Jugendlichen, die Bier trinken», sagt Silvia Hak-Meinicke, Leiterin Primarschule Messen. Auch beim Schulhaus Bühl erwische der Hauswart ab und zu Oberstufenschüler beim Rauchen. «In beiden Fällen löst sich das Problem meist mit Gesprächen.» Der Hauswart habe nichts dagegen, wenn die Anlagen ausserhalb der Schulzeiten benutzt werden.

Auch in Messen gilt die «allgemeine Gesetzgebung». «Bisher haben wir es ohne richterliches Verbot geschafft», so die Schulleiterin. Auch beim anderen Primarschulhaus des Schulverbands Bucheggberg kämpft man mit Problemen. Vor den Sommerferien sei zum zweiten Mal bei der Bushaltestelle vor dem Schulgebäude die Beschriftung abgerissen worden, sagt Schulleiterin Regina Keller. Zudem wurden Sträucher ausgerissen und andere Vandalenakte begangen.

Auf dem Pausenareal würden auch oft Bierflaschen rumliegen. Diese räume der Hauswart jeweils vor Schulbeginn weg. «Wir beobachten die Situation derzeit», sagt Keller. In Lüterkofen ist derweil am Eingang zum Sportplatz ein richterliches Verbot angebracht. So wird Unbefugten das Betreten der Anlagen «generell für die Zeit zwischen 22.15 und 7 Uhr verboten».

Grenchen: «Gespräche reichen»

Markus Grünig ist seit knapp einem Jahr Hauswart im Halden-Schulhaus in Grenchen. «In diesem Moment spielen drei Jugendliche auf dem Pausenplatz Basketball», rapportiert er im Telefongespräch mit der Zeitung. «Ich finde es schön, wenn sie den Platz benutzen, so kann ich auch mal ein Wort mit ihnen wechseln.» Die Anlage in Grenchen ist mit Weisungen und Benützungszeiten ausgeschildert (Montag–Freitag bis 21.30 Uhr; samstags, sonntags und an Feiertagen 9 bis 19 Uhr). «Falls sie einmal zu lange spielen, spreche ich mit ihnen. Dann heisst es meistens ‹Oh ja, Entschuldigung, das haben wir vergessen›, und so ist die Sache erledigt», so der Hauswart.

Regeln in Grenchen

Regeln in Grenchen

Simon Binz

Die Polizei einzuschalten, sei noch nie nötig gewesen. Grünig: «Klar liegen etwa leere Bierflaschen herum, oder Jugendliche werfen Wasserballone an die Wand, aber das ist noch alles harmlos.» 80 Prozent der Benützer würden sich benehmen. Eine komplette Einzäunung kann sich Grünig überhaupt nicht vorstellen. «Das kann man im Gefängnis machen, aber nicht bei einer Sportanlage.»