Arztlöhne

Einst Halbgötter in Weiss, heute als «Abzocker» verschrien

(Zu) hohe Arztlöhne geben im Solothurner Kantonsrat zu reden

(Zu) hohe Arztlöhne geben im Solothurner Kantonsrat zu reden

Die hohen Saläre von Kaderärzten sind in der Kritik. Die Solothurner Spitäler AG und der Regierungsrat wollen Fehlanreize mit einem neuen Entlöhnungssystem korrigieren.

Nur mässig zufrieden zeigte sich SVP-Kantonsrätin Stephanie Ritschard (Riedholz) mit den Auskünften zu den Spitzenlöhnen der Kaderärzte an Solothurner Spitälern und den Honoraren von Fachärzten.

Vergangenen Herbst wurde bekannt, dass der bestbezahlte Arzt der Solothurner Spitäler AG soH inklusive Honorare aus privatärztlicher Tätigkeit und für die stationäre Behandlung von Zusatzversicherten fast 900'000 Franken verdient. Der Regierungsrat hatte auch bekannt gegeben, das man bei der soH an der Einführung eines neuen Vergütungsmodells arbeitet, das falsche Anreize korrigieren soll und keine Privatpraxistätigkeit im Spital mehr zulässt. Gleichzeitig wies er aber auch darauf hin, dass sich erstens auch die soH dem speziellen Markt für die Ärzteschaft nicht entziehen kann und zweitens die Verdienste der freiberuflichen Ärzte eine Angelegenheit der nationalen Tarifstruktur sei.

Das veranlasste Kantonsrätin Ritschard bei der Behandlung ihrer Interpellationen am Mittwoch zu einer Tirade gegen die Abzockermentalität im Gesundheitswesen. Man habe zwar etwas Transparenz bekommen und sie sei froh, dass der Regierungsrat Fehlanreize nicht mehr tolerieren wolle. Aber er nehme sich dennoch zu stark aus der Verantwortung. Die Lohnexzesse seien Realität und gesellschaftspolitisch hoch problematisch. «Die Bevölkerung hat kein Verständnis für Abzocker. Das Gesundheitswesen ist krank, aber niemand hat ein Interesse, wirklich etwas zu ändern», schimpfte Ritschard. Als Eigner der Spitäler sei der Kanton ja selber quasi ein Leistungserbringer, dafür habe es in den Antworten der Regierung zu viel Ausflüchte.

In einen so vernichtenden Kanon mochte dann aber doch niemand einsteigen, auch wenn von allen Seiten Unmut über das Entlöhnungssystem und Ausreisser bei den Arzthonoraren geäussert wurde. Die Solothurner Spitäler müssten sich nun einmal am nationalen Markt behaupten, meinte etwa Nadine Vögeli (SP, Hägendorf).

Der von Regierung und soH eingeschlagene Weg sei zu unterstützen, so Fraktionskollegin Luzia Stocker (Olten). CVP-Sprecher (und Arzt) Dieter Leu (Rickenbach) bestätigte zwar «völlig falsche Anreize auf allen Stufen im Entschädigungssystem», wollte sich aber doch dagegen verwahren, die gesamte Ärzteschaft an den Pranger zu stellen.

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Autor

Urs Moser

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