Bürgerspital Solothurn

Einsprache gegen Teilprojekt – Regio Energie bangt um Wärmeabsatz

Die Regio Energie will ihre Investitionen ins Fernwärmenetz amortisieren (oben im Bau), der Kanton für die Kühlung im neuen Bürgerspital Aarewasser nutzen.

Die Regio Energie will ihre Investitionen ins Fernwärmenetz amortisieren (oben im Bau), der Kanton für die Kühlung im neuen Bürgerspital Aarewasser nutzen.

Für den Bau des neuen Bürgerspitals ist ein Projekt geplant, das Kühlung durch Aarewasser vorsieht. Zudem soll genutzte Fernwärme durch eigens produzierte Wärme ergänzt werden. Die Regio Energie hat nun Einsprache gegen das Vorhaben eingereicht.

Der Bau des neuen Bürgerspitals Solothurn komme gut voran, sagt Alfredo Pergola vom kantonalen Hochbauamt. Man habe sogar einen Monat früher als geplant starten können.

Gegen ein Teilprojekt hat nun aber die Regio Energie Einsprache eingereicht. Im Visier der Einsprecherin: Der Spitalneubau soll dereinst mit Aarewasser gekühlt werden.

Zu diesem Zweck soll das «Spital der Zukunft» mit einer 985 Meter langen, unterirdischen Direktleitung zur Aare versehen werden.

Zu liegen kommen soll der Zapfpunkt im Spickel zwischen der Westumfahrungsbrücke und der Rampe Bürenstrasse.

Der Betrieb der Aarekühlung erfordert vor Ort die Erstellung eines Pumpwerks sowie eines Entlüftungsschachtes. Dem Pumpwerk müssten einige junge Obstbäume weichen. Jedoch nur, um an anderer Stelle wieder eingepflanzt zu werden.

Zudem soll das Pumpwerk seiner Umwelt optisch angepasst werden, wie Pergola erläutert: «Es wird um etwa einen Meter über das Terrain herausragen und wird mit einer natürlichen Umgebungsgestaltung überdeckt werden.»

Das Stück Ackerland, auf dem der Entlüftungsschacht errichtet wird, kann nach Beendigung der Bauarbeiten wieder vollständig genutzt werden.

Für Landschäden und Ertragsausfälle, die durch den Bau der Leitung verursacht werden, erhalten die insgesamt drei betroffenen Grundeigentümer und die Landpächter eine Entschädigung.

Kostenklarheit erst 2016/2017

Mit dem voraussichtlich rund 3,1 Mio. Franken teuren Teilprojekt will man für den Spitalneubau – Gesamtkosten von 340 Millionen Franken – ein kostengünstiges und umweltfreundliches Kühlungssystem ermöglichen.

Einsparungen bei den Energiekosten von jährlich rund 300 000 Franken sollen laut Pergola gegenüber konventionellen Kühlungsmethoden möglich sein.

Unklar sei derzeit noch, ob der Bau durch den Kanton selber oder mittels sogenanntem Contracting durch eine externe Firma erbaut und betrieben werden soll.

«Wir streben jedoch die Variante des Eigenbaus an», so Pergola. Je nach dem, für welche Alternative man sich entscheide, würden sich die Einsparungen reduzieren.

Denn durch eine externe Firma würden Gewinn und Risiko sowie die Verzinsung der Investitionen anders kalkuliert, als durch den Kanton. Im Verlauf des nächsten oder übernächsten Jahres werde man sich für eine der beiden Optionen entscheiden.

Die Regio Energie will ihre Investitionen ins Fernwärmenetz amortisieren (oben im Bau), der Kanton für die Kühlung im neuen Bürgerspital Aarewasser nutzen.

Die Regio Energie will ihre Investitionen ins Fernwärmenetz amortisieren (oben im Bau), der Kanton für die Kühlung im neuen Bürgerspital Aarewasser nutzen.

Gespräche mit Regio Energie

Ebenfalls Teil dieses Projektes ist die vorgesehene Nutzung der innerhalb des Spitals anfallenden Prozess- und Abwärme: «Wärme, die durch Maschinen und den Betrieb des Spitals entsteht, soll für Heizzwecke in Ergänzung zur Fernwärme genutzt werden», erklärt Pergola.

Von den 3,4 Mio. kWh, welche Neu- und Altbau an Wärmeenergie benötigen werden, sollen damit rund 2,5 Mio. kWh erbracht werden. «Zu dieser Nutzung sind wir gesetzlich verpflichtet», so Pergola. Die verbleibenden 800 000 bis 900 000 kWh würden mittels Fernwärme gedeckt.

Diesem System, das die Abwärme aus der Kehrichtverbrennungsanlage Zuchwil via Rohrleitungen nach Solothurn führt, käme somit eine untergeordnete Rolle zu.

Aus diesem Grund dürfte sich die Lieferantin dieser Fernwärme, die Solothurner Regio Energie, nun zum Schritt der Einsprache entschieden haben. Zwischen ihr und dem Kanton bestehe ein Abnahmevertrag für die Fernwärme, wie Bernardo Albisetti, Departementssekretär des kantonalen Bau- und Justizdepartements, bestätigt.

Details zu den Hintergründen der Einsprache wollte die Regio Energie bislang nicht bekannt geben: «Wir sind derzeit in Diskussion mit dem Kanton und können daher keine Auskunft geben», teilt Mediensprecherin Sandra Hungerbühler auf Anfrage mit.

Verzögerung bis zu einem Jahr

Im Winter könnte das Aarewasser theoretisch gar zum «Heizstoff» werden: Wärme, die der Aare mit einer Wärmepumpe entzogen wird, könnte für die Raumbeheizung und Warmwasseraufbereitung eingesetzt werden.

Was die Regio Energie beruhigen und erfreuen dürfte: Von dieser Möglichkeit soll laut Pergola zugunsten der Fernwärme abgesehen werden, weil sich der Einsatz der Wärmepumpe zu diesen Zwecken finanziell nicht lohne.

2020 soll das erste der beiden neuen Spitalgebäude bezugsbereit sein, 2023 das zweite. Die Anlagen zur Aarewassernutzung würden von 2017 bis 2018 erbaut werden.

Die Einsprache könne dieses Bauvorhaben aber nun um bis zu einem Jahr verzögern, schätzt Pergola.

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