Am Samstag und Sonntag findet die 27. Zentraltagung ehemaliger päpstlicher Schweizergardisten nach 1993 wieder in Solothurn statt. Erwartet werden über 300 Ex-Gardisten und Aktive. Verschiedene Veranstaltungen informieren die Bevölkerung unter dem Motto «Schweizergarde zum Anfassen» über die kleinste Armee der Welt. Der Garde-Kommandant, Oberst Christoph Graf, ist am Samstag von 13.30 bis 14.30 Uhr im Museum Altes Zeughaus vor Ort.

Papst Franziskus ernannte Graf vor zwei Jahren zum Kommandanten. Zuvor war er – ernannt noch von Papst Benedikt – Stellvertreter von Kommandant Daniel Anrig gewesen. Mit Graf wurde nach langer Zeit kein Externer, sondern ein langjähriges Gardemitglied auf den Schild gehoben. Der 56-jährige Oberst Christoph Graf bewegt sich im Sicherheitsalltag rund um den Papst im Spannungsfeld modernster Sicherheitstechnik und kulturhistorischem Erbe eines mehr als fünfhundertjährigen Söldnertums.

Sie sind seit langem der erste Kommandant der Schweizergarde, der aus den eigenen Reihen berufen wurde. Bringt dies nur Vorteile?

Christoph Graf: Da ich die Garde mit ihrem Ambiente und Abläufen bereits kannte, konnte ich sofort mit der Arbeit beginnen. Es gab weder eine Einführungszeit noch einen zeitintensiven Übergang. Unter den Offizieren sind jene, die als Hellebardiere eingetreten und seither geblieben sind, und solche, die nach einer kürzeren oder längeren Phase in der Schweiz als Offiziere wieder eingetreten sind. So stossen zwei ganz unterschiedliche Erfahrungen aufeinander. Ich halte dies für eine der Stärken der Garde.

Seit 1506 verdingen sich in der Schweiz rekrutierte Söldner den Päpsten als Palast- und Leibwache. Ist die Schweizergarde, ein halbes Jahrtausend nach ihrer Gründung, noch immer eine Eliteschutztruppe, oder mehr ein touristisches Fotosujet?

Der Auftrag der Garde bleibt derselbe, auch wenn sich das Umfeld und der Zeitgeist veränderten. Als Kommandant bin ich dafür verantwortlich, dass die Mitglieder der Schweizergarde physisch und psychisch in der Verfassung sind, ihre Aufgaben zu erfüllen. Dies bedingt ein angepasstes Training sowie diverse Aus- und Weiterbildungen um körperlich fit und sicherheitstechnisch auf dem neuesten Stand zu sein. Die Gardisten in Uniform sind zweifellos ein beliebtes Fotosujet. Obschon die Garde mit malerischen Kostümen, Schwertern und Hellebarden die Zugänge zur Vatikanstadt bewacht, ist sie eine gut ausgebildete und ausgerüstete Schutztruppe.

Politisch oder religiös motivierter Fanatismus, Gewalt und Terror, suchen Europa heim. Wie schätzen Sie die Bedrohung für den Vatikan und für den Heiligen Vater ein?

Durch die rasante technologische Entwicklung, zunehmende Globalisierung und einen schnellen gesellschaftlichen Wandel entstehen Gefahrenpotenziale, die eine stärkere Professionalisierung des Sicherheitsmanagements erfordern. Wir informieren uns laufend über Bedrohungen und passen unseren Dienst der aktuellen Lage an. Aus taktischen Gründen geben wir über Dispositive und Personaleinsatz keine Auskünfte.

Der Papst zählt weltweit zu den am meisten gefährdeten Personen?

Der Papst spricht Klartext, hält sich beim Anprangern von Ungerechtigkeit nicht zurück. Er exponiert sich auch physisch, sucht den Kontakt mit den Menschen. Da ist es geboten, stets aufmerksam und auf seine Sicherheit bedacht zu sein. Wir bemühen uns, die Ausbildungen laufend zu verbessern. Ein Beispiel von vielen ist die Restrukturierung der Rekrutenschule, die von einem auf zwei Monate erhöht wurde und in Zusammenarbeit mit der Tessiner Kantonspolizei durchgeführt wird. Dabei stehen Schusstraining, Personenschutz, Brandschutz, Erste Hilfe und rechtliche Fragen auf dem Programm. Wir sind in jeder Hinsicht optimal gerüstet und verfügen über die Mittel, unseren Auftrag erfüllen zu können.

Neben dem Personenschutz gehört das Bewachen der Vatikan-Zugänge und des Palastes zu den Aufgaben der Garde. Wie halten sich Gardisten für solche 12-Stunden-Schichten fit, wie motivieren Sie die Truppe?

Die Motivation junger Männer, die in die Schweizergarde eintreten, ist unterschiedlich. Die zentralen Anliegen vieler Gardisten sind aber die Treue gegenüber dem Nachfolger Petri und der Glaube. Selbstverständlich gibt es immer wieder schwierige Momente und ermüdende Dienste. Doch den Gardisten gelingt es immer wieder, sich auf ihre Entscheidung zum Dienst für den Heiligen Vater und für ihren Glauben zu besinnen und daraus Kraft zu schöpfen. Dort setze ich an und unterstütze die Gardisten dabei.

Was verbindet Sie mit der Vereinigung der Ex-Gardisten, wie weit profitieren die aktiven Gardisten von den Aktivitäten in der Heimat?

Der Eid, den man als Gardist an einem 6. Mai leistet, zählt für den Rest des Lebens. Wir sagen: «Einmal Gardist, immer Gardist» Das merkt man vor allem, wenn man sieht, wie sich viele Ex-Gardisten für die Garde und die Kirche einsetzen. Wie jene Ex-Gardisten, die in der Kantine unseres Quartiers in Rom helfen, oder in der Schweiz beim Suchen neuer Rekruten aktiv sind. Wir sind sehr dankbar für den bedeutenden Beitrag der Ex-Gardisten.