Blickpunkt Badi

Eingefleischte Schwimmer lassen sich auch von Kälte und Regen nicht abschrecken

Bei schlechtem Wetter sind die Badis im Kanton Solothurn praktisch leer. Einige hartgesottene Schwimmer trainieren jedoch auch bei kühlem und regnerischem Wetter im Freibad. Zu verdanken ist dies vor allem den beheizten Becken.

«Wir haben den absoluten Tiefpunkt erreicht.» Walter Marti fröstelt es bei den aktuellen 12 Grad. Es könne nur noch besser werden, meint der Badmeister.

Die Solothurner Badi macht einen trostlosen Eindruck. Niemand sonnt sich auf der grossen Liegewiese, die Terrasse des Restaurants und auch die Becken sind menschenleer. Einige Hartgesottene gebe es dennoch, die sich ins Nass wagen würden, so Marti. «Vier bis fünf Pensionäre stehen jeden Morgen pünktlich um 8 Uhr bereit.»

Chefkassiererin Beatrice Känzig ist Herrin der Zahlen. Ein Blick ins Vorjahresbuch zeigt: Genau vor einem Jahr sind 2200 Eintritte gezählt worden. «Da muss es wohl schön gewesen sein», schmunzelt sie. Doch jetzt ist es kalt und regnerisch. Am Donnerstagmorgen hat Känzig gerade einmal 15 Eintritte gezählt.

Kurz nach 13.30 Uhr dann die Überraschung: Ein Familienvater schaut mit seinen drei Kindern vorbei. Sie seien aus Schweden und seit Mittwoch in Solothurn in den Ferien, erklärt Jonas Bengtson. «Wir wollten uns die Badi anschauen.» Er und seine Kinder Theodor (16), Baltsar (14) und Klara (9) hüpfen ins Nass und probieren auch den Sprungturm aus. Doch lange halten sie es in der Kälte nicht aus: Nach einer knappen halben Stunde lockt die heisse Dusche. Und schon ist die Badi wieder leer.

Auch mit Neoprenanzug

So wie in Solothurn bleiben in den Badis im ganzen Kanton die Gäste aus. Einige eingefleischte Schwimmer finden aber immer den Weg ins Freibad. Besonders hartnäckig sind dabei einige Gäste des Freibads des Sportzentrums Zuchwil. «Wir haben Badegäste, die wirklich jeden Morgen im Freibad trainieren, egal was für Wetter gerade ist», meint Urs Jäggi, Direktor des Sportzentrums. «Teilweise gehen sie sogar im Neoprenanzug trainieren». Parallel zum Freibad ist in Zuchwil auch das Hallenbad geöffnet. «Einige eingefleischte Schwimmer sagen sich wohl: ‹Solange das Freibad geöffnet ist, wird auch draussen geschwommen›», so Jäggi. Bei angenehmen 22 Grad sei das Wasser momentan im Vergleich zur Luft noch relativ warm. Dies sei sicher auch ein Grund, dass manche Badegäste auch bei schlechtem Wetter draussen schwimmen.

Dank den beheizten Becken kann sich auch Roland Wälchli, Chefbademeister des Schwimmbads Eichholz in Gerlafingen über einige hartgesottene Schwimmgäste freuen. «Am Morgen sind immer mindestens 20 Personen da, welche im Wasser ihre Bahnen ziehen», meint der Chefbademeister. «Ausserdem laufen im Moment noch viele Schwimmkurse für Kinder. Diese sind bei jedem Wetter gut besucht.»

Ebenso viele beharrliche Schwimmer finden sich im Balsthaler Schwimmbad Moos. «Das haben wir wohl vor allem auch den beheizten Becken zu verdanken», meint Bademeister Arne von Burg. «Viel los ist hier bei schlechtem Wetter aber nie und von Nachmittag bis am Abend ist die Badi so gut wie leer.»

Warten auf den Sommer

Die hartgesottenen Schwimmer sind bei weitem nicht genug, um den Freibädern eine erfolgreiche Saison zu bescheren. So hoffen die Badibetreiber, dass das Wetter bald umschlägt und sich der Sommer wieder zurückmeldet.

«Bisher ist es diese Saison besser gelaufen als letztes Jahr», meint Roland Wälchli. «Wir konnten stark vom schönen Wetter im Juni und dem sommerlichen Pfingstwochenende profitieren.» Damit die Saison auch weiterhin gut läuft, müsse sich der Sommer jedoch unbedingt bald zurückmelden.

Auch Paul Markus Joss hofft auf einen baldigen Wetterumschwung. «Damit es auch 2014 eine wirklich gute Badesaison gibt, braucht es noch einmal eine weitere Hitzewelle von mindestens zwei bis drei Wochen», so der Grenchner Chefbademeister. Andernfalls würde die Saison wohl trotz eines sommerlichen Juni buchstäblich ins Wasser fallen. Das perfekte Badi-Wetter definiert er als «mindestens 27 Grad warm, trocken und windstill». Der Wunsch nach 27 Grad dürfte sich laut aktuellem Wetterbericht schon Mitte nächste Woche erfüllen.

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