Oft bleiben Einbrüche ungeklärt, jetzt wurden drei aufgedeckt. Das Amtsgericht Solothurn-Lebern hat am Dienstag einen bald 68-jährigen Montenegriner zu einer dreijährigen unbedingten Gefängnisstrafe verurteilt. Er war letzten Winter und Frühling in zwei Einfamilienhäuser in Langendorf und Zuchwil eingebrochen, entwendete Bargeld und Schmuck. Bei einem dritten Einbruch in Münsingen ertappte ihn der Bewohner in flagranti.

Allein an Bargeld hatte er insgesamt über 33'000 Franken erbeutet. Staatsanwältin Petra Grogg betitelte ihn als «Kriminaltouristen». Schon früher war er wegen Einbrüchen und Diebstählen verurteilt und des Landes verwiesen worden. Einreiseverbote missachtete er. Vier Mal sei er schon ausgeschafft worden. «Er handelte nicht als Gelegenheitsdieb», so Grogg, «er zog vorgängig Erkundigungen ein, eruierte den Absatzmarkt, er ist Profi-Einbrecher.» Sie forderte 35 Monate unbedingt. «Er lässt sich durch Gesetz und Sanktionen nicht beeindrucken und zeigt eine erschreckende Renitenz.»

Einbruch, nur um zu schlafen?

Der Montenegriner wurde verteidigt durch Stephanie Selig, war selbst jedoch dispensiert, weil er an Lungenkrebs leidet, mit Ablegern im Gehirn. Das wurde letzten November vom Inselspital diagnostiziert. Er weilt nach abgebrochenem vorzeitigem Massnahmenvollzug in Italien, wo auch seine Frau lebt. Nach jetzigem medizinischen Stand habe er nicht mehr lange zu leben, sagte Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten.

Der Täter bestritt, dass er etwas stahl oder stehlen wollte. Gab an, Solothurn gar nicht zu kennen. Erst wegen DNA-Spuren am Tatort räumte er ein, dort gewesen zu sein. Jedoch mit einer «abstrusen Masche», wie von Felten es nennt: Er gab vor, an Panikattacken zu leiden und deswegen in die Liegenschaften eingedrungen zu sein, um zu schlafen.

Selig meinte: «Dies muss nach den medizinischen Erkenntnissen zumindest in Erwägung gezogen werden.» Sie gab zu bedenken: «Es wurde kein einziges Stück Diebesgut gefunden.» Den Vorwurf, dass noch ein Komplize im Spiel war, wies sie zurück.

Beim Vorfall in Münsingen habe man den überraschten Bewohner gar nicht befragt, bloss eine Aktennotiz sei vorhanden, in welcher er zwei Personen gesehen habe. Grogg konterte: «Das ist, nun erst an der Verhandlung geäussert, verspätet vorgebracht. Weder Staatsanwaltschaft noch Gericht haben eine Befragung beantragt.»

Bei den Panikattacken bemerkte sie, dass der Beschuldigte sie schon 2012 bei Diebstählen als Einbruchsgrund nannte. «Falls er eine ernsthafte psychische Krankheit hätte, hätte man das überprüfen lassen.» Selig erwähnte sein Erleben im bürgerkriegsgeschüttelten Ex-Jugoslawien. Grogg hierzu: «Es gibt viele andere mit solchen Erfahrungen, nicht alle werden Kriminaltouristen.»

Er habe genug Rente gehabt

Das Gericht mit Amtsgerichtspräsident Rolf von Felten und den Amtsrichtern Christoph Mathys und Rosmarie Châtelain hegte keinen Zweifel an der Schuld des Montenegriners. Dass er sich ausgerechnet in Liegenschaften schlafen legte, in denen eingebrochen wurde, «das wären zu viel der Zufälle». Das Gericht gehe von einem Mittäter aus. Die Gewerbsmässigkeit sieht es als gegeben. Schon zwei Diebstähle innert kurzer Zeit reichten für dieses Verdikt. «In fünf bis sechs Jahren hat er jährlich einen Diebstahl begangen. Diese drei geschahen in einem Monat.» Die Beute sei hoch angesichts seines sonstigen Einkommens von 1000 Franken Rente.

«Er war nicht gezwungen zu stehlen, mit der Rente könnte er in seiner Heimat seinen Unterhalt bestreiten.» Besonders ins Gewicht fiel die Unverfrorenheit des Verurteilten: «Nach Bundesgericht ist es besonders verwerflich, wenn jemand aus dem Ausland nur einreist, um zu stehlen.» Selig und auch Grogg kommentierten, die Rechtsprechung sei in solchen Fällen strenger geworden. Ins Gefängnis muss der Mann wohl nicht mehr. Weil er so schwer krank ist, gilt er als nicht «hafterstehungsfähig».