Steuertelefon
Einfach bis knifflig: Experten geben Antwort auf Fragen zur Steuererklärung

Die Solothurner Haushalte haben dicke Post erhalten. Das Steueramt des Kantons Solothurn hat rund 176000 Steuererklärungen an natürliche und juristische Personen verschickt. Nicht für wenige ist das korrekte Ausfüllen mit vielen offenen Fragen verknüpft. Wir liefern die Antworten.

Franz Schaible
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Daniel Siegenthaler (l.) und Donatus Hürzeler geben am Steuertelefon dieser Zeitungwährend fast zwei Stunden Auskunft.

Daniel Siegenthaler (l.) und Donatus Hürzeler geben am Steuertelefon dieser Zeitungwährend fast zwei Stunden Auskunft.

Hanspeter Bärtschi

Das Steuertelefon lief heiss. Erneut haben viele Leserinnen und Leser bei der Gratis-Steuer-Hotline dieser Zeitung angerufen. Die Steuerexperten Donatus Hürzeler (BDO AG, Bern/Solothurn) und Daniel Siegenthaler (Fistra AG, Grenchen) haben die Leserfragen beantwortet. Nachfolgend eine Auswahl interessanter Fragestellungen und die Antworten der Experten darauf. Zur Erinnerung: Bei den meisten Antworten handelt es sich um generelle Aussagen. Bei komplexeren Fragen sollte in jedem Fall mit den zuständigen Steuerbehörden Kontakt aufgenommen werden.

Meine Frau und ich haben eine Eigentumswohnung gekauft, im Grundbuch eingetragen am 5. Juli 2016. Die Wohnung ist noch im Bau, Bezug ist in diesem Sommer geplant. Gleichzeitig haben wir unser Einfamilienhaus im Herbst 2016 verkauft, Nutzen/Schaden gehen erst im Mai an den Käufer über. Wir wohnen noch im Haus. Welche Kataster- und Eigenmietwerte müssen wir versteuern?

Die gekaufte Wohnung hat Ende 2016 einen gewissen Wert, obwohl noch im Bau. Die Wohnung müssen Sie zum entsprechenden Katasterwert deklarieren. Aber da Sie die Wohnung noch nicht benutzen, müssen Sie keinen Eigenmietwert aufrechnen. Das verkaufte Einfamilienhaus war Ende 2016 nicht mehr in Ihrem Vermögen. Das Haus müssen Sie mit dem Katasterwert nicht mehr deklarieren. Sie müssen aber, weil im Haus wohnhaft, den Eigenmietwert für das ganze Jahr als Einkommenskomponente aufführen. Da Sie den Kaufpreis auch schon erhalten haben, ist Ihr Bankkonto entsprechend höher, und dieses Konto wird im Wertschriftenverzeichnis aufgeführt. Falls der Kaufpreis noch nicht bezahlt ist, müssen Sie im Wertschriftenverzeichnis die Kaufpreisforderung aufführen.

Die Experten

Für die Beantwortung der zahlreichen Leserfragen stand unser bewährtes Expertenteam zur Verfügung.

- Fürsprecher Donatus Hürzeler ist Partner und Leiter Steuern und Recht Mittelland bei der BDO AG Bern/Solothurn.

- Daniel Siegenthaler ist dipl. Experte in Rechnungslegung und Controlling und Partner bei der Fistra AG in Grenchen.

Ich besitze ein Dreifamilienhaus und bewohne selbst zwei Wohnungen. Die dritte ist leer. Seit 25 Jahren konnte ich jeweils einen Drittel vom Eigenmietwert für das ganze Haus abziehen. Jetzt heisst es plötzlich, dass ich eine Bescheinigung vorlegen müsse, wonach ich mich bemüht habe, die dritte Wohnung zu vermieten. Ansonsten müsse ich den gesamten Eingenmietwert als Einkommensbestandteil versteuern. Warum dieser Wechsel?

Wenn Sie die Wohnung nicht vermieten, geht die Steuerbehörde davon aus, dass diese zu Ihrer vollen Verfügung steht. Es zeigt sich in der Praxis, dass solche Fälle von den Steuerbehörden genauer angeschaut werden. Wenn Sie die Vermietungsbemühungen nicht nachweisen können, müssen Sie den gesamten Eigenmietwert versteuern. Und ein Unternutzungsabzug ist nur bei der Bundessteuer möglich, aber dann muss die Wohnung vollständig leer sein.

Für die regelmässige Pflege unseres Gartens wie Bäume und Sträucher zurückschneiden, haben wir Kosten. Können wir diese in der Steuererklärung abziehen?

Die Kosten für die normale Pflege des Gartens und Umgebung, dazu gehören auch die Rasenpflege oder Auslagen für den Rasenmäher, werden nicht mehr zum Abzug zugelassen. Zulässig sind nur Ausgaben für die Pflege von Pflanzen, die das Jahr überdauern. Somit sollten werterhaltende Arbeiten wie zum Beispiel der komplette Ersatz des Rasens durch eine Neuanpflanzung abzugsfähig sein. Wie es scheint, hat die Steuerverwaltung nun jedoch ihre diesbezügliche Praxis verschärft und lässt solche Arbeiten, wie auch den Baumschnitt, nicht mehr zum Abzug zu. Wer das nicht akzeptiert, muss die Frage der Zulässigkeit dieses Abzuges im Rahmen eines Rechtsmittelverfahrens klären.

Ich habe 2016 eine Selbstanzeige wegen bislang nicht deklariertem Vermögen gemacht. Ich habe vor dreissig Jahren von meinem Vater einen Sechstel eines Haus geerbt, das Erbe aber eben nie angegeben. Wie muss ich das jetzt in der Steuererklärung behandeln?

Jetzt müssen Sie und auch die übrigen fünf Erben den Wert des Sechstels des Hauses – Basis ist der entsprechende Katasterwert – in der jetzigen Steuererklärung deklarieren. Hinzu kommen anteilsmässig die Mieteinnahmen; ebenfalls anteilsmässig können Sie die Unterhaltskosten abziehen. Falls das Haus nicht vermietet ist und Sie und die Miterben das Haus selbst nutzen, kommt anstelle der Mieteinnahmen der anteilige Eigenmietwert hinzu. Die Vergangenheit haben Sie ja bereits mit der straflosen Selbstanzeige bereinigt.

Ich besitze ein 6,5-Zimmer-Einfamilienhaus, benutze aber als alleinstehende Person nur drei Zimmer für mich. Was heisst das für den Eigenmietwert?

Bei der Staatssteuer müssen Sie den vollen Eigenmietwert versteuern, weil dort ein Abzug für die Unternutzung nicht möglich ist. Bei der Bundessteuer kann der Eigenmietwert im Verhältnis zu allen Räumen um unbenutzte leere und abgeschlossene Räume reduziert werden. In der Wegleitung sind Berechnungsvorgaben angegeben.

Ich habe mein Einfamilienhaus auf Anfang Oktober 2016 verkauft. Muss ich nun den Eigenmietwert für das ganze Jahr versteuern?

Sie müssen den Eigenmietwert für die Dauer der eigenen Nutzung bezahlen. Falls Sie ab Oktober in einer anderen Liegenschaft zur Miete oder im Eigentum wohnen, müssen Sie also den Eigenmietwert anteilmässig für neun Monate versteuern. Wenn Sie das Haus aber weiterhin für eigene Zwecke benutzen, ist der Eigenmietwert für das ganze Jahr zu berechnen.

In den vergangen zwei Jahren habe ich meine Liegenschaft umfassend renoviert. Die entsprechenden Rechnungen habe ich der Steuererklärung beigelegt. Eine davon war leider mit Rechnungsdatum Januar statt Dezember falsch datiert und die Steuerbehörde lässt den Abzug deshalb nicht zu. Ist das Rechnungsdatum massgebend oder der Zeitpunkt der Ausführung?

Massgebend für die Abzugsfähigkeit ist das Datum der Rechnungsstellung, auch wenn die Arbeiten im Vorjahr ausgeführt wurden. Das ist auch so in der Wegleitung festgehalten und ist langjährige Praxis. Das gilt für den Kanton Solothurn und auch für den Kanton Bern. Die Regelung ist nicht in allen Kantonen einheitlich. In einigen Kantonen ist der Zeitpunkt der Ausführung massgebend. Deshalb ist es sinnvoll, frühzeitig mit den Handwerkern abzumachen, auf wann die Rechnungen datiert sein sollen.

Meine Mutter ist Witwe und Rentnerin. Ihr steuerbares Einkommen entspricht der AHV-Rente von rund 28 000 Franken. Sie wohnt im eigenen Einfamilienhaus und benötigt nur drei der fünf Zimmer. Der aufgerechnete Eigenmietwert von 10 700 Franken bei der Staatssteuer und 13 300 Franken bei der Bundessteuer ist sehr hoch. Gibt es da eine Möglichkeit, den Eigenmietwert zu senken?

Möglich ist eine Reduktion nur auf Ebene Bundessteuer. Nur dort kann ein Unternutzungsabzug geltend gemacht werden, wenn nachweislich nicht alle Zimmer benötigt werden. Das heisst, diese Räume müssen komplett leer sein, auch Möbel zur Lagerung sind nicht erlaubt. Sobald die «leeren» Zimmer aber als Gäste- oder Spielzimmer für die Kinder genutzt werden, ist ein Unternutzungsabzug nicht erlaubt. Es gibt Diskussionen, eine Härtefall-Klausel einzuführen; beispielsweise wenn der Eigenmietwert in einem offensichtlichen Missverhältnis zu den Einkommens- und Vermögensverhältnissen steht. Es gibt dazu aber noch keine gesetzlichen Grundlagen.

Ich wohne in einem Eigenheim im Kanton Solothurn. Kann ich die Gebühren für Wasser und Kehricht bei den Steuern in Abzug bringen?

Nein. Der Kanton Solothurn kennt – im Gegensatz zu anderen Kantonen – den Abzug von Grundgebühren nicht.

Wir wohnen in einer Überbauung mit Eigentumswohnungen. Nun bezahlen wir regelmässig einen bestimmten Betrag in den Erneuerungsfonds der Eigentümergenossenschaft ein. Wie muss ich das beim Vermögen deklarieren?

Sie müssen Ihren einbezahlten Anteil in den Erneuerungsfonds deklarieren. Es ist ein Vermögenssteuerwert, den Sie anteilmässig angeben müssen. In der Regel erhalten Sie durch die Stockwerkeigentümer-Verwaltung jährlich eine Abrechnung, welche die entsprechenden Beträge ausweist.

Ich bin AHV-Rentner. Bei den Sozialabzügen für das Vermögen ist unter Ziffer 34.4 ein Abzug möglich, wenn das Reineinkommen von 32 000 Franken nicht erreicht wird. Wie viel kann ich abziehen?

Das hängt davon ab, wie hoch Ihr Reinvermögen gemäss Ziffer 33 ist. Wenn dieses Vermögen nicht über 200 000 Franken ist, können sie den doppelten Sozialabzug geltend machen.

Wir haben eine Erbengemeinschaft aufgelöst. Sie besass ein Grundstück in der Landwirtschaftszone, welches wir an einen Dritten verkauft haben. Was muss ich da deklarieren?

Die Erbengemeinschaft hat den entsprechenden Erlös erhalten und unter den Mitgliedern der Erbengemeinschaft aufgeteilt. Ihren Anteil müssen Sie deklarieren unter der Ziffer 5.3 der Steuererklärung.

Ich bin Besitzer eines Doppeleinfamilienhauses. Einen Teil bewohne ich selbst, den zweiten Teil habe ich vermietet. Wie muss ich da die Liegenschaftskosten angeben?

Sie müssen pro Liegenschaft ein Formular «Liegenschaften» ausfüllen. Für das selbstbewohnte Haus müssen sie den Katasterwert und Eigenmietwert angeben, abzüglich die Unterhaltskosten, entweder pauschal oder effektiv. Für das vermietete Haus müssen Sie den Katasterwert und die Mietzinseinnahmen deklarieren, abzüglich wiederum die Liegenschaftskosten.

Ich bin in die Wohnung meiner Partnerin gezogen. Dafür unterstütze ich sie mit einem gewissen Beitrag im Sinne eines «Kostgeldes». Muss sie das versteuern?

Das hängt davon ab, welchen Betrag und für was Sie die Zahlung leisten. Wenn es sich um einen Beitrag für den gemeinsamen Haushalt handelt, also um Auslagen zur Deckung der gemeinsamen Lebenhaltungskosten, nein. Falls es sich aber um grössere Beträge mit Schenkungscharakter handelt, muss das deklariert werden.

Meine Tochter ist vor vier Jahren arbeitslos geworden. Die Arbeitslosenunterstützung ist nach zwei Jahren ausgelaufen, sie ist also ausgesteuert. Seit zwei Jahren unterstütze ich sie finanziell mit einem monatlichen Beitrag von 2500 Franken. Kann ich diese Leistung abziehen?

Sie können dafür den Unterstützungsbeitrag geltend machen; dieser ist allerdings beschränkt auf 2000 Franken pro Jahr bei der Staatssteuer und 6500 Franken bei der Bundessteuer. Ihre Tochter muss den Unterstützungsbeitrag nicht versteuern, weil die Leistung von Ihnen als Elternteil stammt. Ihr Unterstützungsbeitrag hat den Charakter einer Schenkung oder eines Vorbezuges der Erbschaft und ist somit nicht steuerpflichtig.

Wir haben in unserem Haus ein neues Badzimmer eingebaut. Nun haben wir von der Gemeinde eine Rechnung für Bau- und Anschlussgebühren erhalten. Kann ich das abziehen?

Nein. Das wird als Bestandteil des Ausbaus qualifiziert und den wertvermehrenden Kosten zugeschlagen. Es handelt sich also nicht um abzugsfähige Liegenschaftsunterhaltskosten.

Ich habe von meiner Krankenkasse die Zusammenfassung meiner Kosten erhalten. Darin ist mein Anteil, den ich selbst bezahlt habe, separat aufgeführt. Kann ich diesen Betrag abziehen?

Auf dem Formular der Krankenkasse ist normalerweise der Betrag ausgewiesen, den Sie steuerlich geltend machen können. Dieser muss aber einen gewissen Schwellenwert überschreiten, damit er abgezogen werden kann. Die Grenze liegt bei fünf Prozent des Reineinkommens laut Ziffer 20 in der Steuererklärung. Wenn der von der Krankenkasse ausgeschiedene Betrag tiefer ist, kann dieser nicht abgezogen werden.

Kann ich die Prämien für die Krankenkasse in Abzug bringen?

Ja, aber nur begrenzt. Für den Abzug von Versicherungsprämien und Zinsen von Sparkapitalien gelten Maximalbeträge, die auf dem Formular Versicherungsprämien ersichtlich sind.

Für unsere Heizung, unsere Waschmaschine und Tumbler haben wir langjährige Service-Verträge abgeschlossen. Kann ich die Kosten dafür abziehen?

Ja. Die Kosten für Service- und Unterhaltsabonnements für feste Einrichtungen wie eben Tumbler, Waschmaschine oder die Heizung können Sie bei den Liegenschaftsunterhaltskosten geltend machen. Der Abzug der effektiven Unterhaltskosten ist aber nur dann sinnvoll, wenn diese höher sind als der Pauschalabzug.

Ich arbeite nebenbei als Beistand. Muss ich die Entschädigung dafür versteuern?

Das ist gleichzusetzen mit einem Nebenerwerb. Die Einkünfte müssen unter der entsprechenden Rubrik als Einkommen aus nebenberuflicher Tätigkeit angegeben werden.

Mein Mann will sich frühpensionieren lassen. Wir haben zusammen drei Vorsorgekonten Säule 3a. Wie können wir diese auflösen, um steuermässig möglichst «günstig» davon-zukommen?

Grundsätzlich ist es zu empfehlen, die drei Guthaben gestaffelt zu beziehen, um die Steuerprogression zu brechen. Es ist auch zu vermeiden, dass Pensionskassen-Guthaben und Vorsorgegelder im selben Jahr bezogen werden. Denn alle Leistungen, die im selben Jahr zur Auszahlung kommen, werden addiert und gesamthaft besteuert. Der Steuersatz ist so höher als bei kleineren Beträgen verteilt auf mehrere Jahre.