Ungewöhnlicher Beruf

Einer der letzten Glasbläser der Schweiz: «Glas ist ein unberechenbares Material»

Roger Steiner lebt in Büren an der Aare. Der ausgebildete Landwirt berichtet über seine ungewöhnliche Arbeit als Glasbläser.

Einer der letzten Glasbläser der Schweiz ist Roger Steiner aus Büren an der Aare. Seit 2015 ist er der neue Geschäftsführer von Hagen Glas: Eine kleine, aber feine Geschenkboutique, die auch Kaffee und Tee anbietet und im Nebenzimmer den Gästen einen Einblick in die Glasblaskunst gewährt.

Wir besuchen Hagen Glas, trinken einen Kaffee mit dem neuen Geschäftsleiter. Locker und entspannt plaudert Roger Steiner darüber, wie er sich für seine glasige Leidenschaft entflammen konnte, und er erzählt von seiner täglichen Arbeit.

Glasige Verführung

Vor gut fünf Jahren war Roger Steiner unzufrieden. Die damalige Arbeit in der Lebensmittelindustrie begeisterte den ausgebildeten Landwirt kaum. «Ich wollte etwas Handwerkliches machen», sagt er. Stets habe er gerne mit verschiedenen Materialien gearbeitet und sich handwerklich betätigt. Nach einem Gespräch mit Freunden entschloss er sich zum Wandel. «Ich erkundigte mich über alle möglichen alten Handwerksberufe, auf der Suche nach einer speziellen Tätigkeit, die nicht von vielen ausgeübt wird – etwas Altes und Traditionelles sollte es sein», erzählt Steiner.

Dieter Hagen, Gründer von Hagen Glas, suchte schon lange nach einem Nachfolger für sein Geschäft, das er seit 1993 führte. Hagen konnte aber niemanden finden, der sich interessierte und eignete. Steiner, ursprünglich aus Büren, kannte Dieter Hagen und wusste, dass dieser einen Nachfolger suchte. Er begann sich fürs Glasblasen zu interessieren und entschloss sich kurzerhand, einen Probetag beim Meister zu bestreiten.

Roger Steiner produziert eine Grappa-Pfeife

Roger Steiner produziert eine Grappa-Pfeife

Hier sehen Sie wie Roger Steiner in seinem Atelier in Büren an der Aare eine  Grappa-Pfeife aus Glas herstellt.

So versuchte sich Steiner vor vier Jahren das erste Mal im Glasblasen. Schnell war klar, dass er ein gutes Händchen dafür hatte. «Ich habe eine ‹Spitze› gezogen und Hagen meinte, sie sei gerader als seine», erinnert sich Steiner zurück. Dieter Hagen und Roger Steiner beschlossen, zusammenzuarbeiten. Vieles musste Steiner lernen. Lachend berichtet er: «In der Anfangsphase war Gelingen oder Misslingen teilweise einfach Zufall.»

«Es bereitet Freude»

Die Übernahme des Geschäfts sei ein wichtiger Schritt für ihn gewesen, so Steiner. Die Arbeiten eines Geschäftsleiters seien komplex, vielfältig und herausfordernd, aber «es war eine richtige Entscheidung». Das Geschäft läuft nicht schlecht, die Kundschaft überlaufe ihn jedoch nicht. Im kleinen Nebenzimmer befindet sich die Glasblaswerkstatt. Das Erste, was auffällt: Trotz offenen Fenstern ist es sehr heiss.

Die Glaskunstwerke aus Büren entstehen aus Glasrohren, die jeweils eine Dicke von sechs Millimetern bis sechs Zentimetern haben. Diese werden mittels einer heissen Flamme erhitzt. Dann werden zuerst sogenannte «Spitzen» gezogen, die Grundlage für Weiterverarbeitungen. Sie werden so gezogen, dass sie in der Mitte dicker und an den Enden dünner sind. Erst wenn die Spitzen wieder kalt sind, können sie weiterverarbeitet werden, indem die gewünschten Objekte geblasen werden.

Farbige Akzente werden durch Glasstäbchen gesetzt, die erhitzt und auf die geformten Objekte angesetzt werden. Der Glasbläser arbeitet frei von Hand, ohne jegliche Formen oder Schablonen. Nach inzwischen vier Jahren bereitet Roger Steiner das Glasblasen noch immer sichtlich Freude. Auf die Frage, was ihn an diesem Beruf am meisten fasziniere, sagt er: «Glas ist ein unberechenbares Material.»

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