Operette

Eine Zwischenbilanz der Operette «Grüezi» nach sechs Aufführungen der Bühne Burgäschi

Die Brüder (v. l.) Francesco (Fabio De Giacomi), Franz (Michael Hasenfratz) und François (Tobias König) freuen sich nach dem Militärdienst aufs Heimkehren.

Alle zwei Jahre bietet die seit zehn Jahren bestehende Bühne Burgäschi ihrem Publikum die Aufführung einer grossen Operette.

Der langjährig beteiligte Sänger Roger Bucher, der in der diesjährigen Produktion «Grüezi» von Robert Stolz die Hauptfigur Karl Hell verkörpert, sagt spontan: «Diese Operette ist eine der schönsten, die wir je gemacht haben, wegen der Ideenvielfalt und wegen der Musik.»

Wie die Verantwortlichen der Burgäschi-Bühne macht aber auch er sich Gedanken, warum der Vorverkauf dieses Mal etwas zögerlich verlief und verläuft. «Das Publikum beginnt sich zu verändern», glaubt er. Auch Operetten-Liebhaber wollen sich nicht mehr langfristig verplanen, sondern lieber gemäss Wetterprognosen kurzfristig buchen.» Ähnlich analysiert auch der musikalische Leiter Reimar Walthert den eher schleppenden Vorverkauf der Tickets. «Wir begrüssen ein Publikum, das aus der deutlich erweiterten Region stammt, und wir vermissen etwas unsere jahrelang treuen lokalen Besucherinnen und Besucher.»

Etwas Neues gewagt

Zudem gebe es, wie eine Studie aus St. Gallen zeigt, viele Freunde dieser Musikgattung, die am liebsten nur die bekannten Operettentitel sehen und hören wollen. «Und wir haben etwas Neues gewagt.» Das aus dem Dornröschenschlaf erweckte «Grüezi» mit seinem humorvoll-parodistischen Inhalt und der wirklich hinreissenden Stolz-Musik sei eben noch nicht so geläufig. «Dabei sind die Rückmeldungen aus dem Publikum über die Komposition, zum Orchester, zu allen Mitwirkenden und zur Inszenierung mit ihren vielen darin umgesetzten pfiffigen Einfällen doch sehr erfreulich», so Walthert. «An den Regenwetteraufführungen, bei denen die Zuschauer sogar bei Gewittersturm geschützt auf der trockenen Tribüne sitzen, werden wir mit Standing Ovations belohnt», ergänzt Regisseurin Melanie Gehrig-Walthert. Die Zuschauer müsse kein schlechtes Gewissen plagen, wenn die Schau trotz Regen weiterläuft, sagt sie. «Unsere gesamte Aufführung ist regensicher durchdacht, und jeder Mitspielende verfügt über ein ausgeklügeltes Kostüm gegen Dauernässe.»

Der soziale Kitt

Die Stimmung vor, während und nach den Operettenaufführungen beurteilt sie als ausgezeichnet. Denn wie in früheren Jahren hat das diesmalige Festgelände der Burgäschi-Operette mit Gastronomie-Zelten und dem Bühnen- und Publikumsbereich nichts an Attraktivität eingebüsst. «Es ist und bleibt der frühsommerliche Erlebnispunkt im Wasseramt», hält auch Hugo Borner fest, der als einer der vielen freiwilligen Helfer Aufbau und Organisation dieses Grossevents erst ermöglicht. «Wir stellen hier auf dem Land wirklich etwas auf die Beine. Ich bin glücklich, dass wir dies trotz erheblichen Anstrengungen und Belastungen geschafft haben.» Das sei nur möglich mit sozialem Kitt. Und Burgäschi vermittle Publikum und Team ebendiese Zusammengehörigkeit.

Nach der Premiere haben sich die Kartenverkäufe täglich «erholt», ist zu hören. Ein Musikkritiker aus Bayern lobte in seiner Sendung «Operetten-Boulevard» neben der Orchesterleistung «die vielen goldigen Einfälle» und riet seiner Hörerschaft zum unbedingten Besuch. «Das machen wir auch mit Mund- zu Mundpropaganda», bekräftigt Sängerin Melanie Braun, die in «Grüezi» Marietta, eine Dame aus Milano, darstellt. Auch sie gehört schon einige Jahre zum Ensemble und ist begeistert vom tollen Bühnenbild, den unterschiedlichen Musikstilen dieses Stücks und vom familiären Zusammenhalt des Teams. Etwas «Bauchweh» verursacht ihr und Bucher das Plakat, das für «Grüezi» wirbt. Es zeige im Geschmack der dreissiger Jahre zu viel naive «Heidi-Welt» und nicht den vergnüglichen ironisch-doppelbödigen Charakter des Stücks, meinen beide.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1