Literatur

«Eine unerschöpfliche Quelle»: Dieses Museum beherbergt Schätze für Buchfanatiker – und Modeliebhaber

Peter Probst blättert in einem Band der «Gartenlaube».

Das Kabinett für sentimentale Trivialliteratur ist ein wahrer Fundus für Liebhaber der älteren Literatur. Über 3500 Werke aus den Jahren 1850 bis 1930 warten hier darauf, entdeckt zu werden.

«Die Sammlung ist keineswegs dilettantisch, sondern sehr komplett und «perfekt»», sagt Peter Probst, Präsident des Kabinetts für sentimentale Trivialliteratur nach der Führung durch das Gebäude. Im Altbau am Klosterplatz in Solothurn sind nämlich über 3500 Bücher ausgestellt, die über Jahre hinweg sorgfältig gesammelt und sortiert worden sind. Literatur aus den Jahren zwischen 1850 und 1930 findet man im Kabinett, darunter auch die berühmte «Gartenlaube», die Familienzeitschrift, die zwischen 1853 und 1944 Mittelschichtsbürger mit Lesestoff versorgte und als wichtige Quelle für Trivialliteratur gilt. «Die «Gartenlaube» ist eine unerschöpfliche Quelle», berichtet Probst und zeigt auf die dicken Bände. Die Originialversionen wurden dazumal noch in Zeitschriften abgedruckt statt Büchern, da das gebundene Buch für Normalbürger noch unbezahlbar war. «Alle grossen deutschen Autoren haben einmal in ihr geschrieben.» Aus diesem Grund ist die «Gartenlaube» auch sein Lieblingsstück im Museum. Diese «Trivialliteratur» habe den Frauen geholfen, sie im Leben weiter gebracht, darum war und sei sie so wichtig.

Schon als Kind habe er gerne gelesen; Goethe habe ihn ein Leben lang begleitet und auch Krimis liebe er sehr, erzählt Probst. «Ich bin ein fanatischer Leser und auch Autor. Ich denke, die Affinität zum Ganzen braucht es schon, um das Museum gut führen zu können.» Die Liebe zu den Büchern hat ihn zuerst in die Zentralbibliothek geführt, wo er Co-Direktor war. Jetzt ist er Stiftungsratpräsident des Kabinetts und «schaut, dass die Stiftung überlebt» und ist als Fachperson für die Sammlung zuständig.

Die Besucherzahlen sind mässig

Das Kabinett sei zweifellos ein Nischenprodukt, das vor allem ein kleines, treues Publikum anlocke. «Normale» Leute wären mit dem Museum oft überfordert, weil man eigentlich fast nur Buchrücken sieht. Trotzdem probiere man, das Kabinett finanziell über die Runden zu bringen. Probsts Geheimtipp ist der Vortragsraum im Dachstock, wo Veranstaltungen wie der «Salon am Sonntag» oder «Literatur am Klosterplatz 7» stattfinden. Mit den Lesungen soll das Museum bekannter gemacht und wenig bekannten Autoren die Möglichkeit gegeben werden, ihre Texte vorzutragen.

Die Gründerin des Museums, Lotte Ravicini, bezeichnet Probst als Mäzenin. «Ich finde es wunderbar, dass sie das Museum ins Leben gerufen hat.» Sie habe viel Geld, Zeit und Liebe investiert und das Museum zu dem gemacht, was es heute ist. «Lotte Ravicini ist selber eine Biedermeierfrau», erzählt Probst. Sie habe eine grosse Liebe für Mode, was man auch im Kostümzimmer bewundern kann. Und den Lesesaal habe sie mit viel Gefühl mit Möbeln aus der Biedermeierzeit eingerichtet. Voraussichtlich wird dieser Lesesaal noch für einige Zeit zu bewundern sein, trotz der niedrigen Besucherzahlen. «Auch wenn heutzutage alles viel schnelllebiger ist; wir existieren trotzdem weiter», meint Probst zuversichtlich. Und die moderne Website des Museums werde vielleicht auch ein paar jüngere Besucher anziehen, zwinkert er.

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