Obergericht

«Eine Schweinerei»: Kinderschänder von Starrkirch erhält 52'000 Franken Entschädigung

Der Kinderschänder von Starrkirch-Wil.

Der Kinderschänder von Starrkirch-Wil.

Die Beschwerdekammer des Solothurner Obergerichts spricht dem als «Kinderschänder von Starrkirch» bekannten Mann eine Entschädigung von 52'100 Franken zu. Sein Opfer erhält dreimal weniger. Für das ehemalige Opfer und seine Familie ein Hohn.

Er vergewaltigte in Starrkirch-Wil ein Mädchen und bekommt nun eine Entschädigung von 52 100 Franken. Grund: Der vorbestrafte Kinderschänder W. sass zu lange hinter Gittern. Die Beschwerdekammer des Solothurner Obergerichts hat ihm Schadenersatz wegen «ungerechtfertigten Freiheitsentzugs» zugesprochen.

Für das Opfer ist dies ein Schlag ins Gesicht. «Ich bin am Telefon fast ausgerastet», beschreibt die mittlerweile 19-Jährige den Moment, als sie vom Urteil erfahren hat. Sie finde es eine Schweinerei, sagt sie gegenüber Tele M1 unverblümt. Die junge Frau, die anonym bleiben will, leidet noch heute unter den Folgen des Übergriffs. Sie befindet sich in Therapie, um den Übergriff von 2006 zu verarbeiten, wie die «SonntagsZeitung» berichtete. Täter W., ein heute 44-jähriger Mann südamerikanischer Herkunft, lockte in Starrkirch-Wil die damals Achtjährige in eine Baubaracke und vergewaltigte sie.

Das Opfer erhielt eine Entschädigung von 17'300 Franken, ausbezahlt von der Opferhilfe. Ein Drittel von dem, was dem Täter jetzt zusteht. Für den Vater der jungen Frau ist das Geld zweitrangig: «Ich würde lieber auf das Geld verzichten, wenn man dadurch alles ungeschehen machen könnte», sagt er gegenüber dem TV-Sender. Am liebsten sähe der den Täter wieder «eingesperrt bei Wasser und Brot», wie er sagt.

Vergewaltiger erhält Entschädigung

Die Solothurner Richter sprechen dem Kinderschänder William W. 50'000 Franken zu. Dreimal mehr als seinem Opfer.

Nachträgliche Verwahrung?

Nach Ablauf seiner fünfjährigen Strafe in Form einer stationären Therapie ordnete das Solothurner Obergericht 2015 eine Verlängerung dieser Massnahme an. Der Mann wehrte sich dagegen vor Bundesgericht mit Erfolg. Eine Verlängerung der Therapie ist nur zulässig, wenn die Therapie Erfolg verspricht. Doch weil der Mann als untherapierbar gilt, respektive jegliche therapeutische Massnahme verweigert, war die Verlängerung laut Bundesgerichtsentscheid trotz Rückfallrisiko unzulässig. Bis zur Freilassung unter Auflagen dauerte es bis 2016. Für die zusätzlich abgesessene Zeit muss der Kanton W. deshalb finanziell entschädigen.

Vor dem Amtsgericht Olten-Gösgen ist derzeit allerdings noch ein Verfahren für eine nachträgliche Verwahrung hängig. Es ist also nicht auszuschliessen, dass W. wieder in einer geschlossenen Anstalt landet. Laut «SonntagsZeitung» lebt er derzeit in einem Wohnheim und wird per GPS überwacht. Er war 1999 bereits im Kanton Aargau wegen mehrfacher Schändung und sexueller Handlungen mit Kindern verurteilt worden.

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Angst vor Begegnung

Sein früheres Opfer aus Starrkirch-Wil fürchtet sich davor, ihrem Übeltäter heute wieder zu begegnen. «Er weiss, wo ich wohne. Meine Adresse steht in den Akten», sagt sie. «Aber ich darf nicht wissen, wo er ist, weil er die Auskunft verweigert. Das ist doch eine Schande.»

Der kuriose und komplexe Fall sorgte auch in den sozialen Medien für Gesprächsstoff. «Was sind das für Richter, die den Täter belohnen?», fragt ein User auf Facebook. «Wenn er untherapierbar ist, muss er freigelassen werden? Was ist das denn für eine Logik?», will eine andere wissen.

Andere Kommentarschreiber weisen darauf hin, dass ein Vergleich der Entschädigungssummen von Opfer und Täter wenig zielführend sei. Die Gründe für den jeweiligen Schadenersatz seien schliesslich völlig unterschiedlich.

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