Museum
Eine Reise in die kulinarische Vergangenheit von Erschwil

Im Kanton Solothurn reicht die Geschichte vom Essen und Trinken mindestens 80'000 Jahre zurück. Eine kleine Sonderausstellung in Erschwil gibt Einblicke in den Speiseplan der altsteinzeitlichen Jäger und Sammlerinnen, die vor 16‘000 Jahren dort lebten.

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«Wer is(s)t denn da?»
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Die Fundstelle im Chesselgraben heute. Im Jahr 1985 fand hier eine archäologische Ausgrabung statt. Dabei kamen Spuren altsteinzeitlicher Jäger zum Vorschein (Foto: Jürg Stauffer)
Chesselgraben bei Erschwil im Frühling 14‘058 v. Chr. Onava kehrt erfolgreich von der Jagd zurück. (Illustration: Benoît Clarys)

«Wer is(s)t denn da?»

Zur Verfügung gestellt

Die Spuren der kulinarischen Vergangenheit im Gebiet des heutigen Kantons Solothurn sind vielseitig. Das Repertoire reicht von jahrtausendealten Jagdwaffen und Schneidewerkzeugen aus Feuerstein über jahrhundertealte Kochtöpfe bis zu 300-jährigen Kirschkernen. Auch im Chesselgraben in Erschwil sind bei einer Ausgrabung im Jahre 1985 Spuren von altsteinzeitlichen Menschen zum Vorschein gekommen.

Vor 16‘000 Jahren fanden sie hier unter einem Felsvorsprung Unterschlupf und schlugen wahrscheinlich auch ihre Zelte auf. Die Archäologen fanden Reste einer Feuerstelle, Geräte aus Feuerstein und Tierknochen – sowie eine so genannte Gargrube. In solchen Gruben garten die Steinzeitmenschen Fleisch und Fisch. Materialproben vom Chesselgaben zeigten: Die ersten Erschwiler mochten gern Fisch.

Dank der archäologischen Forschung im In- und Ausland weiss man heute einiges über die Ernährung der Menschen in der Altsteinzeit. Gegen Ende der letzten Eiszeit war das Klima kühl.

Zwischen 10'000 und 80'000 Jahre alte Funde

Wo heute Wald die Landschaft prägt, wuchsen damals nur vereinzelt kleine Bäume wie Zwergbirken und niederwüchsige Weiden sowie Sträucher. Gras, Kräuter und Moose bedeckten den Boden. Hier lebten Rentiere, Wildpferde, Schneehasen und Schneehühner. Die altsteinzeitlichen Menschen waren Wildbeuter und Wildbeuterinnen – sie lebten vom Jagen, Sammeln und Fischen. Weil sie ihren Aufenthaltsort an das Nahrungsangebot anpassten, waren sie viel unterwegs und legten übers Jahr teils Hunderte von Kilometern zurück.

Die archäologischen Objekte, die in der kleinen Ausstellung im Schulhaus Brühl zu sehen sind, stammen aus Erschwil und auch aus weiteren Gemeinden des Kantons. Die exakt ausgearbeiteten Spitzen und Werkzeuge aus Feuerstein, die feinen Knochennadeln oder die künstlerische Gravierung eines Steinbockkopfes auf einem Knochenplättchen sind die ältesten Funde, die jemals auf dem Gebiet des heutigen Kantons Solothurn gefunden wurden. Sie sind zwischen 10'000 und 80'000 Jahre alt und stammen von Neandertalern oder modernen Menschen.

Die Ausstellung «Wer is(s)t denn da? Eine Reise in die kulinarische Vergangenheit von Erschwil» ist Teil einer grösseren Wanderausstellung, konzipiert vom Archäologischen Museum des Kantons Solothurn. Neben Erschwil ist in der Mehrzweckhalle Rodersdorf noch bis zum 29. September eine Ausstellung über die Ernährung in der Römerzeit zu sehen.

Von Herbst 2018 bis Herbst 2019 wird die komplette Ausstellung unter dem Titel «Wer is(s)t denn da? 80‘000 Jahre Essen und Trinken» im Kulturama in Zürich präsentiert. (sks)

Weitere Informationen unter www.amsol.ch.