Cyberkriminalität

Eine Rachetat aus enttäuschter Liebe

Cyberkriminalität. (Symbolbild)

Seine Angebetete gab ihm einen Korb. Deshalb wollte ein IT-Fachmann ihr Handy hacken und in ihrem Namen kompromittierende SMS verschicken. Die Ermittler mussten unglaublich viel Aufwand betreiben – für eine geringe Strafe.

Wer im Internet unterwegs ist, kennt keine Ländergrenzen. Dies mag ein Vorteil für Verbrecher sein. Dieser Fall allerdings zeigt: Auch die Ermittler arbeiten über die Grenzen hinweg. Es war das deutsche Bundeskriminalamt, das einem Solothurner 2014/15 auf die Schliche kam.

Doch der Reihe nach: Es muss nur ein kurzes Beziehungsintermezzo gewesen sein. Dann gab die Frau dem IT-Fachmann einen Korb und ging zum Ex-Freund zurück. Der Verschmähte jedoch konnte sich mit seiner Abfuhr nicht anfreunden. Er sann auf Rache und kaufte im Internet für 210 US-Dollar einen Trojaner. Das schädliche Programm erlaubt ihm, unbemerkt in das Mobiltelefon der Frau einzudringen, ihre Daten auszuspionieren und im Namen der Frau Textnachrichten an Personen zu versenden. Er wollte bestimmten Personen in ihrem Namen schreiben, dass sie fremdgegangen sei und sich dafür entschuldige. Bekannt ist dies den Ermittlern, weil sie auf dem Computer des Mannes eine Checkliste fanden, in der er detailliert festhielt, wie er vorzugehen gedenkt. Auf dem Mobiltelefon der Frau, das inzwischen neu aufgesetzt worden war, fand die Polizei keine Hinweise auf die Software.

Grosser Aufwand für einen kleinen Erfolg gegen Cybercrime

Jetzt ist klar: Der Mann wird wegen Datenbeschädigung verurteilt. Das Obergericht hat kürzlich die bedingte Strafe bestätigt, die zuvor bereits das Amtsgericht Bucheggberg-Wasseramt ausgesprochen hatte. Verurteilt wird der EDV-Experte zu 150 Tagessätzen à 90 Franken, bedingt. «Sein Motiv war Rache und damit ein niedriger Beweggrund», halten die Richter fest.

Der Fall zeigt, wie komplex und aufwendig die Ermittlungen im Bereich Cyberkriminalität sind. Nicht nur lieferten die deutschen Ermittler des Bundeskriminalamtes im Rahmen einer grösseren Aktion gegen Schadsoftware den Anstoss zur jetzigen Verurteilung. Der Fall ging von Deutschland zur Schweizer Koordinationsstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität und von dort nach Solothurn. Am 27. Oktober 2015 fanden europaweit koordiniert Hausdurchsuchungen statt.

Die Richter müssen sich in ihrem umfangreichen Urteil mit diversen komplexen technischen Fragen auseinandersetzen und sich dabei auf Expertenwissen verlassen: Mehrfach wird ein zugezogener Fachmann zitiert.

Am Ende dauerte das Verfahren lange, der Aufwand war immens, die Strafe aber gering. Es bleiben für den offenbar gut situierten IT-Fachmann allerdings mehrere tausend Franken Gerichts- und Anwaltskosten übrig, die er zu bezahlen hat.

Verwandtes Thema:

Meistgesehen

Artboard 1